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Corona-Pandemie

Krankenhäuser: Das Besuchsverbot kehrt zurück

Täglich fast bis zu einer Viertel Million neue Corona-Fälle in Deutschland – das beeinträchtigt den Betrieb so stark, dass immer mehr Kliniken Besuche nur noch in Ausnahmefällen zulassen     

Noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie haben deutsche Krankenhäuser so viele Infektionspatienten auf einmal versorgen müssen wie jetzt. Wegen der Spitzenwerte bei Infektionszahlen unter Patienten wie auch dem Personal ziehen viele Krankenhäuser in Deutschland die Reißleine und verhängen Besuchsverbote für Angehörige. Jüngstes Beispiel: das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier.

„Infektionsgeschehen macht Entscheidung unumgänglich“ 

„Um die Patientenversorgung weiter zu gewährleisten und die Notfallversorgung aufrechterhalten zu können, haben wir uns nach Abwägung aller relevanten Aspekte dazu entschieden, ab Samstag, 19. März 2022 für eine begrenzte Zeit einen Besucherstopp umzusetzen, zum Schutz aller Patientinnen und Patienten sowie aller Mitarbeitenden“, sagt Markus Leineweber, Hausoberer und Vorsitzender des Direktoriums im Brüderkrankenhaus Trier. „Wir sind uns der Schwere der Entscheidung bewusst, sehen diese aber aufgrund der Entwicklung des Infektionsgeschehens als unumgänglich.“

Besuchsverbot an Unikliniken in Rostock, Mainz und Dresden   

Das zur katholischen BBT-Gruppe gehörende Krankenhaus schließt sich damit dem Besucherstopp an, den bereits die Maximalversorger im Land Rheinland-Pfalz verhängt haben – wie viele Krankenhäuser in anderen Städten und Regionen Deutschlands auch. Ein Besuchsverbot gibt es jetzt etwa auch wieder beim kommunalen Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno), dem Verbund München Klinik (Standorte Thalkirchner Straße und Bogenhausen) und der Uniklinik Rostock. Bereits seit Ende 2021 herrscht ein Besuchsverbot am Universitätsklinikum in Dresden und an der Universitätsmedizin Mainz. Aber es gibt auch weniger strenge Krankenhäuser: So erlauben etwa das Klinikum Chemnitz und der Berliner Klinikverbund Vivantes einen Besucher pro Tag pro Patienten (in Chemnitz nur für 30 Minuten).

Die Lage ist momentan nicht derart dramatisch wie in früheren Phasen der Pandemie, als die Intensivstationen vielerorts am Limit arbeiteten und Angehörige vielfach nicht einmal zu Sterbenden vorgelassen wurden. In Trier etwa gibt es Ausnahmen nach Absprache mit der Station und zumindest für bestimmte Patientengruppen. Aber die permanent vierstelligen Inzidenzzahlen in der Bevölkerung und die hohe Infektiosität der Omikron-Variante bringen die Krankenhäuser nun auf andere Weise an ihre Grenzen. Begründet wird der Schritt in Trier und anderswo mit der gleichzeitig hohen Ausfallquote von Corona-positiven Mitarbeitern; und mit der  Notwendigkeit, die hohe Zahl der infizierten Patienten isolieren zu müssen, was am Ende die Belegungskapazitäten beschneidet.

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50 Prozent der Corona-Patienten kommen nicht wegen Covid  

Die Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) registriert, dass an immer mehr Klinikstandorten immer größere Infektionsabteilungen für die Masse der Corona-Patienten betrieben werden müssen. Es geht nicht nur um Patienten, die wegen einer Covid-19-Diagnose ins Krankenhaus kommen, sondern auch um diejenigen  mit ganz gewöhnlichen Erkrankungen (und sei es ein gebrochenes Bein), bei denen erst durch den Corona-Check im Krankenhaus die Infektion ans Tageslicht kommt.

„Tatsächlich werden etwa die Hälfte aller Corona-Patienten wegen einer Covid-Symptomatik eingeliefert, die anderen positiv getesteten Patienten sind wegen anderer Grunderkrankungen hospitalisiert“, sagt der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Münster, Professor Alex W. Friedrich. „Das kostet Personal, das dann an anderer Stelle fehlt“, so DKG-Vorstandschef Gerald Gaß. „Es belastet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stark, denn sie müssen rund um die Uhr maximalen Infektionsschutz betreiben.“

Die Folgen der massenhaften Corona-Infektionen in deutschen Krankenhäusern sind jetzt schon zu spüren: 75 Prozent der Kliniken müssen ihr Leistungsangebot einschränken, hat eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) in diesem Monat (März 2022) ergeben.

Weitere Ergebnisse der DKI-Umfrage:

  • In 40 Prozent der Kliniken sind die Personalausfälle „deutlich höher als üblich“ (über 20 Prozent mehr Mitarbeiter fallen aktuell krankheitsbedingt aus). In weiteren 51 Prozent der Kliniken ist der Krankenstand „höher als üblich“ (5 bis 20 Prozent mehr Mitarbeiter erkrankt). Sprich: 90 Prozent der Krankenhäuser haben aktuell höhere krankheitsbedingte Personalausfälle in patientennahen Berufsgruppen als sonst um diese Zeit üblich.  
  • Unter allen Berufsgruppen am stärksten betroffen ist der Pflegedienst. Annähernd 100 Prozent aller Krankenhäuser berichten von höheren Personalausfällen als üblich.
  • 75 Prozent der Krankenhäuser können ihre Betten auf Allgemeinstationen nicht in voller Kapazität betreiben (ein Plus von 24 Prozent in nur zwei Monaten)
  • Dagegen hat sich die Situation auf den Intensivstationen zwischen Januar und März dieses Jahres „weitgehend stabilisiert“. „Nur“ eine Minderheit von 40 Prozent der Einrichtungen konnte die verfügbaren Intensivbetten nicht komplett betreiben. Stand 18. März 2022 mussten laut DKG 287 Patienten mit Corona-Infektion auf Intensivstationen versorgt werden. Zum Vergleich: Zur bisher heftigsten Zeit in der Covid-19-Pandemie waren es fast 6.000.

Autoren: zdr/kig

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