Die Arbeitsgruppe „Prävention, Integrative Medizin und Gesundheitsförderung“ hat fünf Öle getestet:  „Pfefferminz“, „Entspannungsöl“, „Gute Laune“, „Energiekick“ und „Kissenspray auf Lavendelbasis“. 
Foto: Promavera/Anja Seiferth
Die Arbeitsgruppe „Prävention, Integrative Medizin und Gesundheitsförderung“ hat fünf Öle getestet:  „Pfefferminz“, „Entspannungsöl“, „Gute Laune“, „Energiekick“ und „Kissenspray auf Lavendelbasis“. 

Aromapflege

Krebs-Nachsorge: Frauen profitieren von ätherischen Ölen 

Bei Frauen mit Brustkrebs, Eierstock- und Gebärmutterkrebs kann Aromapflege Stress, Übelkeit, Schlafprobleme und Schmerzen lindern.  Das zeigt eine Studie der Charité

Jetzt steht es schwarz auf weiß: Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen – Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Gebärmutterkrebs – können von Aromapflege mit ausgewählten Ölen profitieren. Darauf verweist eine aktuelle Studie der Arbeitsgruppe „Prävention, Integrative Medizin und Gesundheitsförderung“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin an der Frauenklinik der Charité am Campus Virchow-Klinikum. An der Studie „arth4WOMEN“ beteiligten sich 18 Frauen. Sie waren zwischen 39 und 70 Jahren alt, hatten Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Gebärmutterkrebs. Alle Frauen befanden sich in der Nachsorge und die jeweils letzte Chemotherapie lag zwischen sechs Monaten und sieben Jahren zurück. Einige klagten über Übelkeit und Fatigue, andere über Stress, Schlafprobleme und Schmerzen.

Mit „Entspannungsöl“ gegen Ängste, Schlafstörungen und Stress 

Vier Wochen lang konnten die Teilnehmerinnen fünf verschiedene Öle in ihren Alltag integrieren, je nach ihren persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben. Gemeinsam mit Aromatherapie-Expertinnen von Primavera, einer renommierten Herstellerin ätherischer Öle, wählte das Forschungsteam fünf Öle aus, die auf die Beschwerden der Teilnehmerinnen abgestimmt waren:

  • „Pfefferminz“, ein Mono-Öl zur Belegung bei Fatigue und gegen Übelkeit
  • „Gute Laune“, eine ätherische Ölmischung gegen Müdigkeit, Stress, Übelkeit
  • „Entspannungsöl“, ein Massageöl gegen Ängste, Schlafstörung, Stress
  • „Energiekick“, ein Roll-on zur Belebung bei Fatigue
  • „Kissenspray auf Lavendelbasis“ gegen Ängste, Schlafstörungen, Stress

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„Unser Ziel war es, möglichst breite und tiefe Einblicke in die bisher ungenutzten Potenziale und Herausforderungen von Aromatherapie bei Frauen mit gynäkologisch-onkologischen Erkrankungen in der Nachsorge, zu erhalten,“, sagt Professor Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie an der Charité Berlin und einer der Studienleiter. „Damit wollen wir unserem Anspruch auf eine ganzheitliche und wissenschaftlich basierte Medizin gerecht werden.“

Die ätherischen Öle steigerten Wohlbefinden und Achtsamkeit 

Die Teilnehmerinnen konnten mit ihren Produkten frei experimentieren – sie konnten es zum Beispiel sprayen, inhalieren, einmassieren, Räume oder ihre FFP2-Masken damit beduften. Ihre persönlichen Erfahrungen teilten sie in Interviews und tagebuchähnlichen Aufzeichnungen mit. Zudem erfasste und bewertete das Forschungsteam die symptomatische Belastung der Frauen vor und nach der vierwöchigen Intervention.

Die Anwendungen und Erfahrungen waren sehr positiv und so unterschiedlich, wie die Frauen, die die Öle zur allgemeinen Steigerung des Wohlbefindens und der Achtsamkeit nutzten. Eine Teilnehmerin integrierte beispielsweise die „Gute Laune“-Mischung in ihre regelmäßige Meditationspraxis.

Ätherische Öle: Anker in unangenehmen Situationen

Andere Teilnehmerinnen entwickelten tägliche Schlafrituale mit dem Kissenspray und dem Entspannungsöl. „Häufig berichteten sie auch von einer Ankerfunktion durch einen Duft, der es ihnen ermöglichte aus unerwünschten Situationen herauszutreten oder einen Übergang zu schaffen in neue, heilsame Situationen“, sagt Prof. Jalid Sehouli.

