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Interview

Kann denn Netzwerken Sünde sein?

Ja, denkt manche Frau und strebt ganz aus eigener Kraft eine Karriere an. Nein, meint dagegen Pflegewissenschaftlerin Martina Hasseler. Warum, das erklärt sie auf dem Deutschen Pflegetag  und hier schon einmal in aller Kürze im Interview    

pflegen-online: Frau Hasseler, was hat Sie angetrieben, als Sie in Ihr Berufsleben gestartet sind? Hatten Sie ein Vorbild?

Martina Hasseler: Ich wollte raus, raus aus der Gegend, in der ich aufgewachsen bin: Ostfriesland. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin gern Ostfriesin, ich mag die Gegend, die Leute. Aber für ein ganzes Leben? Da wartete doch eine ganze Welt da draußen! Also nein, ich hatte kein Vorbild, und wenn, wären das die Weltentdecker gewesen, Marco Polo vielleicht oder Kolumbus, so die Sorte Mensch, umtriebig, neugierig, mit Entdeckergeist.

Ich habe mich also nach meiner Ausbildung auf den Weg gemacht, habe Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, studiert. Ich denke, so wurde wiederum ich zu einem Vorbild für andere, durch meine Tatenkraft und meine Unbeirrbarkeit. Und das gebe ich auch gern in Mentorings – oder in Vorträgen wie auf dem Netzwerktreffen – weiter.

Was denken Sie: Stehen sich weibliche Führungskräfte in der Pflege – oder jene, die noch auf dem Weg in eine höhere Position sind – oft selbst im Weg? Was raten Sie ihnen?

Frauen kommunizieren und agieren anders miteinander als dies Männer tun, sie netzwerken auch anders. Das ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Stehen sie sich selber im Weg? Ja, ich denke, dass sie sich häufiger durch Selbstzweifel, in der Kommunikation untereinander und mit anderen und im Auftreten ausbremsen. Aber andererseits ist es natürlich schön und angenehm, wenn Frauen eine Sitzung gleich sachorientiert und ohne mindestens zehnminütiges Alpha-Tier-Verhalten beginnen können.

Wo sie dennoch nachsteuern können: Frauen sollten das kommunikative und non-verbale Verhalten von Männern verstehen lernen. Sie sollten dann dieses Verhalten nicht kopieren, das nicht, aber eben wissen, wie sie damit umgehen, um eigene Ziele zu erreichen – und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Und außerdem ist es unerlässlich, sich gegenseitig zu fördern. Ich beispielsweise habe ab der Universität, so ungefähr ab dem Hauptstudium, eher Unterstützung von Frauen erhalten, die mich in meinen Ambitionen gefördert haben. Deshalb denke ich: Sich zu vernetzen, zu „netzwerken“ ist nicht nur bezogen auf die Inhalte relevant, sondern auch dafür, sich gegenseitig in den Positionen, Zielen zu unterstützen.

Lust, mehr von den Erfahrungen von Martina Hasseler zu hören? Lust, selbst mehr zu netzwerken? Treffen Sie die Pflegewissenschaftlerin live (oder auch digital) auf dem Deutschen Pflegetag in der Session „Kann denn Netzwerken Sünde sein?“ am 14. Oktober um 15.15 Uhr (Saal A2). 

Lust, mehr von den Erfahrungen von Martina Hasseler zu hören? Lust, selbst mehr zu netzwerken? Treffen Sie die Pflegewissenschaftlerin live (oder auch digital) auf dem Deutschen Pflegetag in der Session „Kann denn Netzwerken Sünde sein?“ am 14. Oktober um 15.15 Uhr (Saal A2).    

Netzwerken ist also elementar für ein berufliches Vorankommen in der Pflege?

Unbedingt! Obwohl Pflegeberufe – wie überhaupt die meisten Gesundheits- und Therapieberufe – von Frauen besetzt sind, sehen wir hier überwiegend Männer in Führungspositionen. Woran das liegt? Aus der Forschung wissen wir, dass Mitarbeitende häufig nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählt werden, ebenso werden Leute nach diesem Prinzip in Führungspositionen gehievt. Ergo: Mit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen auch weiter mehr Frauen in Führungspositionen – eine einfache Formel. Und für Unternehmen ist das nur gut: Denn wir wissen ebenfalls aus der Forschung, dass mehr Frauen in Führungsetagen bessere Resultate in Unternehmen produzieren. Wir brauchen sie also, die Frauen! Im Gesundheitswesen, in der Politik, in allen relevanten Gebieten, und bitte in hohen Positionen! Und was bringen hier Netzwerke? Sehr viel: Man stärkt sich und einander – inhaltlich und politisch. Man verschafft sich Gehör, man erreicht, dass mehr kompetente Frauen in Führungspositionen gelangen. Nehmen Sie etwa das Netzwerk TOP Management Pflege – hier gibt es Informationen, Rückenstärkung, und auf dem Netzwerktreffen, das nun im Juni stattfindet, trifft man andere Pflegefrauen und tauscht sich aus. Das ist der Weg. Und ich hoffe, viele Frauen gehen ihn.

[Immer weniger Frauen im Top-Pflegemanagement? Das ist kein bloßer Eindruck, das belegt auch die Recherche von pflegen-online – lesen Sie dazu unseren Artikel Immer weniger Frauen in Pflege-Top-Positionen]

3 Karrieretipps von Martina Hasseler

1.) Formulieren Sie ein konkretes Ziel. Entwickeln Sie Wege, wie Sie dieses Ziel erreichen können. Berücksichtigen Sie dabei: Es wird Hindernisse geben, es wird Leute geben, die Sie ausbremsen wollen, Umstände, die Ihnen und Ihrem Weg zuwiderlaufen. Entwickeln Sie sportlichen Ehrgeiz, und entwickeln Sie ein gutes Netzwerk. Dann lassen sich Hürden gut überwinden.

2.) Haben Sie keine Angst vor Herausforderungen – mit jeder Herausforderung werden Sie wachsen. Das werden Sie spüren: Ihre Selbstwirksamkeit wird zunehmen. Und zunehmen. Und zunehmen. Spüren Sie sie schon?

3.) Machen Sie sich bewusst: Fehler sind nicht schlimm, aus Fehlern lernen Sie. Mit Perfektion hat noch keiner sein Ziel erreicht. Mit neu gewonnenen Erkenntnissen schon. Trauen Sie sich, fehlerhaft zu sein. Und werden Sie besser. 

Autorin: Romy König

Über Martina Hasseler

Die examinierte Krankenschwester (53) ist Professorin für Klinische Pflege (Schwerpunkte: Pflegewissenschaft, Gesundheitswissenschaft, Gerontologie , Rehabilitation) an der Fakultät Gesundheitswesen, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Campus Wolfsburg. Erst kürzlich, im November hat das Land Niedersachsen ihr den Wissenschaftspreis Niedersachsen für ihre pflegewissenschaftliche Arbeit verliehen.    

 

 

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