Deutscher Pflegetag 2018

Personal: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Personalgewinnung ist in Ballungsgebieten schwierig, in strukturschwachen Gebieten fast unmöglich. Michael Isfort, Träger des Deutschen Pflegepreises, sucht nach Lösungen.

Inhaltsverzeichnis

Die Fachkräftesicherung ist für das Management eine der zentralen Herausforderungen geworden. Personalbindung, die Qualifizierung und Personalentwicklung haben das Thema der Personalauswahl abgelöst. Der Fachkräftemangel zeigt sich dabei tatsächlich als ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, nicht an Händen oder Füßen, wie irrtümlich mitunter angenommen wird, denn Auswertungen aus Einrichtungen zeigen, dass vor allem für höhergradige Qualifizierungen gesucht wird.

Willkommensprämien

Untätig waren die Einrichtungen und Arbeitgeber nicht. Befragungen der Einrichtungen in NRW zeigen beispielsweise auf, dass fast flächendeckend wichtige Maßnahmen ergriffen wurden. Flexible Arbeitszeitmodelle, späterer Arbeitsbeginn für Pflegende mit Kindern, Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung werden ebenso genutzt wie außertarifliche Vergütungen oder der Einsatz von Konzepten der Eingliederung nach Elternzeit. In Regionen extremer Konkurrenz werden auch Willkommensprämien geboten. Die ist jedoch kritisch zu sehen, denn damit werden die Kapazitäten an anderer Stelle geschwächt und es droht eine Spirale der Prämiensysteme, die die Grundproblematik nicht löst. Überwiegend wird Analysen zufolge darauf gebaut, dass eigene zufriedene Mitarbeiter andere werben und rekrutieren. Das hat die Meldung der offenen Stellen bei den Jobcentern abgelöst. Zukünftig werden „Stellenanzeigen“ in Zeitungen von Posts und Kurzvideos in Portalen abgelöst werden.

Dabei darf jedoch ein Fakt nicht missverstanden werden: Überregionale und medial klug gesteuerte Verbreitung heißt noch längst nicht regionale Rekrutierungsmöglichkeit.

Pflegende sind örtlich gebunden

Aus Nordrhein-Westfalen ist bekannt, dass über 80 Prozent der Mitarbeiter aus einem Umkreis von rund 20 Kilometern angeworben wurden. Pflegende sind örtlich gebunden und erscheinen wenig mobil. Daher ist es sinnvoll, sich mit regionalen Bedarfen, Entwicklungen und Strukturen vor Ort näher zu beschäftigen. Die wohnortnahe Ausbildungsmöglichkeit ist wichtig, um zukünftig auch weiter rekrutieren zu können. Die Ausbildungskapazität der Bildungszentren ist entscheidend für die Sicherung der Standorte der Einrichtungen. Nur wenigen Einrichtungen ist die Kapazitätsgrenze vor Ort aber konkret bekannt.

Kleinräumige Regionalanalysen erforderlich

Strukturschwache Regionen in diesem Sinne sind anders definiert: hier herrscht eine hohe Einrichtungs- und Beschäftigungsdichte, demografische Entwicklungen weisen auf einen hohen zukünftigen Bedarf hin und die vorhandene Ausbildungsstätte ist relativ klein. Die nächste Ausbildungsstätte ist über 30 Kilometer entfernt. In einzelnen Regionalanalysen in NRW zeigt sich zum Beispiel, dass die Kapazität eines Jahrgangs nur jeder dritten Einrichtung die Einstellung eines neuen Mitarbeiters ermöglicht. Hier stellt sich die Frage nach dem Entwicklungspotenzial der Marktanbieter. Solche kleinräumigen Regionalanalysen sind demnach ein notwendiger Schritt, um tragfähige Versorgungsallianzen aufzubauen und lokale Entwicklungen zu steuern und Konzepte zu entwickeln. Die Politik kann flankierend Programme und Förderungen auflegen, um Kapazitäten dorthin zu steuern, wo sie erhöht benötigt werden.

Autor: Prof. Dr. Michael Isfort (kw)

Prof. Dr. Michael Isfort ist der Träger des Deutschen Pflegepreises 2017. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) wird als Referent auch 2018 wieder in Berlin sein. Sein Thema: Strategien für Versorgung Modelle und Personalgewinnung in strukturschwachen Gebieten.

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Das Foto zeigt Prof. Dr. Michael Isfort (links) bei der Preisübergabe des Deutschen Pflegepreises 2018 mit Andreas Westerfellhaus, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Pflegetages.

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