Podcast "Übergabe"

Pflege-Fortbildung während der Autofahrt

„Übergabe“ der erste Podcast für Pflegekräfte macht's möglich. Wir sprachen mit dem Initiator Christian Köbke (Foto: Mitte). Er ist Altenpfleger und hat gerade seine Masterarbeit (Pflegewissenschaft) an der Uni Witten/Herdecke abgegeben

pflegen-online: Im Dezember ist ihr erster Podcast „Übergabe“ an den Start gegangen. Wie sind Sie auf den anschaulichen Titel „Übergabe“ gekommen?

Christian Köbke: Über 20 Namen waren beim ersten Treffen des Teams im Rennen und wir konnten uns nicht einigen. Plötzlich waren Übergaben im Gespräch und uns fiel auf: Das wäre auch ein guter Titel. „Übergabe“ passt zu Pflege, ist relevant und prägnant. Wichtig war, unser Format von medizinischen Themen abzugrenzen. Deshalb ist im Logo auch kein Stethoskop zu sehen. Auch die beliebten Bildmotive mit Händen wollten wir nicht. Wir zielen nicht auf die Tränendrüsen ab, sondern vertreten ein professionelles Verständnis von Pflege.

Wie fing alles an?

Mein Anfangsgedanke war: Warum gibt es eigentlich keinen Podcast, der gut aufbereitet berichtet, was gerade in der Pflege geschieht? Diese Lücke wollte ich füllen. Unser erstes Planungstreffen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus Witten war im Herbst 2018.

Warum halten Sie Podcasts für ein geeignetes Medium für die Pflege-Fortbildung?

Wir haben uns überlegt, wie man Fachinformationen besser vermitteln könnte – mit welchem Medium und welchen Themen? Für Podcasts haben wir uns entschieden, weil sie kostenlos sind und ortsunabhängig gehört werden können – in der Bahn, beim Putzen, beim Autofahren.

Was motiviert Sie, vor allem auf lange Sicht?

Es macht Spaß, auf jeden Fall. Wir sind alle mit Herzblut dabei. Und wir haben tolle Fans. Das hilft, in Verbindung zu bleiben. Wir wollen Leute erreichen, die etwas wissen wollen und tragen durch unser Medium dazu bei. Das ist ein gutes Gefühl. Natürlich lernen wir auch viel dazu.

In Presseberichten heißt es, dass „Übergabe“ keine „Jammer-Plattform“ sein soll. Was meinen Sie damit?

In der Pflege gibt es eine ‚Jammer-Kultur‘, in der Zeitmangel und Überforderung thematisiert werden. Missstände anzuprangern reicht aber nicht – es gehört dazu, sie konstruktiv zu besprechen.

Lange hat die Pflege nichts unternommen und nur ausgehalten. Vielleicht kippt die Stimmung aber momentan. Das Selbstverständnis von Pflege wandelt sich. Einerseits durch die politischen Bestrebungen, die Pflege auf ein höheres Niveau zu heben – Stichwort Generalisierung und Akademisierung. Andererseits schreitet die Pflegewissenschaft voran, was durch neue Studiengänge auch in der Patientenversorgung ankommt. Die Pflege emanzipiert sich auch durch die Kammerbewegung. Das ist dringend nötig, denn die Strukturen sind desolat.

Was können Pflegekräfte durch Ihre Podcasts lernen?

Sie erfahren alles über das jeweilige Thema. Sie können sich mit Ethik auseinandersetzen, alles über Advanced Practice Nursing lernen, aber sich auch darüber informieren, was auf sie konkret zukommt, etwa beim Thema Qualitätsindikatoren. Ab November werden die neuen Qualitätsprüfungen Gesetz. Bei uns erfährt man, warum das wichtig für die Pflege und unseren Beruf ist.

Wie erfolgreich sind Sie?

Wir haben eine stetig positive Entwicklung. Aktuell haben wir 3.500 Abrufe pro Folge.

Wer sind Ihre Hörer?

Wir haben ein breites und relativ junges Publikum. Die meisten sind zwischen 23 bis 40 Jahre alt. Uns hören auch Juristen und Mediziner, Gerontologen, Pflegewissenschaftler, Pflegemanager aus der Akut- und Langzeitpflege, Verwaltungsbeschäftige und Lehrende. Kurz gesagt sind es Interessierte, die merken, dass viel Wissen in den Themen steckt, die die Pflege diskutiert.

Wie erklären Sie sich, dass Ihre Zuhörer sich bis zu 90 Minuten Zeit nehmen, um etwa einer Talkrunde zuzuhören? Das ist ungewöhnlich in unserem beschleunigten Leben.

Wir wollen, dass der Inhalt fachlich in Ordnung ist und in einer gewissen Tiefe aufgezogen wird. Deshalb dauerte die erste Folge sogar zwei Stunden. Das war vielen zu lang. Daraufhin haben wir auf maximal 90 Sendeminuten reduziert und die Folgen so gegliedert, dass man einzelne Kapitel anwählen kann.

Wie aufwendig ist die Produktion?

Wir haben anfangs einige Euro in die technische Ausrüstung investiert: Headsets, Mikros, ein kleines Aufnahmegerät. So haben wir ein flexibles, mobiles Podcast-Studio. Wir produzieren von überall; da fallen etliche Fahrtkosten an. Wir sind gut beschäftigt, aber es ist kein Vollzeitjob.

Wie stemmen Sie das, wenn der Podcast selbst doch kostenlos ist?

Alle Folgen stellen wir in Eigeninitiative auf die Beine. Wir arbeiten komplett unabhängig und ehrenamtlich, weil wir uns vor keinen Karren spannen lassen wollen. Freiwillige Spenden helfen natürlich. Wer uns unterstützen möchte, kann das jederzeit tun. Und wir freuen uns auch immer über Bewertungen bei Apple-Podcasts.

Was sind die nächsten Themen und Pläne?

Wir haben rund 50 Themen auf unserer Liste, ein buntes Potpourri. Viele Vorschläge kommen von unseren Hörerinnen und Hörern. Es gibt auch Zukunftspläne. Ich denke, man wird die nächsten Jahre von uns hören.

Interview: Heike Wehrbein

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