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Zeichnung-Krebstherapie
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Onkologie

Krebstherapie: 5 Gründe, warum Pflegekräfte wichtig sind

Die Beratung ist für den Erfolg einer Krebstherapie fast so wichtig wie die Therapie selbst. Onkologische Pflegefachkräfte nehmen damit für Krebspatienten eine zentrale Rolle ein. Doch wie genau zeigt sich das im Alltag?

Die ältere Patientin war verunsichert. Sollte sie sich erneut für eine Therapie entscheiden? Ihr Krebs ist fortgeschritten, es gibt viele Metastasen – aber eben auch eine weitere Behandlungsmöglichkeit. Doch der Respekt vor den Nebenwirkungen ist groß, vor der Anstrengung, den unklaren Erfolgsaussichten. Es gab viele Fragen. Andrea Düding hat der Patientin geholfen. Die 54-Jährige ist Gesundheits- und Krankenpflegerin für Onkologie am Klinikum Bielefeld, und dreimal pro Woche ist sie für die Onkologische Pflegeberatung im Onkologischen Zentrum freigestellt.

Düding hat der Patientin im Beratungsgespräch zugehört, sie ist zusammen mit dem Onkologen alle Optionen durchgegangen, alle Vor- und Nachteile. Dann konnte die Patientin sich entscheiden. „Dass ich Menschen in solchen schweren Situationen auffangen und unterstützen kann, ist die größte Motivation“, sagt Düding, „ich kann dazu beitragen, dass sie sich besser und sicherer fühlen.“

Beratung rückt mit der Immuntherapie in den Fokus

Egal ob bei der stationären Behandlung mit Hochdosistherapien und Knochenmarks-/Stammzellentransplantation, bei der Chemotherapie oder bei modernen Verfahren wie Immuntherapie und oraler zielgerichteter Therapie – die Pflegeberatung ist ein immens wichtiger Teil der Krebsbehandlung. Speziell dafür geschulte Pflegefachkräfte spielen eine entscheidende Rolle für:

  • Therapiesicherheit (z. B. frühes Erkennen von Nebenwirkungen)
  • Adhärenz („Therapietreue“)
  • Vermittlung von Informationen und wichtigen Ansprechpartnern
  • Kommunikation – das heißt etwa: genau beobachten, ob Information richtig ankommt, ob Unklarheiten bestehen, wenn nötig wiederholen, Familienmitglieder einbeziehen, sofern es sinnvoll scheint und die Patientin oder der Patient einverstanden ist
  • psychische Stabilität, Gefühl von Sicherheit

Mit dem rasch zunehmenden Erfolg der Immuntherapie seit 2011 (siehe auch Kasten am Ende dieses Textes) rückt diese pflegerische Unterstützung noch mehr in den Fokus. Der Trend hat sich aber auch schon in den Jahren zuvor durch den wachsenden Einsatz oraler zielgerichteter Krebsmedikamente abgezeichnet, die 2004 Premiere hatten.

Mit der Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten steigt für alle innovativen Therapien auch der Bedarf an intensiver Begleitung und Anleitung. Deshalb ist in den vergangenen zehn Jahren das Angebot an entsprechenden Fortbildungen ebenfalls deutlich ausgeweitet worden.

Erfolgsfaktor Adhärenz: Informierte Patienten wirken besser mit

„Die onkologischen Pflegefachkräfte sind das Bindeglied zwischen Patienten, Angehörigen und Ärzten“, betont Kerstin Paradies, Vorstandssprecherin der Konferenz der Onkologischen Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK) der Deutschen Krebsgesellschaft: „Sie zählen zum Team der Therapeuten.“ Mit den Pflegenden kann geklärt werden, was nach dem ersten Schock der Diagnose und den Arztgesprächen unklar geblieben ist. So manch einer traut sich erst bei ihnen nachzufragen, was während der Arztvisite nicht verstanden wurde. Wie wird die Therapie ablaufen? Wie wirken die Medikamente? Welche Nebenwirkungen können auftreten – und wie kann das Leben jetzt überhaupt weitergehen? „Wir haben den engsten Kontakt zu Patienten und Angehörigen und können ihnen all das in ihrer Sprache einfach und verständlich erklären“, sagt Paradies.

Je besser informiert Patienten sind, desto höher ist auch die Adhärenz, desto eher sind sie bereit, bei ihrer Therapie aktiv mitzuwirken und alle Behandlungsschritte nachzuvollziehen, weiß Andrea Düding. Wer etwa einen zentralen Venen-Port für Infusionen bekommt und selbst mit dafür sorgt, dass dieser keimfrei bleibt, reduziert die Gefahr, dass Folgeschäden auftreten und sich die Behandlung länger hinzieht. „Und wer versteht, dass er sich bei Schmerzen schnell melden soll, um Schmerzspitzen zu vermeiden, ist dann auch eher bereit, sich mehr zu bewegen“, erklärt Düding.

