Pflegekräfte möchten schon vor dem Vorstellungsgespräch wissen, was sie im neuen Job verdienen würden.  
Foto: Dorothee Lee
Pflegekräfte möchten schon vor dem Vorstellungsgespräch wissen, was sie im neuen Job verdienen würden.  

Gehalt

Immer mehr Kliniken und Heime veröffentlichen Gehälter  

Für Geheimniskrämer wird es eng: Gerade entscheiden sich immer mehr Arbeitgeber, genaue Angaben zum Gehalt auf ihrer Website zu machen. Fünf Beispiele   

Der Personalmangel in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist ein Thema, das viele bewegt. Um Berufsanfänger und erfahrene Pflegekräfte auf sich aufmerksam zu machen, verweisen Unternehmen auf Karriereportalen und in Stellenanzeigen nicht mehr nur allgemein auf ihre Benefits, sondern machen konkrete Angaben zum Monats- oder Jahresbrutto in den Berufsgruppen.

Seit knapp fünf Wochen veröffentlicht das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) auf seinem Bewerberportal anhand vier exemplarischer beruflicher Laufbahnen im Pflegedienst die Entwicklungsmöglichkeit bei den Jahresbruttogehältern. „Was verdiene ich bei Ihnen?“, werde in Bewerbungsgesprächen regelmäßig gefragt, sagt Vorstand und Pflegedirektor Torsten Rantzsch. „Das ist eine neue Generation Pflegekräfte, die sich für die Bezahlung interessiert und der zugleich die Work-Life-Balance wichtig ist.“

Bei der Arbeitsmarktlage sind die Bewerber klar im Vorteil: „Wir rollen den roten Teppich für den Bewerber aus und bewerben uns bei ihm.“ Und dass nicht nur mit präzisen Angaben zur Vergütung: Der „Tarifvertrag Entlastung (TV-E)“ für die Unikliniken NRW, der ab diesem Jahr gelten soll, zielt ab auf einen besseren Personalschlüssel und einen Belastungsausgleich bei Personalausfall. Zurzeit erreichten das UKD mehr Bewerbungen als sonst, so Rantzsch. „Wir können aber nicht sagen, ob das auf diese Kampagne zurückgeht.“

Google belohnt Arbeitgeber für ihre Transparenz beim Gehalt 

Jobportal pflegen-online.de empfiehlt:

Die DRK Kliniken Berlin nennen bereits seit knapp drei Jahren konkrete Zahlen auf ihrem Karriereportal: Arbeitssuchende finden online das monatliche Bruttogrundgehalt für Krankenhausberufe in Vollzeit und den Haustarif zum Download. „Transparenz ist immer gut“, betont Maja Schäfer, Leiterin des Strategischen Recruitments. Google liste Stellenanzeigen mit der Angabe von Gehältern höher, sagte sie im Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“. Am größten Standort des Klinikverbunds, in Berlin-Köpenick, waren 2021 98 Prozent der Stellen im Pflege- und Funktionsdienst besetzt.

Auch das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) – bis Ende 2022 Deutsches Herzzentrum Berlin –    spricht auf seiner Webseite „#Klartext“, um Fachpflegekräfte zu gewinnen. Ein Video erklärt den Haustarifvertrag – und schlägt sich durchs Dickicht von Grundgehalt, Zuschlägen und Sonderzahlungen. „Wenn man eine Kampagne Klartext nennt, muss man auch über Geld reden“, sagt Christian Maier, Leiter Kommunikation und Marketing. Er entwickelte die Recruiting-Kampagne, die im Frühjahr 2021 online ging, zusammen mit der Pflegedirektion. In der Öffentlichkeit gebe es eine falsche Vorstellung davon, was in dem Ausbildungsberuf Pflege verdient werde.

Mehr Bewerber am Deutschen Herzzentrum 

Wer es genau wissen will, bekommt beim DHZC auf der Webseite konkrete Bruttogehaltsbeispiele – je nach Berufsgruppe und Berufserfahrung. Und am Beispiel von Ramona Spangenberg, einer stellvertretenden Pflegeleiterin (verheiratet, ein Kind, 30-Stunden-Stelle, zwölf Jahre Berufserfahrung), wird detailliert aufgeschlüsselt, was bei ihr am Ende monatlich auf dem Gehaltszettel steht. „Die Kampagne hat in der Folge die Zahl der Bewerbenden zwar deutlich erhöht“, sagt Christian Maier. In Bereichen wie der Kinder-Intensivmedizin sei der Bedarf an Pflegekräften am DHZC aber weiterhin sehr hoch: „Wir müssen und wollen insbesondere die Auszubildenden für die Pflege in der Herzmedizin begeistern, aber wir müssen dabei immer auch transparent bleiben und auch dokumentieren, wo wir noch besser werden wollen.“

Weniger Fluktuation bei Korian 

Die Städtischen Pflegeheime Esslingen am Neckar präsentieren sich auf der Webseite der Einrichtung mit Angaben zur Vergütung einer Pflegefachkraft in Vollzeit als Berufsanfänger oder je nach Berufserfahrung. Schicht- und Zeitzuschläge, Leistungszulage und Jahressonderzahlung kommen in der Tabelle hinzu.

Der private Anbieter von Pflege- und Betreuungsdienstleistungen Korian veröffentlichte im September vergangenen Jahres das aktualisierte Vergütungsmodell „Worx 2.0“ auf seiner Karriereseite. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern wird das monatliche Grundgehalt für Mitarbeiter bei 39 Wochenstunden in den jeweiligen Entgeltstufen abgebildet. Dazu kommen Zulagen und Zeitzuschläge. „Die Worx-Tabellen berücksichtigen Zusatzqualifikationen, Weiterbildungen und Betriebszugehörigkeit. Zudem werden 70 Prozent eines Bruttomonatsgehaltes als Jahresend-Treuprämie gezahlt“, so Unternehmenssprecherin Tanja Kurz.

Torsten Rantzsch: „Mit der Zeit gehen, immer nachlegen“ 

Auch die Korian-Leitung ist sich bewusst, dass für den Bewerber neben dem Gehalt die Arbeitsbedingungen in der Pflege zählen. Mit dem Programm „High5“ hat man vor drei Jahren die Arbeitsbedingungen einheitlich gestaltet, unter anderem mit 30 Urlaubstagen und einem optimierten Dienstplan. „Seitdem steigt die Anzahl der Bewerbungen und wir gewinnen mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Mit beiden Programmen belohne man auch die Leistung der Mitarbeiter, die schon länger im Unternehmen sind. „Der signifikante Rückgang der Fluktuation zeigt, wie sehr unsere Kolleginnen und Kollegen das schätzen.“

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Dass Transparenz bei den Gehältern als ein Element für die Gewinnung von Pflegekräften wichtig ist, kommt in den Fachabteilungen von Kliniken und Pflegeheimen langsam an. Vorstand und Pflegedirektor Torsten Rantzsch vom Universitätsklinikum Düsseldorf ist überzeugt, dass man auf dem Feld der Personalgewinnung niemals stehenbleiben darf: „Mit der Zeit gehen, immer nachlegen“, sagt er. Sein Fazit: „Investiert in die Recruitment-Abteilungen.“

Autorin: Ulrike Mattern

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