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Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender von Agaplesion, einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft 

Pflege und Politik

Pflegebonus: Agaplesion-Chef schreibt an Lauterbach

Die ungerechte Verteilung des Bonus schaffe Frust und konterkariere das Bestreben, Pflegekräfte im Beruf zu halten, kritisiert Markus Horneber, Vorstandvorsitzender von Deutschlands größtem konfessionellem Klinikkonzern

Einzelne Pflegekräfte haben bereits an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wegen des komplizierten und kaum nachvollziehbaren Verteilungsschlüssels geschrieben. Die „Aktion: Notaufnahmen retten!“ sammelt Unterschriften für einen offenen Brief. Nun schaltet sich erstmals ein großer Klinikkonzern ein. Wir veröffentlichen den offenen Brief von Agaplesion an Karl Lauterbach im Wortlaut.

Offener Brief von Agaplesion an Gesundheitsminister Lauterbach 

Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister Lauterbach,

Anfang Oktober haben die nach § 26 e Krankenhausfinanzierungsgesetz berechtigten Mitarbeiter:innen der AGAPLESION gAG, Deutschlands größtem christlichen Gesundheitskonzern mit 23 Krankenhäusern in ganz Deutschland, den sogenannten Pflegebonus erhalten.

Grundsätzlich halten wir es für richtig und angezeigt, dass die hoch engagierte und für die Gesellschaft unverzichtbare Arbeit unserer Mitarbeiter:innen während der fortdauernden Pandemie auf diese Weise Anerkennung erfährt.

Allerdings nimmt die gesetzliche Regelung eine ganze Reihe von Berufsgruppen aus, die in gleicher Weise wie die vom Bonus Begünstigten einen großen Beitrag zur Versorgung der Patient:innen in unseren Krankenhäusern geleistet haben:

Das sind beispielsweise Pflegefachkräfte, die im ambulanten Bereich oder im OP arbeiten, oder Ärzt:innen, Pflegehilfskräfte, Krankenpflegehelfer, Hebammen, Beschäftigte in Funktionsbereichen, aus anderen medizinischen Fachberufen, und Auszubildende.

Besonders befremdlich ist es für uns, dass pflegerische Mitarbeiter:innen ausgenommen sind, die in unseren Zentralen Notfallaufnahmen beschäftigt sind und dort unverzichtbare Arbeit leisten. Obwohl ihre Tätigkeit einem ganz besonderen Risiko ausgesetzt ist, sind diese für Sie offensichtlich nicht in gleicher Weise bedeutsam.

Sehr geehrter Herr Minister, wir könnten diese Liste der Ungerechtigkeiten noch weiter verlängern. Wir schreiben Ihnen, weil es Ihnen – wie Sie immer wieder in den Medien betonen – persönlich ein großes Anliegen ist, Mitarbeiter:innen in den Pflegeberufen zu halten bzw. sogar zu versuchen, diese zurückzugewinnen.

Wie dieses Bestreben mit dem Verteilungsschlüssel für den Pflegebonus zusammengehen soll, ist uns offen gesagt ein Rätsel. Im Gegenteil: Die Rückmeldungen, die wir in großer Zahl erhalten, spiegeln den Frust und den Ärger gegenüber dem Gesetzgeber wider und auch ganz persönlich Ihnen gegenüber als dem zuständigen und verantwortlichen Minister.

Da wir als freigemeinnütziges Unternehmen ohne fremde Unterstützung aus eigener Kraft am durch die überbordende Regulatorik immer schwieriger werdenden Gesundheitsmarkt überleben müssen, konnten wir zu unserem großen Bedauern keine freiwilligen Zahlungen leisten. Ganz im Gegensatz zu kommunalen Häusern und Universitätskliniken, die ihre defiziterhöhenden freiwilligen Leistungen durch Zuschüsse der Kommunen, Landkreise oder Länder an die Steuerzahler:innen überwälzen können.

Auch vor diesem Hintergrund treffen Ihre Festlegungen zur Anspruchsberechtigung bei dieser Sonderzahlung bei uns und unseren Mitarbeiter:innen auf großes Unverständnis.

Wir bitten Sie daher eindringlich, eine weitere Sonderzahlung kurzfristig zu initiieren, die den von uns angesprochenen Beschäftigten im Krankenhaus zugutekommt.

Sehr gerne stehen wir Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und sind sehr gespannt darauf!

Mit freundlichen Grüßen Für den Vorstand der AGAPLESION gAG Dr. Markus Horneber Vorstandsvorsitzender AGAPLESION gemeinnützige Aktiengesellschaft

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