Reinigungskräfte

Hygiene im Heim - was Dienstleister versprechen

Träger, aber auch Mitarbeiter von Pflegeheimen sind oft skeptisch gegenüber Reinigungsdienstleistern. Ganz zu unrecht meinen zwei Große aus der Branche, mit denen pflegen-online gesprochen hat.

Inhaltsverzeichnis

Es sind viele und es werden mehr: Etwa jedes zweite Pflegeheim holt sich externe Dienstleister ins Haus, um die Reinigung erledigen zu lassen und den wichtigen Hygiene-Standards zu genügen. Doch nicht immer sind Heimleiter und Dienstleistungsfirma glücklich mit der Zusammenarbeit. pflegen-oline sprach mit drei Top-Managern von zwei der größten Reinigungs-Dienstleister: Nico Bothe, Projektmanager für die Sozial- und Gesundheitswirtschaft beim Reinigungs-Dienstleister Dussmann Service. Und mit Dr. med. Christine Sasse, Personalvorstand beim Konkurrenten Dr. Sasse AG, sowie dem Sasse-Geschäftsführer Matthias Herold. Die drei Experten erklären, auf welche Leistungen Heimleiter achten sollten, wenn sie Dienstleister anheuern, aber auch, wie sie Enttäuschungen wegen falscher Erwartungen vermeiden. Nur kurz vorweg: Der Sasse-Manager schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Altenpflgeeinrichtungen die Reinigung outsourcen, Bothe von Dussmann hält 30 bis 40 Prozent für realistisch.

1. Ab welcher Heimgröße lohnen sich Dienstleister-Verträge?

Ein Dienstleister soll es also richten. Doch nicht für jedes Pflegeheim ist der Partner von außen die beste Lösung, warnen die Experten. Ist das Heim zu klein, sollte die Leitung die Finger von dieser Verlockung lassen. Er rechnet sich nicht und bringt Ärger. „Das Heim sollte groß genug sein, sonst lohnt sich der Einsatz eines Reinigungs-Dienstleisters nicht“, bekräftigt Matthias Herold.

Ein Anhaltspunkt hier, so Herold: Pflegeheime lassen sich generell erst ab einer Größe von 100 Betten wirtschaftlich betreiben. Und etwa ab dieser Größe lohnt es sich auch, die Reinigung an einen Dienstleister auszulagern.

Aktuelles Beispiel: Für Dussmann arbeitet Nico Bothe gerade an einem größeren Projekt bei der Rostocker Heimstiftung. In sechs Pflegeheimen der Heimstiftung werden gerade Reinigung, aber auch Hauswirtschaft und Essensversorgung in die gemeinsame Tochterfirma RoDu Servicegesellschaft mbH ausgelagert. Die Größe des Projekts soll hier für Synergie-Effekte sorgen.

2. Die Laufzeit der Verträge

Ist das Heim groß genug, kommt die Laufzeit der Verträge ins Spiel. Die Verträge würden meist für drei bis fünf Jahre abgeschlossen, so Christine Sasse.

Für die Verhandlung mit dem Dienstleister weist Nico Bothe noch darauf hin, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl und Größe der Räume und der Zahl der Reinigungskräfte fair sein sollte. Der Dienstleister sollte also genug Personal einplanen. Und Heimleitern sollte klar sein, dass sie nicht zu wenig Geld in die Hand nehmen sollten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

3. Achtung, Kostenfalle: Mehrwertsteuer nicht vergessen

Heimleitern muss ein weiteres Hindernis für eine verträgliche Zusammenarbeit mit dem Dienstleister klarwerden. Sie müssen etwas mehr finanziellen Spielraum einplanen. Also damit rechnen, dass der Einsatz des Dienstleisters teurer wird als gedacht. Denn Pflegeeinrichtungen müssen dem Dienstleister Mehrwertsteuer zahlen, dürfen aber selbst keine erheben oder in Rechnung stellen. Eine Besonderheit, die sie bei der Kostenkalkulation bedenken müssen.

