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Kanarienvögel sind auch in Pflegeheimen beliebte Ziervögel.   

Aktvierung und Betreuung

Mehr Freiheit für Vögel in Pflegeheimen!

Die ehrenamtliche Initiative „Kleine Glücksbringer“ engagiert sich für die artgerechte Haltung von Ziervögeln in Pflegeeinrichtungen und hilft, wenn Geld für eine Voliere fehlt

Michaela Levermann, Lektorin und Schlussredakteurin in einer Agentur, liegen Tiere am Herzen, besonders Vögel.  Nachdem sie vor rund vier Monaten einen einsamen Vogel in einem sehr kleinen Käfig in einem Pflegeheim entdeckt hatte, wurde ihr klar: „Das ist weder für das Tier schön, noch für die Menschen um ihn herum ansprechend.“ Sie gründete die ehrenamtliche Initiative „Kleine Glücksbringer“, die sich für die  artgerechte Haltung von Ziervögeln wie Kanarienvögel, Wellensittiche oder Prachtfinken einsetzt. „Heute weiß man, dass diese Art der Haltung für die sensiblen, intelligenten Schwarmtiere Leid bedeutet“, sagt Michaela Levermann. „Ziervögel brauchen Platz, Partnervögel sowie vielfältige Bewegungs-, Beschäftigungs- und Sitzmöglichkeiten.“

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Die Ehrenamtlichen beraten Pflegeheime zur artgerechten Vogelhaltung, um die Lebensbedingungen der Ziervögel zu verbessern. „Wir geben ihnen alles an die Hand, was sie benötigen – Ausstattung, Info-Materialien sowie Ideen für Spiel und Spaß rund um das Thema Vögel“, sagt Michaela Levermann. Sollten Heim oder Bewohner sich beispielweise eine Voliere nicht leisten können, hilft die Initiative „Kleine Glücksbringer“ die Kosten durch Fundraising-Aktionen zu decken. Dabei ist es gleich, ob die Voliere in einem Zimmer oder im Gemeinschaftsraum steht. Drei Ehrenamtliche hat Michaela Levermann bereits gefunden, nun möchte sie  (bundesweit) Ehrenamtliche über Ehrenamtsbörsen akquirieren – immer dort, wo ein Pflegeheim Bedarf anmeldet. 

Pflegeheime, die sich Unterstützung wünschen, erreichen die Initiative unter kleine-gluecksbringer@gmx.de Sie können sich auch telefonisch von Michaela Levermann beraten lassen.  

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Tipps für eine artgerechte Haltung von Ziervögeln

  • Eine Voliere soll mindestens 150 Zentimeter breit, 80 Zentimeter tief und 100 Zentimeter hoch sein sowie dunkle, zink- und schwermetallfreie Stäbe haben.
  • Vögel sind soziale Tiere und sollten mindestens paarweise gehalten werden.
  • Nachts die Voliere abdunkeln und mindestens zehn Stunden Nachtruhe einhalten.
  • Standort mit Bedacht auswählen: Raumtemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius, Tageslicht und flackerfreies Kunstlicht, keine Zugluft.
  • Unterschiedliche Beschäftigungs- und Sitzmöglichkeiten aus Naturmaterialien sowie Bademöglichkeiten
  • Neben Körnern sind täglich Kräuter und Gemüse sowie Vogelgrit und frisches Trinkwasser wichtig. Kalkstein oder Sepiaschulp hilft den Tieren bei der täglichen Schnabelpflege
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Sechs Schritte zur artgerechten Voliere

  1.  Kontaktaufnahme zur Initiative „Kleine Glücksbringer“ aufnehmen.
  2. Gemeinsame Begehung und Standortplanung.
  3. Die Initiative organisiert eine Voliere.
  4. Bei Bedarf organisiert die Initiative das Fundraising oder beschafft Partnervögel aus dem Tierheim.
  5. Die Initiative besorgt die Inneneinrichtung unter anderem Trink-, Badeschalen, Äste und Schaukeln.
  6. Die Initiative richtet die neue Voliere ein. Auf Wunsch mit Bastelnachmittagen, an denen die Bewohnerinnen und Bewohner artgerechtes Spielzeug für die Tiere herstellen können.

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Ein Volieren-Pilotprojekt gibt es bereits

Mit der Altenhilfeeinrichtung Haus St. Josef in Bad Kreuznach hat Michaela Levermann bereits ein erfolgreiches Pilotprojekt abgeschlossen. Der einsame Vogel, der einst in einem kleinen Käfig saß, fliegt jetzt  gemeinsam mit drei Artgenossen durch eine große Voliere mit Futter – Ästen sowie Schaukeln als Sitzgelegenheit und mit Spielzeug.

Die Voliere steht im Gemeinschaftsraum der Einrichtung. „Und es kostet nicht mehr als eine Kontaktaufnahme zu uns und Material, das durch Fundraising finanziert werden kann“, sagt Levermann. „Für mich war es herzerwärmend zu sehen, wie sehr die Tiere unter den neuen Bedingungen aufleben und mit welcher Freude und Hingabe die Menschen im Pflegeheim darauf reagieren.“

Zur Person

Dr. Michaela Levermann (45) lebt in Mainz und beschäftigt sich als promovierte Philosophin mit dem Thema „Lebendige Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt“. Ihr tägliches Brot verdient sie als Lektorin und Schlussredakteurin. Im Februar 2023 gründete sie die ehrenamtliche Initiative „Kleine Glücksbringer“, die bundesweit Pflegeeinrichtungen unterstützt, Ziervögel artgerecht unterzubringen und zu versorgen. Wichtig ist, dass die Einrichtungen bereits Ziervögel halten.

Sie haben Interesse an dem Projekt? Dann finden Sie alle Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme auf www.kleine-gluecksbringer.com

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Michaela Nevermann
Foto: privat / Canva
Michaela Levermann

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