Kommentar zum MDK-Bericht

"Hier wird wertvolle Pflege kaputt geschrieben"

Der aktuelle MDK-Qualitätsbericht treibt auch unsere Autoren um. Nach Jutta König äußert sich jetzt Birger Schlürmann (Foto unten), unser Experte für die ambulante Pflege.

Inhaltsverzeichnis

Ja, der MDS sieht wieder Verbesserungen – und ja, es gibt immer noch Optimierungsbedarf. Aber worüber sprechen wir eigentlich wirklich: Zum einen über die „geschriebene“ Qualität und zum anderen über die exzellente Ergebnisqualität, die die Kollegen trotz zermürbender Arbeitsbedingungen immer noch liefern.

Der Inhalt des 5. MDS-Qualitätsberichtes ist schnell erzählt: Die Ergebnisse im Bereich Sturz- und Dekubitusprophylaxe sind besser geworden – Nachholbedarf aber besteht noch im Bereich Wund- und Schmerzmanagement. Und die ambulanten Dienste könnten noch besser beraten und ihre Intensivpflege besser machen.

Es geht um die Qualität der Dokumentation

Aber worauf basiert dieser MDS-Bericht? Genau genommen, auf der Basis der MDK-Prüfungen aus den circa 26.000 ambulanten, teil- und vollstationären Einrichtungen in Deutschland. Und worauf basieren die Ergebnisse der MDK-Prüfungen? Genau – auf circa 80 Prozent Anforderungen an beschriebenes Papier.

Jedes Risiko muss minitiös dokumentiert werden

Wer als Pflegeeinrichtung keinen Patienten oder Bewohner mit einem Druckgeschwür hat, bekommt dennoch ein schlechtes Prüfergebnis, wenn er nicht alles gründlich aufgeschrieben hat. Unsere Pflegekräfte müssen nämlich ein mögliches Risiko genau beschreiben und dann passgenaue Pflege- und Beratungsmaßnahmen aufschreiben. Ebenso müssen die Gespräche mit dem Arzt dazu minutiös dokumentiert werden.

Bild & Co. nehmen den Bericht dankbar auf

Somit sind alle Patienten und Bewohner in der Praxis gut versorgt – doch für den MDK bestehen „gefährdende Bedingungen“, weil nicht jeder Handgriff und jeder Gedanke aufgeschrieben ist. Und dann spricht der MDS alle drei Jahre von schlechter Qualität. Das wird von den Boulevard-Medien dankbar aufgenommen, um dann mit einem Kollektivschlag unsere Branche zu diskreditieren. Das gibt Auflage und neue Werbekunden.

Warum sagt die Gesellschaft nicht einfach mal Danke?

Warum hat man vor der Pflegekraft, die jeden Tag ihre Patienten und Bewohner liebevoll und nach bestem Wissen versorgt, keinen Respekt? Warum schreibt man diese wertvolle Arbeit kaputt? Kann unsere Gesellschaft nicht einfach mal „Danke“ sagen? Danke für die fachkompetente und liebevolle Fürsorge für die kranken und schwachen Menschen – trotz schlechter Bezahlung und familienfeindlicher Arbeitszeiten.

Ich jedenfalls sage Danke all diesen Menschen. Aus tiefsten Herzen! MDS-Qualitätsbericht hin oder her.

Über Birger Schlürmann

Birger Schlürmann blickt auf 25 Jahre Erfahrung in der ambulanten und stationären Pflege zurück. Seit 17 Jahren ist er beratend tätig – unterbrochen von einem Ausflug in das operative Geschäft. Seit zehn Jahren ist er außerdem Chefredakteur beim Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG und betreut dort den Fachinformationsdienst "Wirtschaftlich erfolgreich im Pflegedienst". Bei der Schlüterschen Verlagsgesellschaft ist von ihm 2015 das Buch „Wachstumsmarkt Ambulante Pflege“ erschienen.

Autor: Birger Schlürmann

Illustration: Götz Wiedenroth

Foto: v.l.n.r.:Kath. Hochschule Freiburg/APS/Kath. Hoschule Mainz

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