Mundpflege

Mundgeruch – warum Zungenpflege so wichtig ist

8 Tipps, wie sich Mundgeruch vorbeugen lässt. Wertvoll sind sie auch für Pflegekräfte, weil Patienten und Bewohner – besonders bei der momentanen Hitze – leicht Mundgeruch entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Wer unter Mundgeruch leidet, sollte aktiv werden. Denn Mundgeruch ist nicht nur unangenehm für die Mitmenschen. Mundgeruch ist auch ein Indikator für Beschwerden im Bereich Mundhöhle und Verdauungstrakt. Gerade Pflegekräfte tun deshalb gut daran, wenn sie bei Patienten oder Bewohnern Mundgeruch nicht als normale Alterserscheinung abtun.

„Die Zunge spielt auch bei Mundgeruch im Alter eine besondere Rolle", sagt Monika Hammerla, Fachpflegekraft für Gerontopsychiatrie und geriatrische Rehabilitation sowie Autorin des Buches „100 Tipps zur Mund- und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen“ (Brigitte Kunz Verlag). Sie rät bei Mundgeruch zu einer sorgfältigen Pflege der Zunge und zu allgemeinen Gesundheitsregeln.

Tipp 1: Trinken, trinken, trinken

Die Zufuhr von Flüssigkeit ist entscheidend und wird im Pflegeheim leicht unterschätzt. „Ich habe beste Erfahrungen mit alkoholfreier Bowle und mit Getränken aus Brausepulver gemacht“, sagt Monika Hammerla. „Diese Getränke sind positiv in der Biografie der Senioren verankert und werden sehr, sehr gerne getrunken – nur bei Diabetikern ist Vorsicht angebracht.“ Auch kleine Melonenstücke, zum Essen gereicht, können laut Hammerla die Flüssigkeitszufuhr ankurbeln.

Tipp 2: Auf die Zunge konzentrieren, sie ist Bakterienherd

Pflegefachkräfte müssen sich gerade im Sommer bei der Mundhygiene auf die Zunge konzentrieren. Denn hier lauert die größte Gefahr für schlechten Mundgeruch, wissenschaftlich „Foetor ex ore“ oder „Halitosis“ genannt. Bei Älterern lassen sich hier Bakterien besonders gern nieder, hier fühlen sie sich wohl. Der Grund: Die Oberfläche der Zunge mit ihren Furchen und Falten ist bei alten Menschen noch rauer als bei Jüngeren. In der Wärme der Mundhöhle wachsen die Bakterien rasch, unangenehm riechende Schwefelverbindungen entstehen. Etwa 60 bis 80 Prozent der Bakterien im Mundraum finden sich auf der Zunge.

Tipp 3: Erst erklären, dann reinigen

Um den pflegebedürftigen Bewohner nicht zu verunsichern, sollte die Pflegekraft zunächst ausführlich über die Zungenreinigung informieren. Außerdem ist zu Beginn äußerste Vorsicht angebracht. „Gerade demenzkranke Pflegebedürftige bekommen leicht Angst“, sagt Expertin Hammerla. „Sie fühlen sich bedroht, wenn man ihnen ohne Vorwarnung im Mund herumfuhrwerkt – der Mund ist eine intime Zone, bei einem Eindringen ohne Vorwarnung fühlen sich Pflegebedürftige schutzlos.“

Tipp 4: Benutzen Sie Zungenbürsten, Zungenkratzer oder Zungenschaber

Zuerst sollten Pflegekräfte mit der mechanischen Reinigung der Zunge ansetzen. Dazu eignen sich Zungenbürsten oder Zungenreiniger, auch Zungenkratzer oder Zungenschaber genannt. Zungenbürsten verfügen wie Zahnbürsten über eine Reihe von Borsten, mit denen man vorsichtig über die Zunge streichen kann. Zungenkratzer oder Zungenschaber gibt es in verschiedenen Formen – als leicht gebogenen Stab aus Edelstahl, mit dem man vorsichtig über die Zunge fährt oder als Kunststoffgerät mit einer Öffnung in der Mitte, durch die man die Zunge führt (siehe Foto oben).