Das Kissenspray auf Lavendelbasis rief bei den Teilnehmerinnen die größten Meinungsverschiedenheiten hervor – sie liebten den Geruch oder lehnten ihn ab. Die ätherische Ölmischung „Gute Laune“ hingegen wurde von allen als angenehm empfunden und am besten aufgenommen.

Mit Pfefferminz gegen Übelkeit

„Überraschend für uns waren vor allem die Berichte über ausgeprägte Verbesserungen von polyneuropathischen Beschwerden durch das Entspannungsöl und die Linderung von Übelkeit durch Pfefferminz“, so Prof. Jalid Sehouli. So nahmen einige Teilnehmerinnen nach einer Massage mit dem Entspannungsöl eine Linderung von Beschwerden in den Gliedmaßen wahr, wie Krämpfe, Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Andere berichteten von starker Reduzierung von Übelkeit durch Inhalation von Pfefferminzöl.

Aromatherapie kann konventionelle Therapie begleiten

Die Ergebnisse der Studie sind ermutigend. Sie zeigen, dass Aromatherapie gerade mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ein großes Potenzial in der Nachsorge bei Krebserkrankungen hat. Sie liefert spannende erste Einblicke in die Potenziale und Herausforderungen der individualisierten Aromatherapie. Obwohl die Gruppe der Probandinnen eher klein war, die Auswertung auf den persönlichen Rückmeldungen der Frauen basierte und es keine Kontrollgruppe gab, ist es ein Anfang. Denn die Potenziale und Herausforderungen, die das Forschungsteam im Rahmen der Pilotstudie herausarbeiten konnten, sollen in weitere Forschungsprojekte einfließen.

„Die Ergebnisse ermöglichen uns eine maßgeschneiderte Entwicklung eines Aromatherapie-Konzepts zur Begleitung von krebserkrankten Frauen“, sagt Prof. Jalid Sehouli. Ein nachhaltiges, im Therapieverlauf angebotenes Aromatherapie-Konzept könne die konventionellen Therapien begleiten und die medizinische Versorgung damit um individualisierbare, risikoarme und autonomiefördernde Komponenten unterstützen. Er hofft, dass die Probandinnen weiterhin ätherische Öle verwenden und als unterstützendes Tool in ihren Alltag etabliert haben.

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Aromatherapie fest integrieren 

Auch Pflegefachkräfte können die Ergebnisse der Studie nutzen und Aromapflege als unterstützende Maßnahme in die Betreuung von Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen einbeziehen. „Die Themen Duft, Aromatherapie und sogar eine Riechschule werden wir auf jeden Fall weiterentwickeln und sie sowohl in die klinische Routine als auch in wissenschaftlichen Projekten fest integrieren“, verspricht Professor Dr. Jalid Sehouli.

INFO I: Über die Charité-Studie

Die Studie „arth4WOMEN“ wurde von der Arbeitsgruppe „Prävention, Integrative Medizin und Gesundheitsförderung“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführt. Studienleiter waren Prof. Georg Seifert, Leiter der Arbeitsgruppe, und Prof. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie an der Charité Berlin. Sie lief insgesamt über zwei Jahre, von 2021 bis 2023. Primavera, eine der führenden Herstellerinnen für hochwertige ätherische Öle, Pflegeöle und Pflanzenwässer, hat die Studie als Drittmittelgeber unterstützt.

INFO II: So häufig sind Brustkrebs, Gebärmutter- und Eierstockkrebs 

Ende der Jahres 2021 ist die 13. Auflage von „Krebs in Deutschland“ für die Jahre 2017/18 erschienen. In Deutschland leben mehr als 36 Millionen erwachsene Frauen. Von ihnen erkrankten 2018: 69.900 Frauen an Brustkrebs, 10.860 an Gebärmutterkörperkrebs, 7.300 an Eierstockkrebs und 4.320 an Gebärmutterhalskrebs

„Krebs in Deutschland“ erscheint alle zwei Jahre als gemeinsame Publikation der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID) und des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut. Aktuelle Zahlen werden bei der Veröffentlichung Ende 2023 erwartet.

Autorin: Dagmar Trüpschuch

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