Skillmix

Pflegehelfer sind kein Ersatz für Examinierte

Eine englische Studie zeigt: Arbeiten auf einer Station ausreichend examinierte Pflegekräfte, verringert sich das Sterberisiko der Patienten. Für Pflegeassistenten lässt sich dieser Schluss nicht ziehen

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Mangelt es auf Stationen im Krankenhaus an Pflegepersonal, geht das zu Lasten der Patienten. Diesen schon häufiger diskutierten Zusammenhang bestätigt nun ein Team aus internationalen Wissenschaftlern, nachdem es Informationen aus einem britischen Krankenhaus ausgewertet hat: Die Forscher betrachteten in ihrer Studie Patientendaten aus drei Jahren – darunter demographische Daten wie Alter und Geschlecht, akute diagnostische Befunde und Ko-Morbiditäten, Aufnahme- und Verlegungen innerhalb der Klinik und den Frühwarnscore (National Early Warning Score, NEWS) – und verglichen sie mit dem Personaleinsatz in den jeweiligen Tagen. Ergebnis: Je dünner die Personaldecke, desto häufiger traten Todesfälle auf. Doch ihre Studie geht noch weiter: Die Versorgungslücke, die durch den Mangel an examinierten Pflegekräften aufgerissen wird, kann offenbar auch durch den Einsatz von Pflegeassistenten nicht gestopft werden.

Bei Unterbesetzung steigt Sterblichkeit um 3 Prozent

Rund 138.000 erwachsene Patienten lagen zwischen April 2012 und März 2015 auf 32 Stationen eines Akutkrankenhauses im Süden Englands (Southampton), hatten hier mindestens einen Tag, durchschnittlich aber 6,8 Tage auf einer allgemeinen oder chirurgischen Station verbracht. Im Schnitt waren sie 67 Jahre alt, gut die Hälfte hatte Ko-Morbiditäten, auch Notfallpatienten waren unter ihnen (79 Prozent); 14 Prozent waren älter als 85 Jahre. Die Sterblichkeit lag insgesamt bei 4,1 Prozent.

Patientensicherheit: Jede Stunde zählt

Die Wissenschaftler stellten nun diese Daten jenen der Personalplanung der jeweiligen Tage gegenüber: Der Einsatz an examinierten Pflegekräften lag bei durchschnittlich 4,75 Stunden pro Patient und Tag, variierte dabei je nach Station zwischen 2,9 Stunden und 9,61 Stunden. In den ersten fünf Tagen ihres Klinikaufenthaltes wurden die Patienten rechnerisch 1,93 Tage von einer unterdurchschnittlichen Menge an Pflegekräften betreut, so die Forscher. Mit entscheidenden Folgen: Die Sterberate der Patienten stieg um drei Prozent an jedem Tag, an dem sie von einem unterbesetzten Pflegeteam versorgt wurden. Umgekehrt führte jede zusätzliche Stunde, die einem Patienten innerhalb seiner ersten fünf Tage in der Klinik an Pflegeleistung zuteil wurde, zu einer Reduktion der Sterbewahrscheinlichkeit um drei Prozent.

Augen auf beim Skillmix!

Zwar wurden die Pflegekräfte durch Pflegehelfer unterstützt: In einem Skill-Mix von 62 Prozent lag der Personalbestand an examinierten Kräften bei durchschnittlich 4,75 Stunden pro Patient und Tag, jener von Assistenzkräften bei 2,99 Stunden pro Patient und Tag.

Personalmangel: Pflegehelfer sind nicht immer die Lösung

Doch die Analyse legt die Vermutung nahe, dass der Einsatz von Assistenten den Patienten nicht zwingend hilft: Den linearen Zusammenhang zwischen Patientensterberate und Pflegestunden, wie er sich bei examinierten Fachkräften zeigt, konnten die Wissenschaftler für die Helfer nicht bestätigen. „Arbeitsstunden von Pflegekräften und -helfern sollten deshalb nicht als gleichwertig betrachtet werden“, so das Fazit der Forscher. Zwar sollten Pflegeassistenten weiterhin „eine wichtige Rolle für die Patientensicherheit“ spielen, doch als Ersatz für examinierte Schwestern und Pfleger eignen sie nach Betrachtung der Studienergebnisse nicht.

Quelle:

BMJ Qual Saf 2018;0:1–9. doi:10.1136/bmjqs-2018-008043

British Medical Journal Quality and Safety: Nurse staffing, nursing assistants

and hospital mortality: retrospective longitudinal cohort study; Griffiths P, Maruotti A, Recio Saucedo A, et al.

Autorin: Romy König

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