30 Jahre Mauerfall

In der DDR haben wir Tupfer selbst gemacht

Und was passierte mit Spritzen, Gummihandschuhen und Mullbinden? Edith Müller, bis vor Kurzem Krankenschwester im Klinikum Eichsfeld, erzählt

Inhaltsverzeichnis

Ob vor oder nach der Wende – mein Beruf hat mir immer Spaß gemacht. Auch hatte ich den Eindruck, dass sich unsere Patienten immer wohl gefühlt haben bei uns im Klinikum Eichsfeld (Thüringen). Bis zu meiner Pensionierung vor ein paar Wochen habe ich im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, die letzten zehn Jahre in der Urologie.

Die Mullbinden haben wir gewaschen

Zu DDR-Zeiten gehörte zu der Arbeit einer Krankenschwester nicht nur die Versorgung der Patienten. Wir mussten die Verbandsmaterialien teilweise selbst herstellen. Aber wir haben das Beste draus gemacht. Aus Mull drehten wir Tupfer und die Mullbinden wurden nach Gebrauch von uns gewaschen und wieder aufgerollt.

Auch Kompressen haben wir selbst gemacht

Für die Kompressen schnitten wir selbst Stücke aus Zellstoff und legten die Teile zwischen zwei Läppchen aus Mull. All diese Arbeiten erledigten wir während unserer Schicht, entweder nachts oder tagsüber, wenn die Patienten zu Mittag aßen. Bei uns wurde nichts so schnell weggeworfen. Das galt auch für die Gummihandschuhe. Die wurden nach Gebrauch eingeweicht und danach auf die Leine zum Trocknen gehängt. Frisch gepudert waren die Gummihandschuhe dann wieder einsatzbereit.

Tupfer drehen gehörte zum Arbeitsalltag

Uns Krankenschwestern und Pflegern war schon bewusst, dass wir beim Thema Material improvisieren müssen. Doch als Mangel hatten wir das nicht empfunden. Tupfer drehen, Mullbinden waschen oder auch Spritzen sterilisieren gehörte einfach zu unserem Arbeitsalltag.

Die Prozesse auf Station waren ähnlich wie im Westen

Nach der Wende kamen dann bei uns nach und nach Einweg-Material zum Einsatz, kistenweise Latexhandschuhe und Einmalspritzen waren plötzlich auf den Stationen verfügbar, das war schon eine enorme Erleichterung für uns. Die Klinikleitung schickte uns dann 1990 zu Schnuppertagen in westdeutsche Kliniken. Wir sollten uns den Stationsablauf ansehen. Was wir dort aber erfuhren, war, dass die Abläufe in den westlichen Bundesländern unseren sehr ähnlich waren.

Protokoll: Karoline Amon

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