Einmalhandschuhe mit Lasche

Keimschleuder war gestern

Ein Medizinstudent der MHH verhilft dem Einmalhandschuh durch eine simple Innovation – eine spezielle Lasche – zu mehr Hygiene.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Auslöser für eine Innovation? Unzufriedenheit mit dem Status Quo, Tüftelei, auch Muße oder Langeweile mögen eine Rolle spielen. Bei Maxim Gleser war es Ekel. Als der Medizinstudent 2013 im Präparierkurs Leichen sezieren musste, stellte er sich vor, wie beim Abstreifen der Einmalhandschuhe Keime am Handgelenk kleben bleiben. Das war keine Paranoia: Gerade das Ausziehen des ersten Handschuhs mit der ebenfalls in einem Handschuh steckenden Hand führt in 50 bis 70 Prozent zur Kontamination vor allem des Handgelenks. Das zeigen verschiedene Studien. Es gibt Empfehlungen, wie die Handschuhe korrekt abzustreifen sind, doch es ist offenbar nicht leicht, diese Tipps zur Händehygiene konsequent im Alltag umzusetzen.

Bald kommt der Handschuh auf den Markt

So kam der heute 23-Jährige auf die Idee, einen Handschuh mit einer Lasche auf Höhe des Handgelenks zu entwickeln. Dazu holte er seinen alten Schulfreund Paul Diers mit ins Boot, einen Maschinenbau-Studenten, der es gewohnt ist, sich mit technischen Details einer Entwicklung auseinanderzusetzen. Außerdem gehört zu dem inzwischen gegründeten Unternehmen IP Gloves GmbH Fabian Franzen, der sich als Experte für Business Development um das wirtschaftliche Wohlergehen der Start-up-Firma kümmert.

Schon bald - den präzisen Zeitpunkt möchte Gleser noch nicht nennen - wird der Handschuh, zunächst aus Nitril gefertigt, auf den Markt kommen, den Namen des Herstellers möchte Gleser noch nicht nennen. Doch der Club der Gesundheitswirtschaft (cdgw) hat die IP Gloves GmbH bereits im November für seinen Einmalhandschuh mit dem Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft 2017 in Berlin ausgezeichnet.

So funktioniert der Handschuh mit Lasche

Und wie genau funktioniert dieser Handschuh nun? Maxim Gleser: „Die Lasche des ersten Handschuhs wird mit den behandschuhten Fingerspitzen der zweiten Hand gegriffen und der Handschuh abgezogen. Danach ist es wichtig, die äußere Oberfläche des zweiten Handschuhs nicht mehr mit den sauberen Fingerspitzen der ersten Hand zu berühren. Das vermeidet man, indem man die sauberen Fingerspitzen zwischen Handschuh und Handgelenk bringt und den Handschuh abstreift.“

Studie an der MHH: deutlich niedrigere Kontamination

Das klappt tatsächlich nach ersten Erkenntnissen: An der MHH gab es eine Studie mit insgesamt 317 Teilnehmern – 146 davon haben herkömmliche Einmalhandschuhe getragen, 171 IP Gloves. Die Inspektion der Hände in der Schwarzlichtbox hat ergeben, dass sich 73 Prozent der Teilnehmer beim Ausziehen herkömmlicher Handschuhe kontaminieren, aber nur 16 Prozent der Teilnehmer mit IP Gloves. Ein beeindruckender Unterschied, wenn man bedenkt, dass weltweit jährlich 200 Milliarden Einmalhandschuhe verbraucht werden.

Autorin: Kirsten Gaede

Händehygiene

Keimschleuder Einmalhandschuhe

Hygieneexperte Ojan Assadian warnt vor unreflektiertem Gebrauch von Einmalhandschuhen: Sie vermittelten ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

Krankenhauskeime

Je mehr Einmalhandschuh, desto weniger Händedesinfektion ...

… aber ganz ohne Einmalhandschuh geht es auch nicht. Ein Dilemma, wie unsere Facebook-Diskussion gezeigt hat. Knackpunkt seien die Abläufe, meint Hygieneexpertin Dr. Christiane Reichardt.

Pflege und Management

Antrag auf Hilfsmittel: So sparen Sie Zeit und Nerven

Beantragen Sie bereits bei der Erst- und Folgebegutachtung durch den MDK alle benötigten Hilfsmittel für den Pflegebedürftigen. So ersparen Sie sich langwierige Bewilligungsverfahren.

Pflegende Angehörige

Nötige Hilfsmittel ohne lästige Anträge

Pflegerische und medizinische Hilfsmittel erhalten anerkannt Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 1, 2, 3, 4 und 5 seit Jahresbeginn 2017 wesentlich einfacher als zuvor. Das hat auch das unterstützende Engagement von pflegenden Angehörigen deutlich erleichtert.