Corona-Impfung

Hirschhausen will ungeimpfte Pflegekräfte überzeugen  

Nur wenige können so humorvoll und lebensnah Gesundheit erklären wie der Mediziner, Kabarettist und Bestseller-Autor Dr. Eckart von Hirschhausen. Nun ist er das Gesicht der BGW-Corona-Impfkampagne. Ein Interview

pflegen-online: Herr von Hirschhausen, warum beteiligen Sie sich an der Seite der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege an der Aktion „Impfen schützt. Mich. Dich. Alle.“?

Eckart von Hirschhausen: Weil mir die seelische wie körperliche Gesundheit der Beschäftigten in der Pflege seit Jahren ein Herzensanliegen ist. Denn Menschen in Gesundheitsberufen haben ein besonders hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die BGW hat dazu erschreckende Zahlen: Die dort gemeldeten Covid-19-Verdachtsfälle sind seit 2020 enorm gestiegen. Rund 87.000 Fälle wurden bis Ende 2021 als Berufskrankheit anerkannt. In 50 Fällen führte die beruflich verursachte Infektion zum Tod, in über 2.000 Fällen zu schweren langfristigen Erkrankungen, dem Post-Covid-Syndrom! Vor allem betroffen sind Pflegefach- und -hilfskräfte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Die Impfung ist die wirksamste Schutz- und Präventionsmaßnahme, die wir derzeit haben – und sie unser bester und schnellster Weg raus aus der Pandemie.

Weit über 90 Prozent der Pflegekräfte sind inzwischen geimpft. Trotzdem: Hat die Politik die Impflicht für Pflegekräfte nicht gut genug kommuniziert, um alle Pflegekräfte zu überzeugen?

Offensichtlich nicht. Menschen brauchen eine Entscheidungshilfe, bei der nüchtern die Zahlen nebeneinandergestellt werden und jeder sich seine Meinung bilden kann. So etwas wie der Wahl-O-Mat nur fürs Impfen. Es fehlte an guten Videos, die Falschinformationen geraderücken und die Fragen aufnehmen, die Menschen haben, aber nicht in langen Bleiwüsten und unübersichtlichen Listen, sondern zeitgemäß mit Grafiken, Animationen, bekannten und vertrauenswürdigen Erklärern aus Medizin und Pflege.

Aber das gilt ja für die gesamte Anti-Corona-Kampagne…

…für die Pflegefachkräfte habe ich eine fachgruppenspezifische Ansprache vermisst. Warum gab es für diese größte Gruppe im Gesundheitswesen keinen Podcast, bei dem man sich unkompliziert aufschlauen kann? Auch deswegen unterstütze ich die Aktion „Impfen schützt. Mich. Dich. Alle.“ und bringe mein Wissen und meine Vermittlerrolle ein.

Verstehen Sie die Argumente von Pflegekräften, die sich nicht impfen lassen wollen?

Ich kann verstehen, dass Impfen ein sehr sensibles Thema ist. Viele Menschen, auch in pflegenden Berufen, mögen keine Spritzen. Da hatte es die Schluckimpfung auf einem Zuckerwürfel einfacher. Viele haben Angst, dass die Spritze ihre körperliche Integrität verletzt. Es geht uns buchstäblich etwas unter die Haut. Wir vergessen dabei aber, dass jeder Atemzug unsere körperliche Integrität verletzt. Wir atmen ständig Feinstaub, Krankheitserreger und jede Menge fremder Erbinformationen ein. Jedes Stück Fleisch und jedes Stück Gemüse enthält jede Menge DNA.

Aber das war ja ein ganz neuer Impfstoff

Stimmt. Manche Menschen sagen, sie haben Angst vor dem Impfstoff, denn er kam so schnell. Dabei gibt es keinen Impfstoff der Welt, der so gut untersucht ist. Wir haben inzwischen die Hälfte der Menschheit damit geimpft. Man sieht, wie sicher er ist und wie wirksam. Er verhindert mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit schwere Verläufe und vor allen Dingen Todesfälle. Wir reden immer noch zu viel über die Nebenwirkung, statt über die Hauptwirkung zu reden. Und die besteht darin, dass man selbst weniger schwer krank wird und vor allem auch andere nicht ansteckt!

Sie schauen ja immer positiv in die Zukunft: Wann werden wir Corona hinter uns gebracht haben?

Das kann ich leider nicht beantworten. Ebenso wenig wie die Frage, ob nach Corona nicht eine neue Pandemie könnte. Deshalb hoffe ich, dass wir wenigstens das aus dieser Zeit gelernt haben: Wir müssen Gesundheit global denken. Ein Virus fragt nicht nach einem Visum, um Ländergrenzen zu überspringen. So wenig wie ein C02-Molekül in der Atmosphäre fragt, aus welchem Land es kam.

Alles hängt zusammen?

Ja, die großen globalen Krisen hängen sehr eng miteinander zusammen: Die Pandemie ist die Folge der Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Wildtiere. Acht Millionen Menschen jedes Jahr sterben an Luftverschmutzung, und eine Lunge, die Dreck einatmen muss, ist auch viel anfälliger für Corona. Klimaschutz und Tierschutz ist auch Gesundheitsschutz, wenn wir das aus dem letzten Jahr gelernt haben, war es wenigstens zu etwas gut. Es geht erst allen besser, wenn es allen besser geht. Der Kerngedanke nennt sich international „one health“ oder auf Deutsch: Gesunde Erde – Gesunde Menschen.

Ihr Leib und Magen Thema ist Humor – sehen Sie Möglichkeiten, das Thema Corona-Impfung humorvoll anzugehen?

Ja. Was noch fehlt in der Debatte, ist Humor. Mein liebster Post dazu: „Menschen, die glauben, dass die Impfung ihr Erbgut verändert, sollten das als Chance begreifen“.

Interview: Hans-Georg Sausse

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