Therapiesicherheit: Fast alle brauchen Unterstützung

Im ambulanten Bereich, in den Ambulanzen, Tageskliniken und Schwerpunktpraxen, in denen rund 90 Prozent der Krebsbehandlungen stattfinden, ist die Bedeutung der Pflegekräfte für die Adhärenz der Patienten besonders hoch. Neben dem deutlich ausgeweiteten Einsatz der Immuntherapie werden zunehmend orale Therapien und Kombinationstherapien angewandt. Mittlerweile sind mehr als 60 zielgerichtete Krebsmedikamente in Tablettenform zugelassen – gegen nahezu alle Krebsarten. Die Tabletten für die orale Therapie nehmen die Patienten in Eigenverantwortung zu Hause ein. In eine Praxis kommen sie zum Teil in größeren Abständen, etwa zur Laborwert-Kontrolle.

„Gerade bei den oralen Therapien sind die Pflegekräfte sehr stark in die Führung der Patienten involviert“, sagt der Krebsspezialist Friedrich Overkamp. Es gehe darum, sie immer wieder zu ermuntern, ihre Tabletten auch wirklich zuverlässig einzunehmen. Niemand könne sich darauf verlassen, dass die Patienten alles richtig machen – auch nicht bei einer Krebserkrankung. „Fast alle brauchen Unterstützung bei der Einnahme und der Symptomkontrolle“, sagt Overkamp.

Friedrich Overkamp: Pflegekräfte und Ärzte agieren auf einer Stufe

Deshalb müssen die Pflegekräfte auch beobachten und erkennen können, ob eine Therapie korrekt durchgeführt wird. „Sie wiederholen und vertiefen das, was die Ärzte vorher bereits erklärt haben“, sagt Overkamp. Aus seiner Sicht sollten Ärzte und Pflegekräfte die Patienten gemeinsam betreuen – „mit anderen Zuständigkeiten und Kompetenzen zwar, aber auf einer Stufe“. Overkamp war selbst fast 20 Jahre Inhaber einer Praxis und Tagesklinik für Internistische Onkologie und arbeitet jetzt als Berater, Moderator und Redner.

Pflegesprechstunden sensibilisieren Patienten für Nebenwirkungen

Viele Pflegekräfte bieten in Praxen und Klinikambulanzen mittlerweile eigene Pflegesprechstunden an. „Das ist wirklich eine Besonderheit in der Onkologie“, betont Overkamp. Dabei geht es unter anderem darum, die Patienten für Nebenwirkungen und Warnsignale zu sensibilisieren und sie anzuhalten, auf Veränderungen zu achten, zum Beispiel bei ihrer Haut oder beim Stuhlgang. Meldet sich ein Patient trotz eines schweren Durchfalls nicht schnell und von sich aus in der Praxis, verliert er unter Umständen so viel Wasser, „dass es vital bedrohlich werden kann“, beschreibt Overkamp. Ähnlich gefährliche Folgen drohen bei Über- oder Unterdosierung der Medikamente. Wird ein Mittel etwa trotz Nebenwirkungen weiter genommen oder andererseits vergessen oder falsch dosiert, kann es zu einem Tumorwachstum oder einem Rezidiv kommen.

„Eine gute onkologische Pflegekraft muss nerven"

Gerade im Rahmen der Immuntherapie in Tageskliniken müssten Pflegekräfte ihre Patienten „immer und immer wieder auf mögliche Nebenwirkungen hinweisen“, betont Overkamp. Diese können auch zeitversetzt, teilweise noch Wochen nach einer Therapie, auftreten. „Das muss wirklich sehr gut kommuniziert und überwacht werden“, sagt der Krebsspezialist, „und vor allem jedes Mal aufs Neue.“ Die Wiederholung sei entscheidend, immer wieder müsse auf dieselben Dinge aufmerksam gemacht werden, Routine dürfe sich nicht einschleichen, betont Overkamp: „Eine gute onkologische Pflegekraft muss nerven.“

Das Wissen für die stetig wachsenden Aufgaben erwerben viele stationäre Pflegekräfte wie Andrea Düding im Klinikum Bielefeld zum Beispiel in der zweijährigen Fachweiterbildung Onkologische Pflege. Im niedergelassenen Bereich, in dem überwiegend medizinische Fachangestellte zum Einsatz kommen, wird in der Regel eine 120-stündige onkologische Fortbildung angeboten. Zudem bieten auch Pharmafirmen regelmäßig Fortbildungen zum Umgang mit neuen Medikamenten oder Therapieformen an.

Empathische Pflegeberatung nimmt Krebspatienten Ängste

Andrea Düding muss nicht lange überlegen, wenn es um die häufigsten Probleme geht, mit denen sich Krebspatienten konfrontiert sehen. Neben der Akzeptanz der Erkrankung – „der Verdrängungsmechanismus ist teilweise sehr stark“ – nennt sie Ängste aller Art sowie Probleme mit Körperbildstörungen. Ein Beispiel sei das Tracheostoma, bei dem eine Kanüle für jedermann sichtbar den Zugang zur Luftröhre schafft. Dann sei nicht nur eine gute Anleitung für den Umgang mit der Kanüle gefragt, sondern auch emotionale Zuwendung und eventuell eine zusätzliche psychoonkologische Beratung.

