Tabakerhitzer und E-Zigaretten

Mit dem Rauchen aufhören? Was tun, wenn es nicht klappt?

Vor allem zu Jahresanfang ist der Rauchstopp einer der beliebtesten Vorsätze. Doch manche Pflegekraft schafft es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Dann können E-Zigaretten und Tabakerhitzer eine Alternative sein.

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Rauchen im Dienstzimmer, im Großraumbüro, im Zug oder Flugzeug – das war in den frühen 90er-Jahren noch gang und gäbe. Kaum jemand wunderte sich, kaum jemand beschwerte sich. Heute wäre es undenkbar. Ein Bewusstseinswandel hat eingesetzt, es gibt inzwischen auch viel weniger Raucher.

Mehr als jeder Vierte ist Raucher

Gerade unter jungen Leuten hat die Zigarette ihre Anziehungskraft verloren: Bei den 20- bis 24-Jährigen ist die Raucherquote zwischen 1999 und 2013 deutlich unter 30 Prozent gefallen. Allerdings: Auch heute rauchen in Deutschland noch 28,3 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre, wie die Debra-Studie von 2018 zeigt (Deutsches Ärzteblatt 2018; 115: 235–42).

31 Prozent der Pflegekräfte rauchen

Unter Pflegekräften ist der Anteil sogar noch höher: Er beträgt 31 Prozent, wie das Deutsche Netz Rauchfreier Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (DNRfK) ermittelt hat. Aber warum ist das so? Sicherlich: Der Beruf ist oft anstrengend und belastend. Aber das trifft auch auf Hauptschullehrer, Feuerwehrleute und Notfallsanitäter zu. Haben Pflegekräfte ein besonderes Verhältnis zum Rauchen?

Pflegekräfte und Zigaretten – ein besonderes Verhältnis

Eine aktuelle Befragung des Marktforschungsinstituts Psyma im Auftrag der Philip Morris GmbH zeigt überraschende Ergebnisse beim Thema „Rauchen und Pflege“. Befragt wurden 120 Mitarbeiter und Führungskräfte aus der Kranken- und Altenpflege zwischen 18 und 66 Jahren, fast alle in Vollzeit beschäftigt.

  • Wie zu erwarten, berichteten relativ viele Teilnehmer (28 Prozent), sie bräuchten das Rauchen als Ausgleich zu Stress und Belastungssituationen. „Ich sehe so viel Elend“, lautete etwa eine typische Aussage. Doch das Überraschende: Ein noch höherer Anteil (38 Prozent) nannte das soziale Miteinander als Grund für den Griff zur Zigarette. Man raucht, um mit Kollegen oder Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben, man genießt das Rauchen als „kollektives Event“, wie Psyma es ausdrückt. Der Arbeitstag fühlt sich für viele, so könnte man sagen, besser an, wenn sie ihn durch gemeinsame Rauchpausen strukturieren. „Es ist ein Rhythmus, wo geraucht wird, das ist an jedem Arbeitstag dasselbe“, sagte ein Teilnehmer.

  • Die befragten Pflegekräfte rauchten relativ viel – täglich durchschnittlich zwischen 19 und 21 Zigaretten. Unter den Rauchern in Deutschland insgesamt ist der Konsum zwischen 1999 und 2013 dagegen von 17 auf unter 13 Zigaretten täglich gefallen.

  • Die Frage nach einem Rauchstoppversuch in den vergangenen 12 Monaten verneinten 77 Prozent der Teilnehmer. Über die Hälfte (57 Prozent) hat noch nie einen Versuch unternommen.

Pflegekräfte, so der Eindruck, sind extreme Raucher. Viele von ihnen können oder wollen auch gar nicht von der Zigarette lassen. Das scheint paradox, bekommen sie an ihrem Arbeitsplatz die gefährlichen Auswirkungen des Rauchens doch beinahe täglich vor Augen geführt.

Das Nikotin an sich ist nicht das Problem

Vielen Pflegekräften (84 Prozent) ist auch bewusst, dass weniger das Nikotin, der eigentliche Suchtstoff, das Problem ist, sondern der Verbrennungsprozess. Bei diesem entstehen Tausende Chemikalien, von denen viele toxisch und krebserregend sind.

