Tanz-Video-Challenge

Kliniken und Heime in Jerusalema-Tanz-Fieber

Pflegekräfte und ihre Kollegen aus Medizin, Physiotherapie & Co. bringen mit ihren hundertfach hochgeladenen Tanzvideos Zuversicht und Zusammenhalt in der Corona-Pandemie zum Ausdruck - ein Kommentar

Inhaltsverzeichnis

Das Jerusalema-Tanz-Fieber, vor einem Jahr in Afrika gestartet, geht inzwischen auf allen Kontinenten um, auch deutsche Kliniken und Heime sind ergriffen. Und das ist auch gut so, meinen die beiden ehemaligen Krankenschwestern Simone Ulrich und Christiane Fruht, die heute als Coach und PR-Beraterin arbeiten. Für pflegen-online haben sie das Phänomen näher beleuchtet.

Von außen betrachtet tut es gut, Klinikpersonal einmal fröhlich tanzend statt überlastet und erschöpft zu sehen. Aber nicht alle sind begeistert, dass Kliniken während der Covid-19-Pandemie selbst produzierte Tanzvideos veröffentlichen.

Der Jerusalema-Tanz startete in Südafrika und Angola

Im Spätsommer haben Krankenhäuser begonnen, Videos in Eigenregie zu produzieren, die sie jetzt nach und nach im Internet – vor allem auf You Tube – hochladen. Der Trend begann mit DJ Master KG und Sängerin Nomcebo Zikode aus Südafrika schon vor gut einem Jahr: Da hatte ihr Musikvideo Jerusalema Premiere; seitdem wurde es knapp 275 Millionen Mal aufgerufen (Stand: 16. Deember 2020).

Nonnen, Soldaten, Supermarktangestellte – alle tanzen Jerusalema

Zuerst waren es Menschen aus Südafrika und Angola, die ihre Tanzvideos zum eher ruhigen Lied mit biblischen Zeilen wie „Jerusalem ist meine Heimat“, „Rette mich“ und „Verlass mich hier nicht“ ins Netz stellten. Mittlerweile tanzt die halbe Welt nach diesem Song. Mitgemacht haben schon italienische Marinesoldaten, dominikanische Nonnen, Flughafenangestellte, Supermarktmitarbeiter. Seit ein paar Monaten sind auch zahlreiche Teams und Abteilungen aus deutschen Kliniken und auch einige Pflegeheimen dabei, etwa zwei Einrichtungen der Korian AG wie das Haus Gilberghof in Siegen (siehe Foto oben).

Pflegekräfte, Ärzte Co. tanzen mit Jerusalema gegen Corona an

Inspiriert von anderen millionenfach angeklickten Tanzvideos nutzen sie den viralen Mitmach-Song, um gegen Corona anzutanzen und ihren kollegialen Zusammenhalt zu demonstrieren. Unter den Hashtags #GemeinsamZusammenWir und #jerusalemdancechallenge zeigen sie ihre Videos auf ihren Klinikseiten, bei YouTube und in anderen sozialen Netzwerken.

Jerusalema schweißt Teams abteilungsübergreifend zusammen

Für das Betriebsklima, die Mitarbeitermotivation, die Vernetzung der Abteilungen, die Arbeitsfreude, das Arbeiten aller Berufsgruppen auf Augenhöhe ist die Jerusalema-Dance-Challenge ein wahrer Segen: Es ist die freudvolle Beschäftigung mit etwas Arbeitsfremden, das gemeinsame Ziel, die aufregende öffentliche Performance, die die Teams abteilungsübergreifend eine Zeit lang zusammenschweißt. Vermutlich wäre es sogar ein großer Gewinn für den Mitarbeiterzusammenhalt allgemein, wenn es solche Challenges öfter geben würde, an denen viele teilnehmen möchten.

Auch in schwierigen Zeiten gibt es schöne Momente in Klinik und Heim

Dass die vielen tollen Filme wie die vom Klinikum Ludwigshafen, den DRK Kliniken Berlin, der Uniklinik Düsseldorf auch Kritiker auf den Plan rufen würden – darauf bereiteten sich die Klinikmitarbeiter sogar vor. So bekräftigte Pflegekraft Melanie Klatt aus der St. Barbara-Klinik Hamm in einem Stern-Interview, dass sie und ihre Kollegen die Jerusalema/Tanz-Challenge toll fanden und unbedingt mitmachen wollten. Rüberkommen sollte die Botschaft, dass es in diesen schwierigen Zeiten auch schöne Momente im Krankenhaus gibt. Es sei ein Zeichen der Hoffnung, ein bisschen Spaß und Ausdruck von Lebensfreude. Es gehe vor allem darum, kraftvolle Momente zu schenken, die über mögliche Ängste und Stress hinweghelfen. Wegen Corona haben sich die Kollegen vor und nach ihren Schichten zum Üben getroffen oder Zuhause trainiert.

Sendet der Jerusalema-Tanz das falsche Signal an die Öffentlichkeit?

Der Kommunikationschef des Klinikums Dortmund gehört wohl eher zu den Kritikern der Tanz-Challenge. Erst kürzlich kommentierte Marc Raschke einen Zeitungsartikel einen Artikel mit der Überschrift „Sächsische Klinik tanzt Corona-Sorgen weg“ auf LinkedIn. Er sei kein Freund der Tanz-Challenge, schrieb er. Für ihn sende man mit der Teilnahme ein irritierendes Signal an die Öffentlichkeit, denn die fröhlichen Videos stünden im Wiederspruch zum allgemeinen Konsens, dass die Kliniken am Limit fahren.

Videos unter strengen Hygieneauflagen produziert

Damit hat er im ersten Moment recht, aber wer kann und will in diesen Zeiten festlegen, was Pflegekräfte und ihre Kollegen aus den anderen Disziplinen in ihrer Freizeit tun oder besser lassen sollten? Signalwirkung hin oder her – es geht nur um einen Tanz und es gibt neben Corona auch noch andere Dinge, schöne Dinge. Außerdem gilt zu bedenken, dass die meisten Videos bereits vor Wochen unter strengen Hygieneauflagen produziert wurden, als das Infektionsgeschehen noch weniger ausgeprägt war. Die PR-Referentin der Schön-Kliniken, Claudia Rieling: „Produziert hat die Klinik das Video in Eigenregie an unterschiedlichen Drehorten vor und in der Klinik, unter strikter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie mit Mund-Nasen-Schutz. Schon in den ersten 24 Stunden wurde das Video der Schön Klinik in Düsseldorf, bei dem sogar der Weihnachtsmann eine zentrale Rolle spielt, bereits rund 4.000 Mal geklickt.“

Die Pandemie für einen Moment vergessen, positive Gefühle vermitteln ...

Wie das Schön Klinik-Video wurden auch andere bisher veröffentlichte Tanzfilme im Netz überwiegend positiv kommentiert und teilweise millionenfach gelikt. Und täglich kommen weitere Videos dazu. Die Botschaft der Videos ist im Grunde bei allen gleich: Die Pandemie für einen Moment vergessen, positive Gefühle vermitteln und den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

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