Manche Stationsleitungen sind so schwach, weil sie Angst vor Personalmangel haben und unter keinen Umständen einen Mitarbeiter verlieren möchten – und mag er noch so faul sein …    
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Manche Stationsleitungen sind so schwach, weil sie Angst vor Personalmangel haben und unter keinen Umständen einen Mitarbeiter verlieren möchten – und mag er noch so faul sein …    

Kommunikation

Meine Stationsleitung greift nicht durch – was tun?  

Immer wieder gibt es Stations- und Wohnbereichsleitungen, die faule Pflegekräfte gewähren lassen. Das belastet das Team, die Kollegen müssen mit der Leitung sprechen. Und wenn sich trotzdem nichts ändert?          

Im Münchener Mordprozess Anfang 2023 gegen Mario G. sagte eine Zeugin aus dem Klinikum rechts der Isar: „Man hat nicht immer die Mitarbeiter, die man sich wünscht, das ist heute so in der Pflege.“ Das ist eine schockierende Aussage. Glücklicherweise findet sich wohl auch kaum eine Stations- oder Wohnbereichsleitung, die in einem ähnlichen Zusammenhang so etwas sagen würde. Aber es kommt immer wieder vor, dass Leitungskräfte unverschämtes Verhalten dulden, weil sie in Zeiten des Fachkräftemangels lieber einen faulen, unangenehmen Mitarbeiter einstellen, als gar keinen.

Häufiger Grund für den Jobwechsel: schwache Stationsleitung 

„Wer so denkt, forciert aber nur den Personalmangel auf der Station oder im Wohnbereich“, sagt Svenja Faber, Geschäftsführerin der Personalberatung Köhn & Kollegen. „Es gilt mehr denn je: Ein fauler Apfel verdirbt den Korb. Früher konnte eine Führungskraft noch eher auf Zeit spielen und darauf hoffen, dass das Team einen faulen Apfel kompensiert und Probleme wieder verschwinden. Heute jedoch muss sie sich schnell drum kümmern.“ Denn aktuelle Befragungen von Fachkräften zeigen, dass die meisten den Job wechseln, weil sie mit der Stimmung im Team und dem Verhalten der Vorgesetzten unzufrieden waren. „Und da der Jobwechsel heute so leicht ist, schauen die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht lange zu.“

Doch auch heute gibt es Mitarbeiterinnen, die an ihrer Arbeit und an ihrem Team hängen: Wie können sie Einfluss auf die Situation nehmen? Das vielleicht Naheliegende, sich direkt an die Stationsleitung zu wenden, hält Svenja Faber für wenig elegant. Sie sieht aber eine Alternative.

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1. Mit dem Kollegen sprechen

Auch eine Mitarbeiterin hat die Möglichkeit, den Querulanten zu adressieren. Natürlich ist in erster Linie die Führungskraft verantwortlich, aber als Teammitglied trägt sie zur Stimmung bei und kann deshalb auch Einfluss nehmen.

Wenn sie mit dem Kollegen spricht, ist es wichtig, erst einmal Interesse zu zeigen, herauszufinden, was die Sachlage ist. Es kann ja durchaus etwas dahinter stecken, von dem die Kollegen nichts wissen. Vielleicht hat er ein Problem, über das er bisher nicht gesprochen hat.

„Wichtig ist bei dem Gespräch das Thema gewaltfreie Kommunikation – also am besten aus der Ich-Perspektive argumentieren: Ich beobachte das und das, so und so fühle ich mich dabei, ich bin an einer Lösung interessiert …“, sagt Svenja Faber.

2. Mit der Stationsleitung sprechen

Reagiert der Kollege nicht, gilt es, die Stationsleitung direkt mit dem Problem zu konfrontieren. „Sie muss dann die Verantwortung übernehmen. Das Bild des Volleyball-Teams scheint mir hier recht passend“, sagt Svenja Faber. „Wenn einer den Ball nie fängt, verliert das gesamte Team. Unternimmt die Stationsleitung als Trainerin nichts, werden die Top-Leistungsträger das Team verlassen – und die Pflegequalität sinken.“  

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3. Die Personalabteilung einbeziehen

Ändert sich nichts, heißt es: eskalieren. „Aber auch auf dieser Stufe rate ich davon ab, die Vorgesetzte der Stationsleitung anzusprechen, denn damit brüskiert man sie“, sagt die Personalexpertin. Geschickter ist, Kontakt mit der Personalabteilung aufzunehmen. Denn die  Personalabteilung ist vertraut mit solchen Anliegen, nicht zuletzt, weil sie auch diejenige ist, die sich um Kündigungen kümmern muss. Außerdem hat man die Möglichkeit, um Anonymität zu bitten – so wird das persönliche Verhältnis zur Stationsleitung nicht getrübt. Hinzu kommt: Die Personaler haben meistens passende Zahlen, die sie zum Anlass nehmen können, mit der Stationsleitung ins Gespräch zu kommen.  

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4. Gespräch mit der Vorgesetzten der Stationsleitung 

Wenn auch der Gang zur Personalabteilung nichts nützt, bleibt nur, sich an die Vorgesetzte oder den Vorgesetzten der Stationsleitung oder letztendlich an die Geschäftsführung zu wenden. „Das ist dann die höchste Eskalationsstufe. Das Verhältnis zwischen Team und Stationsleitung wird leiden, aber es wird etwas passieren. Schließlich zeigt dieser Schritt, dass es dem Team ernst ist und die Gefahr von Kündigungen besteht.“    

Autorin: Kirsten Gaede

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Svenja Faber, Geschäftsführerin von Köhn & Kollegen
Foto: Leonie Lorenz
Svenja Faber, Geschäftsführerin von Köhn & Kollegen

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