Fachkräftemangel

Herzlose Zeitarbeit? 4 Gegenargumente

Außenseiter, Söldner, Gestresste? Dieser Sicht auf Zeitarbeiter widerspricht Daniel Renck vom Personaldienstleister CareFlex der Ev. Stiftung Alsterdorf (Hamburg).

Inhaltsverzeichnis

In einem Kommentar auf pflegen-online.de hat sich Pflegedozentin Silke Doppelfeld mit den Abgründen der Zeitarbeit beschäftigt. Daniel Renck vom Personaldienstleister CareFlex sieht die Zeitarbeit positiv:

Die Arbeitnehmerüberlassung – umgangssprachlich „Zeitarbeit“ genannt – hatte lange den Ruf, schlechte und prekäre Arbeitsverhältnisse zu bieten. Inzwischen hat sich dieses Image in vielen Branchen zu Recht gewandelt. Vor allem in Sozial- und Gesundheitsberufen stellt die flexible Personaldienstleistung oft eine spannende Alternative dar. Ob Urlaubszeit, Grippewelle, Mutterschutz und Elternzeit oder betriebliche Umstrukturierungen: Bei personellen Engpässen kann die fehlende Arbeitskraft umgehend durch qualifiziertes und engagiertes Personal ersetzen werden.

Es gibt so viele Irrtümer über Zeitarbeit ...

In ihrem Kommentar „Zeitarbeit – resigniert und gehetzt“ kritisiert Silke Doppelfeld insbesondere einen unplanbaren Arbeitsrhythmus, immer wieder wechselnde Einrichtungen und eine damit einhergehende fehlende Bindung zur jeweiligen Einrichtung und deren Klienten. Wir als Personaldienstleister im Verbund der Ev. Stiftung Alsterdorf meinen: Viele der angeführten Punkte beruhen auf Irrtümern. Gute Personaldienstleister sind auf die angeführten „Herausforderungen“ eingestellt.

1. Argument: Kennenlern-Programm für Einrichtung und Zeitarbeiter

Wir bei CareFlex bieten unseren Kunden Einarbeitungen an: Hierbei können sich Arbeitskräfte und Einrichtung kennenlernen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt, und um die wichtigsten Abläufe in der Einrichtung durchzugehen. Das überlassene Personal steht damit schon am ersten Einsatztag voll zur Verfügung, möglicher administrativer Aufwand fällt weg.

2. Argument: Wir berücksichtigen Wunschdienste

Der oftmals beschriebene unplanbare Arbeitsrhythmus flexibler Arbeitskräfte unterscheidet sich zum einen wenig von den in den Einrichtungen vorherrschenden „flexiblen Dienstplänen“ – auf die sehr spontan durch Einspringen reagiert werden muss. Zum anderen bieten Personaldienstleister ihren Mitarbeitenden an, dass sie nur für bestimmte Dienste – je nach persönlicher Präferenz – angefragt werden. Einsätze werden so früh wie möglich geplant und mitgeteilt. Zudem berücksichtigen wir die Angaben im Wunschdienstplan für verbindliche freie Tage und mögliche Rufbereitschaftszeiten.

3. Argument: Ständig neue Zeitarbeiter? Das muss nicht sein

Als großes Problem wird auch die mangelnde Bindung zur Einrichtung und die damit angeblich einhergehende fehlende Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Patienten und Bewohner aufgeführt. Wir bei CareFlex sind darauf bedacht die Einsatzkontinuität so hoch wie möglich zu halten. Daher sind unsere Mitarbeitenden meist auf einige wenige Einsatzbetriebe „spezialisiert“; längere Einsätze bei ein und demselben Kunden sind keine Seltenheit. Oftmals entscheiden sich Fachkräfte ganz bewusst für einen Personaldienstleister, um sich mehr auf die Pflege und Betreuung konzentrieren zu können, statt die kostbare Zeit mit internen Administrationsprozessen zu verbringen.

4. Argument: Externe Kräfte äußern leichter Kritik

Eine mangelnde Bindung zur Einrichtung wird oft als Ursache dafür genannt, dass externe Kräfte Prozesse, Tendenzen und Entwicklungen in Häusern angeblich nicht ansprechen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass gerade Mitarbeitende, die nicht fest in einer Einrichtung tätig sind, oftmals offener Kritik äußern, da sie nicht mit Repressalien durch die Leitung oder das Team rechnen müssen.

Kliniken und Heime auch für negatives Feedback dankbar

Darüber hinaus zeichnet sich eine gute Kundenbeziehung auch dadurch aus, dass Personaldienstleistungsunternehmen Missstände offen gegenüber einer Einrichtung ansprechen können. Oftmals sind die Einrichtungen über dieses Feedback „von außen“ sehr dankbar, da sie hierdurch Dinge erfahren, welche sie aus den eigenen Reihen vielleicht sonst nicht erreicht hätten.

Illustration: Dorothee Hellinger

Kommentar

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