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Corona

Mit Pflegekräften raus aus dem Booster-Chaos   

Noch warten viele Pflegeheime auf Booster-Impfungen. Eine gefährliche Situation. DBfK, bpa und RKI sagen  deshalb: Pflegekräfte vor Ort sollten das Impfen übernehmen

Bis Ende des Jahres soll es weitere 27 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland geben. Das wünscht sich der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Ein Wunsch, der wohl nur in Erfüllung geht wenn endlich auch die Pflegekräfte mitimpfen dürfen.

Corona-Inzidenzen betragen mancherorts schon um 1.500   

Besonders in den südöstlichen Bundesländern Bayern, Sachsen und Thüringen, wo sich die Inzidenzen in manchen Landkreisen schon auf 1.500 zubewegen, wird die Situation von Krankenhäusern und Pflegeheimen immer dramatischer. Mit Massen-Boostern wollen die Gesundheitsminister die Situation in den Griff bekommen. Doch es mangelt an Tempo – weil die meisten Impfzentren aufgelöst und die Hausärzte überfordert sind.

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bpa: Gefahr von Impfdurchbrüchen steigt

Grund für den bpa Sachsen, Alarm zu schlagen. „Die bereits dramatisch hohen Inzidenzen in Sachsen steigen weiter rasant und es ist nach wie vor nicht annähernd gelungen, allen Pflegeeinrichtungen Drittimpfungen anzubieten und damit alle Pflegebedürftigen zu schützen. Die Gefahr von Impfdurchbrüchen steigt erheblich“, erklärt der sächsische bpa-Landesvorsitzende Igor Ratenberger am 22. November. Und weiter: „Wenn wir die Pflegeeinrichtungen sichern wollen, müssen die noch ausstehenden Booster-Impfungen jetzt mit hohem Tempo erfolgen.“

Lothar Wieler (RKI): Jeder, der impfen kann, soll jetzt impfen!

Ähnlich formuliert es der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler: „Wir sind in einer Notlage. Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff." Zu Mann und Maus gehören auch die Pflegekräfte. „Warum werden die Pflegefachpersonen in der Pandemiebekämpfung wieder nicht mitgedacht?“, fragt die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Christel Bienstein fordert gemeinsam mit der Deutschen Pflegerat (DPR), endlich die Pflegefachkräfte in die Impfkampagne einzubeziehen: „Die Pflegefachpersonen aus den ambulanten Pflegediensten könnten eigenständig die Menschen mit Pflegebedarf und deren Angehörige impfen. Das wäre eine enorme Entlastung für diese Menschen, die dann eben nicht in eine Praxis kommen müssen, und es würde die Booster-Kampagne effektiv voranbringen. In den Pflegeheimen könnte man dies ebenso gut regeln.“

Auch der Arbeitgeberverband Pflege fordert eine Pflegekräfte-Lizenz zum Impfen: „Wir müssen beim Impfen nicht nur boostern, sondern den Turbo einlegen. In den Pflegeheimen haben wir hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die können das. Es kann einfach nicht sein, dass uns die Pflegebedürftigen wegsterben, weil der vorhandene Impfstoff aus Mangel an Ärzten nicht zügig verimpft wird“, sagt AGVP-Präsident Thomas Greiner.

Bisher gilt: Pflegekräfte dürfen nur impfen, wenn ein Arzt dabei ist 

 Aber dürfen Pflegekräfte überhaupt impfen? Im Prinzip ja, sagt das RKI: „Grundsätzlich sind Impfstoffe Arzneimittel, die nur der Arzt verordnen darf. Es gibt allerdings keine gesetzliche Vorschrift, die die Durchführung einer Impfung ausschließlich dem Arzt vorbehält. Pflegekräfte, Arzthelferinnen und Arzthelfer mit entsprechender Ausbildung dürfen auch Arzneimittel verabreichen. Die Injektionstechniken werden bei der Berufsausbildung dem Pflegepersonal auch vermittelt. Ob das Personal in der Lage ist, eine Impfung korrekt zu verabreichen, ist von fachlichen Vorgesetzten oder dem Arbeitgeber vor einer selbstständigen Ausübung zu überprüfen.“ Allerdings: „Impfungen sollten aber nur in Anwesenheit eines Arztes ausgeführt werden, damit bei unerwarteten Nebenwirkungen und Komplikationen, die in sehr seltenen Fällen auftreten können, sofort optimale Hilfe geleistet werden kann.“

Christel Bienstein (DBfK): Impfen auch entsprechend abrechnen! 

Damit entsprechend ausgebildete Pflegekräfte ambulant und stationär die Booster-Impfungen ohne direkte ärztliche Anbindung vornehmen können, müssten schnellstmöglich die Impfverordnungen angepasst werden fordert der DBfK. Und: „Dazu gehört dann natürlich auch, dass die Leistung entsprechend abgerechnet werden kann und die Pflegefachpersonen nicht einfach eine Zusatzbelastung aufgebürdet bekommen“, wie DBfK-Präsidentin Bienstein betont.

Autor: Hans-Georg Sausse

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