Der Verbrennungsprozess ist schädlich

Mit Tabakerhitzern oder E-Zigaretten lassen sich diese Verbrennungsprozesse jedoch vermeiden. Der Tabak (Tabakerhitzer) oder eine nikotinhaltige Flüssigkeit (E-Zigarette) werden nämlich nicht verbrannt, sondern nur erhitzt. Viele Pflegekräfte haben von diesen Produkten, die weniger Schadstoffe freisetzten, gehört. Doch es herrscht eine gewisse Skepsis.

Die Stimmen unabhängiger Experten

Ist die Anwendung möglicherweise nicht ein wenig kompliziert? Vielleicht geht das „Raucherlebnis“ verloren? Versprechen die Hersteller dieser Produkte nicht zu viel? Das fragen sich laut Psyma-Studie viele Pflegekräfte. Denn von „gesund“ kann man im Zusammenhang mit Rauchen doch gar nicht reden. Aber das tun die Hersteller auch nicht, wenn man genau hinhört. Was sie versprechen, ist „Harm Reduction“ – also: Schadensbegrenzung. Und das ist etwas, das inzwischen immer mehr Experten unterstreichen – Experten, die keine wirtschaftlichen Interessen mit Tabakerhitzern oder E-Zigaretten verknüpfen:

  • Die für ihre produktkritische Haltung bekannte Zeitschrift Test (1/2018) schreibt in einem Bericht über Tabakentwöhnung: „Abschließend bewerten und vergleichen lassen sich E-Zigaretten und Iqos anhand der vorliegenden Studien noch nicht. Ob und wie schädlich sie langfristig sind, ist unklar. Der Umstieg auf eines der Produkte kann für Raucher aber eine Chance sein, Risiken durch herkömmliche Zigaretten zu verringern und irgendwann ganz ohne Glimmstängel auszukommen.“

  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte, dass die Konzentrationen der wichtigsten Karzinogene im Dampf des Tabakerhitzers IQOS im Vergleich zu Zigaretten mit bis zu 80-99 Prozent deutlich reduziert sind.

  • Etwas kompliziert drückt es zugegebenermaßen PD. Dr. Ute Mons aus, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum: „Für das Deutsche Krebsforschungszentrum ist die kategorische Absage an das Prinzip des Harm Reduction für die Zukunft keine haltbare Option.“

  • Der Toxikologe und Pharmakologe Professor Bernd Mayer von der Universität Graz sieht in E-Zigaretten und Tabakerhitzern eine „historische Chance zur Tabakprävention“ – er beurteilt die Wirkung eines Umstiegs von Zigaretten auf diese Produkte eindeutig positiv.

  • Die WHO Study Group on Tobacco Regulation beurteilt die Harm Reduction durch alternative Produkte als ein „wirkungsvolles Element für einen umfassenden Ansatz zur Reduzierung von tabakassoziierten Todesfällen und Krankheiten“. (Weltgesundheitsorganisation WHO 2015)

  • Das britische Royal College oft Physicians schreibt: „Nikotin ist allerdings nicht für sich genommen eine hochgefährliche Droge. (…) Es ist dem Wesen der Sache nach unwahrscheinlich, dass die Nikotininhalation selbst signifikant zu der Mortalität beziehungsweise Morbidität beiträgt, die durch das Rauchen verursacht wird. Hauptschuldiger ist der Rauch, und wenn man das Nikotin auf effektive und akzeptable Weise ohne Rauch an die Raucher abgeben könnte, ließe sich wahrscheinlich der meiste oder gar der gesamte durch Rauch verursachte Schaden vermeiden.“

Gerade für Raucher, die auf Nikotinkonsum grundsätzlich nicht verzichten können oder möchten, kann es sich lohnen, sich deren Aussagen durch den Kopf gehen zu lassen. Im eigenen Interesse. Und im Interesse der Patienten und Kollegen.

Denken Sie an Patienten und Kollegen

Denn selbst wenn man zum Rauchen vor die Tür geht oder einen Extraraum aufsucht: Es bleibt immer kalter Zigarettenrauch in Kleidung, Haut, Haaren (und Dienstauto) hängen. Dieser Tertiärrauch wird von Nichtrauchern nicht nur als unangenehm empfunden: Er gilt inzwischen als ähnlich problematisch wie das Passivrauchen.

Autor: kig

Foto: Jens Schünemann

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