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Corona-Impfung

Können Pflegekräfte selbstständig impfen?  

Examinierte Pflegekräfte werden, so die Pläne der Politik,  beim Impfen mit anpacken. Das ist gerade in der ambulanten Pflege, aber auch im Pflegeheim, sinnvoll. Doch jetzt wird erstmal über den genauen Ablauf diskutiert  

Die Ministerpräsidenten wollen es, die neue Regierung möchte es: dass examinierte Pflegekräfte mit impfen – neben Apothekern und Zahnärzten. In ihrem Beschluss vom 2. Dezember heißt es, kurzfristig gehe das über Delegation. Grundsätzlich solle es aber eine gesetzliche Änderung geben, „um den Kreis der Berechtigten, die in der Corona-Pandemie Impfungen durchführen können, auszuweiten“.

Aber, wie genau die Pflegefachkräfte in das Corona-Impfen eingebunden werden sollen, ist noch unklar. Viele Fragen sind offen: Wie soll delegiert werden? Sollen auch Pflegefachkräfte im ambulanten Bereich mitimpfen? Und: Wie sieht es mit der Vergütung aus? Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums äußert sich rein formal auf die Frage von pflegen-online: „Die Details der Regelungen, werden derzeit in einem Gesetzentwurf erarbeitet und anschließend von den künftigen Ampelfraktionen in den Bundestag eingebracht. Die Beratungen dazu dauern noch an. Das Gesetzgebungsvorhaben bleibt daher zunächst noch abzuwarten.“

Klarere Vorstellungen, wie sich der Plan „Pflegefachkräfte impfen“ umsetzen lässt, haben der DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) und die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Pflegefachkräfte, so DBfK-Präsidentin Christel Bienstein, verabreichen seit Jahrzehnten intramuskuläre Injektionen, die Ärztinnen oder Ärzte angeordnet haben. „Diese Praxis kann auch bei der Impfung angewendet werden. Die Ärzte und Ärztinnen stellen die Indikation und verordnen den Impfstoff, der dann von entsprechend geschulten Pflegefachpersonen verabreicht wird.“ So wurde es auch schon in den Impfzentren praktiziert, in denen   auch Pflegefachkräfte an der Impfkampagne beteiligt waren. „Jetzt müssten nur die Türen geöffnet werden, damit sie eigenständig ohne die Anwesenheit von Ärztinnen und Ärzten Auffrischungsimpfungen durchführen dürfen.“

Der Schwenk von der Delegation zur Eigenständigkeit ist tatsächlich der Knackpunkt. „Das Problem ist nicht das Impfen an sich, sondern das Beherrschen möglicher Impfkomplikationen. Es stellt sich durch die Distanz, also in Situationen, in denen keine Ärztin oder kein Arzt in unmittelbarer Nähe ist. Hier sehe ich die Grenzen der ,Delegation‘ erreicht“, sagt der Präsident der Pflegekammer Rheinland-Pfalz Dr. Markus Mai. „Insofern muss man praktisch schon die Frage stellen, ob eine Impfung ohne Arzt in der Nähe überhaupt sinnvoll ist. Es sei denn, in der Nähe des Altenheims befindet sich eine Arztpraxis mit der man vereinbart, dass man während der Impfzeiten den jeweiligen Arzt schnell rufen kann, wenn Komplikationen auftreten.“

Für Markus Mai ist dies Anstoß, um über eine „umfassende Übertragung“ nachdenken. „Das wäre dann ein kompletter Verantwortungsübergang. Im Umkehrschluss würde das aber auch eine umfassende Qualifikation für das entsprechende Aufgabenfeld bedeuten.“ Es ist nicht auszuschließen, dass die neue Regierungskoalition ebenfalls in diese Richtung denkt - schließlich ist im Koalitionsvertrag von einer Ergänzung der professionellen Pflege durch heilkundliche Tätigkeiten die Rede.

Gerade für die ambulante Pflege würde sich eine Klärung des Problems der Delegation lohnen. Denn hier seien die Pflegenden viel näher am Patienten dran sind als der Hausarzt, sagt Mai. „Allerdings bedeutet die Impfung in der häuslichen Umgebung für die Pflegefachperson einen Mehraufwand. Letztlich muss ja der Impfstoff auf vorgehalten, sprich besorgt werden, was zusätzliche Aufwendungen nach sich zieht.“

Was die Vergütung des Aufwands angeht hat DBfK-Präsidentin Bienstein ebenfalls klare Vorstellungen: „Die Pflegefachpersonen müssen für gleiche Leistungen auch gleich entlohnt werden. Während die Impfaufklärung und Indikationsstellung nur von Ärztinnen und Ärzten erfolgen kann, könnten die anderen Teilleistungen dann von den Pflegefachpersonen abgerechnet werden, die diese auch erbracht haben.“ Markus Mai sieht den Gesetzgeber in der Verantwortung: „Er muss eine geeignete Vergütung im gesetzlichen Kontext sicherstellen.“

Autor: Hans-Georg Sausse

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Foto: Polonio Video - stock.adobe.com

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