Wem Zungenreiniger, Zungenschaber und Zungenkratzer Unbehagen bereiten, dem sei gesagt: In anderen Kulturen sind Zungenreiniger weit verbreitet, etwa in der indischen Ayurveda-Heilkunst. Eine saubere Zunge gilt in vielen Kulturen als Zeichen für Gesundheit und Schönheit.

Tipp 5: Zweiter Durchgang mit Gel

Nach der mechanischen Reinigung kann man ein wenig Gel auf die Zungenbürste streichen und einen zweiten Reinigungs-Durchgang beginnen. „Eine Zungenbürste kann ich auch leicht selbst herstellen“, rät Monika Hammerla, „indem ich mit einer Schere die Borsten eine Zahnbürste kürzer schneide.“ Ebenfalls wichtig: Alle Utensilien zur Zahn- und Mundpflege sind regelmäßig neu zu ersetzen.

Tipp 6: Guter Rat aus der Apotheke

Welche Zungenbürste oder welcher Zungenreiniger am besten geeignet ist – zu dieser Frage sollten sich Pflegekräfte in der Apotheke beraten lassen, empfiehlt Expertin Hammerla. Auch bei der Auswahl von Tees oder Mundspülungen ist die Apotheke die beste Anlaufadresse.

Tipp 7: Chlorhexidin-Spülungen helfen auch der Zunge

Mundspülungen unterstützen die Reinigung der Zunge. Durch eine gezielte Spülung mit einem Mittel, das den Wirkstoff Chlorhexidin enthält, können Pflegekräfte sehr effektiv etwas gegen Mundgeruch unternehmen. Chlorhexidin wirkt nicht nur gegen Bakterien, es kann auch Pilze und Viren vertreiben oder eindämmen und wirkt bis zu 12 Stunden. Kosmetische Mundspülungen mit einem geringen Chlorhexidin-Gehalt sind in der Drogerie oder im Supermarkt erhältlich, medizinische Spülungen mit einem höheren Chlorhexidin-Gehalt sind apothekenpflichtig und werden in der Regel nur in begrenzten Zeiträumen verabreicht.

Tipp 8: Zungenfreuden mit dem Lolli

Neben dem Brausepulver (siehe Tipp 1) eignet sich noch ein weiteres Genussmittel aus Kindheitstagen zu Animierung und Reinigung der Zunge wie auch zur indirekten Aufnahme von Flüssigkeit: der Lolli oder auch Lutscher. Gerade bettlägerigen Pflegebedürftigen verschafft es nicht nur an warmen Sommertagen Erleichterung und Genuss, wenn man sie an einem Lolli lutschen lässt. Aber nochmals der Hinweis von Expertin Monika Hammerla: Immer die Verfassung des Pflegebedürftigen im Blick behalten. Hat er Schluckstörungen? Diabetes? Erst auf Grund der fachlichen Einschätzung lässt sich der richtige Weg zu einer saubereren Zunge und zu weniger Mundgeruch finden.

Pflegeheime, beachtet die Zungenreinigung!

Die Reinigung der Zunge dürfen Pflegeheime auf keinen Fall vernachlässigen. Zungenreinigung findet zu selten statt, hat Monika Hammerla beobachtet. Zeigen sich Beläge, gilt es umgehend zu reagieren. Bei pflegebedürftigen Menschen und Palliativpatienten zeigen sich Beläge auf der Zunge in kürzester Zeit. Diese Beläge entstehen nicht nur durch schlechte Mundhygiene. Der Auslöser können auch Medikamente wie etwa Antibiotika sein, ein anderer Auslöser kann Trockenheit im Mundraum sein. Engmaschige Mundhygiene ist angezeigt.

Autor: Michael Handwerk

Foto: Jens Schünemann

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