„Werde ich sterben?“ – oft geht es Krebspatienten um etwas anderes

Ihren Alltag erlebt Düding häufig als gewisse Gratwanderung. „Wir wollen die Hoffnung nicht nehmen, dürfen aber auch nicht verschleiern, was es bedeuten kann, wenn jemand für seine Therapie monatelang aus seinem bisherigen Leben herausgerissen wird“, sagt die 54-Jährige. Dabei ist sensible Kommunikation gefragt. Es geht darum, Veränderungen im Verhalten der Patienten zu spüren, zwischen den Zeilen zu lesen, sich einzufühlen. Frage ein Patient etwa: „Werde ich sterben?“, beschäftige ihn oft etwas ganz anderes, sagt Kerstin Paradies: „Eigentlich geht es um die Frage, ob er die Hochzeit seiner Tochter erleben wird oder bei der Einschulung seines Enkelkindes dabei sein kann.“

In solchen Situationen sind es die Pflegekräfte, die hellhörig werden können. Wer braucht unter Umständen zusätzliche Betreuung? Sprechen die Symptome für eine Fatigue oder doch für eine Depression? Sie sorgen auch für einen anderen Blick auf die Krankheit. „Die Frage, was die Patienten selbst eigentlich wollen, rückt oft in den Hintergrund“, sagt Paradies. Zudem gehe es darum, die Therapie und mögliche Nebenwirkungen immer wieder zu hinterfragen – und die Medikation dann eventuell umzustellen oder von Tabletten auf Infusionen zu wechseln.

Pflegekräfte helfen bei der Suche nach AHB, Selbsthilfegruppen und, und, und …   

Oft sind auch spezielle Informationen nötig, etwa wenn das Immunsystem eines Patienten nach einer Hochdosis-Therapie erst langsam wieder arbeiten kann. In dem Fall seien nicht nur Fragen der Ernährung zu klären, sondern es gehe auch um die Gefährdung durch kleine Wunden, sagt Andrea Düding: „Dann stellt sich etwa die Frage, ob sich jemand die Zähne putzen oder sich rasieren darf.“ Viele weitere Themen kommen zur Sprache. Es geht um Anschluss-Heilbehandlungen, Reha-Fragen, die Suche nach Selbsthilfegruppen, Anträge für Haushaltshilfen. „Dafür müssen wir gute Netzwerke haben“, sagt Düding.

Dass sich das Engagement lohnt, erleben sie und ihre Kolleginnen regelmäßig – durch das Lob ihrer Patienten. Der Aufenthalt in einer Tagesklinik oder Praxis etwa sei für viele eine besondere Zeit, sagt Kerstin Paradies: „Eine Zeit, in der sie einfach sie selbst sein dürfen – und lachen, traurig sein und auch mal richtig jammern können.“ Auch Andrea Düding weiß, dass sie viel bewegen kann: „Mein Vorteil ist, dass ich Zeit habe“, betont sie. Sich eine halbe Stunde oder länger auf die Bettkante zu setzen, ist im Stationsalltag in der Regel nicht möglich. „Aber das ist unheimlich wichtig – und die Patienten sind dafür sehr dankbar.“

Info: Was Immuntherapie von Chemotherapie unterscheidet 

Bei einer Chemotherapie wird ein Tumor direkt angegriffen. Die per Infusion verabreichten chemischen Substanzen, die Zytostatika, greifen in den Vermehrungszyklus der Krebszellen ein. Die immunonkologische Therapie verfolgt einen anderen Ansatz: Durch sie wird das körpereigene Abwehrsystem dabei unterstützt, die Krebszellen zu bekämpfen.

Mittlerweile kommt die Immuntherapie bei vielen Krebsarten zum Einsatz. Sie ist meist gut verträglich, aber es können durch die Stimulation des Immunsystems spezielle Nebenwirkungen auftreten. Wird schnell ärztlicher Rat eingeholt, lassen sie sich in der Regel gut, schnell und erfolgreich behandeln.

Eine dritte Säule sind die zielgerichteten Therapien, die in oder außen an den Tumorzellen angreifen und teilweise als Infusionen oder Spritzen, häufig aber auch als Tabletten verabreicht werden. Für die orale zielgerichtete Therapie sind inzwischen mehr als 60 Medikamente zugelassen.

Dieser Artikel ist mit freundlicher Unterstützung von Bristol Myers Squibb entstanden.

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Foto: Klinikum Bielefeld
Andrea Düding, Gesundheits- und Krankenpflegerin für Onkologie 
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Foto: Monkey Business - stock.adobe.com

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