4. Kein billiger Jakob, aber transparente Kosten

„Wir sind nicht der billige Jakob“, betont Christine Sasse, neben ihrem Mann Eberhard Vorstand der Dr. Sasse AG. Wenn die Dienstleister also nicht wegen des Preises punkten, wo liegen dann die Vorteile? Ewa bei der Transparenz der Kosten. „Die Leistungen werden bei uns klar abgesteckt“, erklärt Nico Bothe von Dussmann Service. „Das ist anders, wenn die Reinigung in Eigenregie läuft. Da packt schon mal die Pflegekraft mit an, und die Kosten verwischen.“ Externe Reiniger wie Dussmann erstellen Leistungsverzeichnisse, in denen alle Posten festgehalten werden. Grundlage dafür sind sogenannte Raumbücher, für die die Fläche der Räume ausgemessen und festgehalten wird.

5. Klare Nachvollziehbarkeit der Leistungen

Die penible Dokumentation hat Vorteile, wenn es zu Notsituationen kommt. Ein extremes Beispiel: Im Pflegeheim haben sich Noroviren ausgebreitet, demenzkranke Bewohner lassen sich eventuell nicht zuverlässig isolieren und tragen den Virus weiter. Angehörige von Bewohnern können Pflegeheime gehörig unter Druck setzen und Nachweise fordern, dass die Zimmer der Bewohner ausreichend desinfiziert werden.

„Wir müssen plausibel darlegen, dass bestimmte Leistungen erbracht wurden oder werden“, erklärt Health-Care-Experte Matthias Herold von der Dr. Sasse AG. „Und dank moderner Technik mit NFC-Chips und einer App können wir das.“

Seit etwa einem Jahr nutzen die Reinigungskräfte der Dr. Sasse AG das System. „Die Reinigungskräfte loggen sich im jeweiligen Zimmer ein, bekommen dann ihr Leistungsverzeichnis für den jeweiligen Raum angezeigt und dokumentieren die Erledigung der Aufgaben in Echtzeit“, ergänzt Personalvorstand Dr. med. Christine Sasse.

6. Weniger Wechsel beim Personal

Bei aller Automatisierung können die Dienstleister auch auf der menschlichen Ebene Vorteile bieten. Zunächst hat der externe Dienstleister bessere Chancen, überhaupt sicherzustellen, dass immer eine Reinigungskraft verfügbar ist. Er hat über Jahre gewachsene Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern, lange Erfahrungen bei der Personalsuche und Kontakte zur Arbeitsagentur.

Damit der einmal eingestellte Mitarbeiter seinen Reinigungsjob im Pflegeheim auch über längere Zeit ausübt, muss er motiviert sein, also Freude an der Arbeit haben. Deshalb sollte der Arbeitgeber ihm Anreize bieten. Dies können interne Fortbildungen sein, dies kann aber auch eine Lohnerhöhung sein. Auch hier sehen sich die externen Dienstleister im Vorteil.

7. Einfühlsamer Umgang mit den Bewohnern

Dienstleister finden also leichter Personal, und sie finden offenbar auch das geeignetere Personal. „Können die Reinigungskräfte mit Empathie auf die Bewohner zugehen? Haben sie die entsprechende soziale Kompetenz?“ Diese Anforderungen an ihre Servicekräfte hält Christine Sasse für extrem wichtig. Reinigung im Pflegeheim ist nicht mit der Reinigung von Büroräumen zu vergleichen. Die Büros stehen meist leer, wenn die Putzkolonne anrückt. Die Bewohner sind zu Hause in ihren Privaträumen, wenn die Reinigungskraft anklopft. Es gibt Begegnungen von Mensch zu Mensch – dabei ist Einfühlungsvermögen und Gesprächsbereitschaft gefragt. „Es bauen sich Bindungen zu den Bewohnern auf“, bestätigt Nico Bothe von Dussmann Service. Reinigungskräfte müssen auch mal eine Rückmeldung an Pflegekräfte geben, wenn sie eine Unstimmigkeit bei den Bewohnern beobachten.

