Brandschutz

Kliniken und Heime sehen Brandschutz-Übungen zu lässig

Ein simulierter Großeinsatz scheint vielen zu aufwendig. Dabei ist er die beste Vorbereitung auf den Ernstfall

Inhaltsverzeichnis

Es ist der Horror schlechthin: Feuer im Dachstuhl eines Alten- und Pflegeheims, dessen 96 Bewohner – davon 80 im Rollstuhl - schleunigst evakuiert werden müssen. So geschehen kürzlich in einer Einrichtung der Bremer Heimstiftung, die in Bremen rund 3.000 Bewohner versorgt und 2.600 Mitarbeiter beschäftigt. Dabei konnte man hier noch von Glück im Unglück sprechen, der Brand war recht schnell gelöscht, der Schaden blieb überschaubar: 21 Leichtverletzte, darunter 17 Heimbewohner, und ein Sachschaden in niedriger zweistelliger Millionenhöhe. Die betroffenen Bewohner mussten derweil vorübergehend auf andere Standorte verteilt werden. Brandursache war in diesem Fall ein Defekt an der Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Dieses Jahr mindestens 13 Tote durch Feuer in Klinik und Heim

Dies ist nur einer von 78 Bränden in Senioren- und Pflegeheimen der ersten sechseinhalb Monate dieses Jahres, in Krankenhäusern hat es bisher 27 Brände gegeben. Erfasst hat diese Zahlen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) der Bundesverband Technischer Brandschutz. Er hat auch die Verletzten und Toten gezählt: In deutschen Krankenhäusern hat es 2019 bis einschließlich 12. Juli 31 Verletzte und 4 Tote gegeben, in den Seniorenheimen 134 Verletzte und 9 Tote gegeben.

Diese traurige Bilanz sollte für Einrichtungen eigentlich Anlass sein, sich so gut wie möglich auf den Ernstfall vorzubereiten. Doch vor Großübungen – nach Einschätzung der örtlichen Feuerwehren die beste Vorbereitung – schrecken die meisten Kliniken und Heime zurück.

Immer schwerere Klinik-Brände

Nach dem Brand im Düsseldorfer Marienhospital heißt es: Brandschutz verbessern. Doch wie? 8 Punkte, die jede einzelne Pflegekraft leicht umsetzen kann
Artikel lesen >

Experte Völz rät zu jährlichen kleinen Übungen auf Station

„Krankenhausleitungen sehen solche Übungen nicht allzu gerne. Für sie ist das Ganze viel zu umfangreich. Also lässt man es lieber“, sagt Siegfried Volz. Der langjährige Berufsfeuerwehrmann aus Fürth (Bayern) ist Experte für Brandschutz in Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Ich habe in Fürth auf jeder Station, einmal im Jahr, kleinere Übungen abgehalten. Außerdem bin ich mit jedem Grundlehrgang in die Klinik und ließ von einer Unterrichtsfachkraft den neuen Feuerwehrleuten erklären, wie man die Krankenbetten handhabt und wie man Bettlägerige – etwa mit angelegten Infusionen – transportieren kann.“

Best Practice: KWA Stift am Parksee in Unterhaching

Großübungen sind also durchaus möglich. Auch Alexandra Kurka-Wöbking, Stiftsdirektorin am KWA Stift am Parksee in Unterhaching, findet sie „eine Selbstverständlichkeit“. Vor knapp zwei Jahren hat sie angefangen, ihr Haus für eine solche Übung bereitzustellen: Eine Stunde und 20 Minuten dauerte das Drehbuch-Szenario im November 2017, bei dem die Bewohner in Rollstühlen, auf Krücken oder mit Rollatoren in Sicherheit zu bringen waren, weil es angeblich im Stift brannte.

Es reicht nicht zu wissen, wo der Feuerlöscher hängt

„Wir hatten das mit den betroffenen Bewohnern abgesprochen, die Mitarbeiter aber nur bedingt informiert. Den vollstationären Bereich hatten wir von der Evakuierung allerdings ausgeschlossen“, sagt Kurka-Wöbking. Der Einsatz kostete die Einrichtung kein Geld, war aber „ein beträchtlicher Aufwand“, der sich jedoch in jedem Fall gelohnt habe: „Wir haben natürlich immer schon die gesetzlichen Brandschutzübungen durchgeführt, bei der wir versuchen, alle Mitarbeiter mitzunehmen. Auch haben wir einen Brandschutzbeauftragten: unseren technischen Leiter. Die Großübung hat uns aber dazu animiert, künftig solche Übungen auch in kleineren Einheiten abzuhalten, also auf einzelnen Stationen.“ Denn nur zu wissen, wo der Feuerlöscher hänge oder der Not-Knopf sei, ohne beides im Notfall auch wirklich bedienen zu können, bringe nicht viel, sagt die Direktorin.

Feuerwehr Unterhaching: Brandschutz leider viel zu selten Chefsache

Ein dickes Lob erntete Kurka-Wöbking mit ihrem Team für diese vorbildliche Haltung von der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching: „Ohne Übungsobjekt kann keine Übung stattfinden und so möchten wir uns ganz besonders bei der Hausleitung vom KWA Wohnstift am Parksee und den Bewohnern bedanken, die ihr Wohnstift beziehungsweise ihre Wohnungen für die Einsatzübung zur Verfügung gestellt haben. Besonders hervorheben möchten wir, dass die Hausleitung vom KWA Wohnstift am Parksee aktiv bei der Feuerwehr bezüglich einer Einsatzübung angefragt hat. In der heutigen Zeit eher eine Seltenheit! Ein Dank auch für Speis und Trank nach der Einsatzübung.“

Autorin: Birgitta vom Lehn

Brandschutz

Immer schwerere Klinik-Brände

Nach dem Brand im Düsseldorfer Marienhospital heißt es: Brandschutz verbessern. Doch wie? 8 Punkte, die jede einzelne Pflegekraft leicht umsetzen kann

Pflegemanagement

Tattoos - Coolness-Faktor in Klinik und Heim

In vielen Branchen sind Tattoos ein Tabu. Nicht so in der Pflege. Mancher meint, Tätowierte seien gar die besseren Mitarbeiter …

Smartphone, i-Pad & Co.

Altenheim – aber bitte mit WLAN!

Stones statt Rudolf Schock, WLAN statt „Blauer Bock“ – die neuen Alten sind anspruchsvoll. WLAN entwickelt sich für Altenheime zum Qualitätskriterium.

Pflege und Politik

Redet die Heime nicht schlecht!

Die „eigenen vier Wände“ werden oft verklärt, die Pflegeheime verteufelt. Zu Unrecht, findet unsere Autorin Birgitta vom Lehn, hier zu sehen mit ihrem Vater im Heim.

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.