Deutscher Pflegetag 2019

Hilfe, Notfall - was mach' ich nur?

Notfallsanitäter David Gräter hat ein Buch geschrieben, das Ihnen als Altenpflegekraft Sicherheit vermitteln soll. Wenn Sie möchten, können Sie mit ihm zusammen am Schlütersche-Stand auf dem Deutschen Pflegetag (14. bis 16. März 2019 in Berlin) den Ernstfall üben, mit Puppe und Laiendefi. Hier vorab ein Interview und Video.

pflegen-online: Herr Gräter, Sie sind Notfallsanitäter und Notfallpädagoge – warum haben Sie ausgerechnet ein Buch über akute Notfälle in der Altenpflege geschrieben?

David Gräter: Wenn es zu einem Notfall im Pflegeheim kommt, kann die Pflegefachperson nicht – wie etwa im Krankenhaus – unmittelbar einen Arzt hinzuziehen. In vielen Fällen erhalten Mitarbeiter der stationären Langzeitpflege daher von ihren Vorgesetzten die Anweisung, stets den Rettungsdienst zu rufen, wenn Bewohner über ungewöhnliche Beschwerden klagen. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass Pflegefachpersonen über die Qualifikation und die Kompetenz verfügen, häufig selbst zu unterscheiden, ob es sich um einen kritischen, lebensbedrohlichen Gesundheitszustand handelt oder nicht.

Warum ist dieser Unterschied so wichtig?

Bei einem kritischen Gesundheitszustand wie etwa schwere Atemnot oder Bewusstlosigkeit muss der Rettungsdienst gerufen werden – keine Frage. Ist der Zustand jedoch unkritisch, etwa bei Schmerzen im Knie oder erhöhtem Blutdruck ohne zusätzliche Symptomatik, reicht es in der Regel aus, wenn der Hausarzt, der kassenärztliche Bereitschaftsdienst oder auch eine gut ausgebildete Pflegefachperson sich um den Bewohner kümmern. Unterscheiden Altenpflegefachpersonen dies korrekt und handeln entsprechend können die Bewohner davon profitieren. Außerdem ermöglicht es einen zielgerichteten und korrekten Einsatz der Rettungsdienste. Die Rettungsfachkräfte nehmen die Betroffenen in der Regel zur weiteren Untersuchung mit ins Krankenhaus. Die ambulante Versorgung, auch von unkritischen Betroffenen, ist in der Regel durch die Rettungsdienste nicht vorgesehen. Ein nicht notwendiger Transport in ein Krankenhaus löst bei den Betroffenen Stress aus und belastet diese unnötigerweise – ganz besonders, wenn es sich um einen Menschen mit Demenz handelt.

In Ihrem Buch kritisieren Sie auch das therapiefreie Intervall, zu dem es bei kritischen Notfällen häufig kommt. Was genau meinen Sie damit?

Das therapiefreie Intervall ist die Zeit zwischen dem Entstehen des Notfalls und dem Einleiten der Erstversorgung. Bis die Rettungsfachkräfte eintreffen kann es im ländlichen Raum schon mal 20 Minuten dauern. Ist der Zustand kritisch, ist es jedoch besonders wichtig, dass gerade in dieser Zeitspanne lebensrettende Maßnahmen frühestmöglich eingeleitet werden, da sonst irreversible Schäden entstehen können.

Worauf führen Sie denn zurück, dass Altenpflegefachpersonen so selten lebensrettende Maßnahmen ergreifen?

Häufig herrscht bei den Mitarbeitern Unsicherheit aufgrund fehlender Routine, da akute Notfälle in Pflegeheimen nicht tagtäglich vorkommen. Aber auch die enge Bindung, die zwischen Altenpflegefachpersonen und Bewohnern häufig besteht, kann eine Schwierigkeit darstellen. Zudem kann es zu Konflikten moralischer Art auf der einen Seite und rechtlicher Unsicherheit auf der anderen Seite kommen (Anm. d. Red.: Siehe auch Kasten).

Was muss denn passieren, damit sich das ändert?

Ich empfehle standardisierte Abläufe auch auf organisatorischer Ebene, die von den Einrichtungen transparent kommuniziert und regelmäßig geübt werden – idealerweise mit der vorhandenen Ausstattung und der Unterstützung von freiwilligen Bewohnern des Hauses. Mir helfen solche Routinen in meinem Beruf, standardisiert Prioritäten zu setzen und selbst in stark belastenden Situationen vernünftig zu handeln. Und auch bei der späteren Bewältigung ist es gut zu wissen, trotz starker emotionaler Beteiligung alles in seiner Macht Stehende unternommen zu haben. Standards, wie ich sie in meinem Buch beschreibe, ermöglichen einem ein solch zielgerichtetes und lebensrettendes Handeln.

David Gräter ist Notfallsanitäter, Praxisanleiter und Pädagoge im Gesundheitswesen. Er arbeitet als Lehrer am Städtischen Klinikum Braunschweig. David Gräter wird beim Deutschen Pflegetag am Stand der Schlüterschen zeigen und erklären, wie Sie sich bei Notfällen in der stationären Altenhilfe verhalten sollten.

Sichern Sie sich bereits jetzt Ihr Ticket für den Deutschen Pflegetag in Berlin.

Für den ersten Eindruck finden Sie in der digitalen Ausgabe des Magazins Pflegekammer ein Video.

Das Interview erschien zuerst im Magazin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz.

Das Interview führte: Kati Borngräber

Foto: Kati Borngräber

Wohnen im Alter

Hausnotruf: Helfer müssen Krankenbeobachtung beherrschen

Wer einen Hausnotruf betreibt, trägt Verantwortung. Mitarbeiter müssen Puls und Blutdruck im Blick haben und einen Schlaganfall erkennen können, wenn sie gerufen werden. Der Anbieter haftet, sollte der Patient infolge von Unkenntnis Schaden erleiden. Dies hat jetzt der Bundesgerichtshof entschieden.

Wer hat diesen Mann gesehen?

Ein polnischer Pflegehelfer könnte eine Mordserie im häuslichen Milieu zu verantworten haben. Die Kripo bitte um Unterstützung. Der Verdächtige hat in Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Schleswig-Holstein und Brandenburg gearbeitet.

Palliativpflege

Schwerkrank zu Weihnachten? Hotline für Angehörige

Sandra Maxeiner (Foto) kennt die Ängste gerade während der Weihnachtstage: Sie hat ihren an Krebs erkrankten Mann monatelang daheim gepflegt. Jetzt bietet sie mit ihrem Verein „Was wirklich zählt im Leben“ erstmals eine bundesweite Hotline an.

Arbeitsmarkt Pflege

Immer mehr Pflegeheime von Zeitarbeit abhängig

In der Altenpflege steigt die Zahl der Leiharbeiter rasant. 2016 ist sie um 9 Prozent auf über 12.000 gewachsen. Für die Pflegeheime ist das doppelt kritisch.

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.