8. Einweisungen und Schulungen bringen Erfolg

Die Empathie lässt sich fördern. Die externen Dienstleister legen daher auf eine passgenaue Vorbereitung Wert. Keiner putzt ohne Einweisung. „Es geht bei unseren Einweisungen zunächst um korrektes Auftreten der Reinigungskräfte. Auf Erscheinungsbild, Freundlichkeit und Ausrüstung legen wir viel Wert“, sagt Christine Sasse. „Dazu kommt bei uns die psychologische Vorbereitung, um die Aufgabe auch als pflegeergänzende Tätigkeit zu begreifen – nicht jeder ist es gewohnt, mit pflegebedürftigen Menschen umzugehen.“

Gerade Reinigungskräfte mit ausländischem Hintergrund brauchen detaillierte Einweisungen. Etwa jede vierte Reinigungskraft in Deutschland hat einen ausländischen Pass. Nimmt man die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund dazu, steigt der Anteil von Reinigungskräften, die eventuell kein oder zumindest kein perfektes Deutsch sprechen. Daher ist eine eindeutige Einweisung in den Arbeitsbereich gerade im Pflegeheim enorm wichtig.

9. Moderner Technik soll Hygiene sichern

Wenn die Sauberkeit nicht stimmt, hat der Dienstleister versagt. Deshalb hat Hygiene eine hohe Priorität. Neben den klar strukturierten und kontrollierbaren Abläufen hat der externe Dienstleister in der Regel Reinigungstechnik und Reinigungsgeräte nach dem neuesten Stand zur Hand.

So nutzt Dussmann die Reinigungswagen der Firma PPS Pfennig Reinigungstechnik aus dem Allgäu. Wischer, Mopps und Tücher sind hier beispielsweise mit einem Farbsystem gekennzeichnet. Dies sorgt für bessere Hygiene, wenn etwa eine bestimmte Farbe zum Reinigen von Spiegeln und eine andere zum Staubwischen verwendet wird.

Wenn es um die Bodenreinigung geht, lässt Dussmann Service seine Reinigungskräfte verstärkt auf fahrenden Aufsitz-Scheuersaug-Maschinen Platz nehmen. „Wenn wir unseren Reinigungskräften hochwertige Maschinen anvertrauen, signalisieren wir ihnen auch Wertschätzung“, sagt Projektmanager Bothe.

10. Mit Qualitätssicherung sicher durch die MDK-Prüfungen

Auch auf die Hygiene-Überprüfungen in den Pflegeheimen haben sich die Dienstleister systematisch eingestellt. Seit 2009 geben die MDK-Prüfungen, also die Qualitätsbewertungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) eine gewisse Orientierung bei der Suche nach einem guten Pflegeheim. Hygiene zählt hier zu den entscheidenden Faktoren. Gesundheitsamt und Hygiene-Aufsicht sind beteiligt. Der Reinigungs-Dienstleister Dussmann möchte hier mit seinen Qualitätsaudits, also systematischen Untersuchungen zur Hygiene, dem Vertragspartner Pflegeheim gegenüber punkten. Aus den Ergebnissen bietet Dussmann den Pflegeeinrichtungen anschließend einen ausgearbeiteten Plan an, nach dem die erkannten Schwächen abgebaut werden können. „Menschen, die einen Pflegeplatz für einen älteren Angehörigen suchen, achten besonders auf die Hygiene einer Pflegeeinrichtung“, bekräftigt Nico Bothe von Dussmann Service. Er ist überzeugt: Träger, deren Häuser in puncto Hygiene überzeugen, könnten damit auch einen höheren Preis für einen Pflegeplatz rechtfertigen.

11. Langfristig denken und reinigen

Neben den Anforderungen des täglichen Geschäftes sollten Heimleiter auch langfristig denken, finden die Dienstleister. „Wir können uns bei einer gesamtheitlichen Vergabe von Dienstleistungen anders um den Werterhalt der Immobilie kümmern als die Pflegeeinrichtungen selber, deren Kernkompetenz ja die Pflege und Fürsorge für ihre Bewohner ist.“ Das schmeichelt den Verantwortlichen für die Pflege. Und rückt gleichzeitig die Stärken der Dienstleister ins Licht. Ob es zur Zusammenarbeit kommt und ob diese Zusammenarbeit zu einem Erfolg wird, ist nun Sache der beiden Vertragspartner. Aber die Richtung, die im Trend liegt, heißt offenbar - Outsourcing.

Autor: Michael Handwerk

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