Gesund im Beruf

Handpflege - worauf es für Pflegekräfte ankommt

Kaum jemand braucht so dringend Handcreme wie Pflegekräfte. Gerade deshalb sollte es nicht irgendeine sein: Je treffsicherer die Wahl, desto besser der Schutz und die Pflege.

Inhaltsverzeichnis

Hautcremes für Pflegekräfte unterscheiden sich nach einem wesentlichen Merkmal: Sie haben entweder eine schützende Funktion, sind in ihrer Rezeptur also vorrangig darauf ausgerichtet, die Haut vor dem Kontakt mit schädlichen Stoffen zu bewahren, oder sie wirken als reine Pflegecremes, dienen also vorrangig der Regeneration der Haut nach strapaziösen Arbeiten.

Vor der Arbeit: Schutzcreme

Schutzcremes sind die Abwehrhelfer unter den Hautpflegeprodukten: Sie sind so komponiert, dass sie den Kontakt zwischen der Haut und schädlichen Substanzen unterbinden; Berufsdermatologen ordnen sie daher auch dem sogenannten „präparativen Hautschutz“ zu: Pflegekräfte sollten sie auftragen, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen oder wenn sie planen, für längere Zeit Handschuhe anzuziehen.

Schutzcreme: Fettschicht schützt vor Laugen

Die Wirkweise der Cremes basiert grundsätzlich auf einem einfachen, nämlich dem galenischen System: Wasser-in-Öl-(W/O)-Emulsionen bilden auf der Haut eine leichte Fettschicht und schützen so vor wasserlöslichen Stoffen wie etwa Laugen, Salzen oder Reinigungsmitteln – und natürlich vor dem Wasser selbst: Ständiger Kontakt mit Feuchtigkeit erhöht nachweislich das Risiko, an einem Handekzem zu erkranken. Entgegengesetzt wirken dagegen Handcremes auf O/W-Basis: Sie legen sich als fettabweisende Schicht auf die Hände, ölige Substanzen gelangen so nicht an die Haut.

Ganz so dogmatisch dürfe man das Wirkprinzip heute jedoch nicht mehr verstehen, sagt Professor Swen Malte John von der Universität Osnabrück. So hätten hautphysiologische Untersuchungen gezeigt, dass zum Beispiel eine O/W-Emulsion sehr wohl gegen das – wasserlösliche – Natriumlaurylsulfat schützen könne, so der Berufsdermatologe. Heute gehe man eher davon aus, dass die Wirkung eines Hautschutzprodukts aus dem Zusammenwirken zwischen Hornschicht und Produktinhaltsstoffen resultiere.

Vorher überlegen: Hautschutz wogegen?

Bei der Auswahl einer geeigneten Hautcreme prüfen Sie am besten zunächst: Welche Arbeitsschritte liegen an? Soll mit Wasser hantiert werden? Oder vielleicht ein Patient mit Salbe eingecremt werden? Kommen gleich für längere Zeit Handschuhe zum Einsatz, sodass die Hände vermutlich etwas schwitzen werden? Danach richtet sich die Wahl der passenden Creme. Auch der Hauttypus spielt laut John eine Rolle bei der Auswahl des passenden Produkts: „Menschen mit einer Hyperhidrosis, also mit sehr schwitzigen Händen, vertragen zum Beispiel fettende Schutzsalben schlecht“, warnt der Hautexperte.

Klinik und Heim in der Pflicht

Grundsätzlich sei hier vor allem der Arbeitgeber gefragt: Krankenhaus oder Heim sind nicht nur dafür verantwortlich, die Cremes zur Verfügung zu stellen, sie sollten auch die Hauttypen aller Pflegekräfte erfassen, sich mit diesen Daten an verschiedene Hautschutzhersteller wenden und um Vorschläge für geeignete Präparate bitten: „Viele Hautschutzhersteller bieten auch die Ausarbeitung von Hautschutzplänen an“, so John. Auch die Präventionsdienste der Unfallversicherungsträger, etwa die Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) bieten Beratungen an.

Neu: Auch Schutz vor UV-Strahlen

An den Schutzcremes wird immer weiter gefeilt: Neuere wasserlösliche Cremes für den beruflichen Hautschutz enthalten zum Beispiel Luteolin, ein natürliches Antioxidans, das entzündungshemmend wirkt und UV-Strahlung absorbiert. So sind die Hände gerade im Sommer – etwa bei Spaziergängen mit Heimbewohnern – vor Hautschäden durch Sonnenlicht geschützt.

Vorsicht vor Tensiden

Achten sollte man darauf, möglichst keine Cremes mit Tensiden, auch Emulgatoren genannt, zu verwenden. Nicht nur können einzelne davon laut Dermatologen Hautirritationen auslösen; sie reichern sich auch in der Epidermis an und führen so zu einem sogenannten „Auswascheffekt“. Die Folge: Die Haut verliert wichtige natürliche Lipide, trocknet langfristig aus.

Nach der Arbeit: Pflegecreme

Wo Schutzcremes Schaden verhindern sollen, helfen Pflegecremes der Haut, wieder zu regenerieren. Dermatologen sprechen daher auch von „reparativem Hautschutz“. Ihre Aufgabe: die Barriereschicht der Hornhaut zu erhalten oder wiederherzustellen. Dazu binden die Cremes Wasser in der Haut und führen ihr außerdem Fette oder Öle zu, die die äußere Schicht geschmeidig machen.

Nachts darf’s gern etwas fettiger sein

Dermatologe John schreibt ihnen einen hohen Effekt zu: „Leichte Schädigungen der Barrierefunktion können durch solche Cremes durchaus kompensiert werden.“ Er rät dazu, sie vor allem nach hautbelastenden Arbeiten und nach der Reinigung der Haut aufzutragen und sie auch in der Freizeit zu benutzen. Tagsüber empfehlen sich weniger fettende Präparate, nachts hingegen eher fetthaltigere Cremes.

BGW: pflanzliche Öle statt Mineralöl

Die BGW rät dazu, Cremes zu verwenden, deren Pflegekomponenten nicht auf Mineralöl, sondern auf pflanzlichen Ölen basieren, also etwa Oliven- oder Arganöl, da diese stärker den menschlichen Hautfetten ähneln; auch das Gel aus dem Blattinneren der Aloe-Vera-Pflanze hat einen regenerativen Effekt. Dermatologe John ist zudem von zugesetztem Harnstoff überzeugt, da er die „ausgezeichnete“ Fähigkeit habe, Wasser in der Haut zu binden.

Bitte kein Mikroplastik!

Grundsätzlich sollte auch hier auf allergenarme Produkte geachtet werden: Duftstoffe oder Konservierungsmittel können zu Reizungen führen. Verzichtet werden sollte ebenso auf Cremes mit Mikroplastik. „Nylon oder Polypropylen sind immer noch gängige Bestandteile von konventioneller Kosmetik“, sagt Dr. Sandra Schöttner von Greenpeace. Auch Handpflegecremes stehen auf der No-Liste der Umweltorganisation. Das Problem: „Plastik in Shampoo, Creme oder Make-up gelangt über unsere Waschbecken ins Abwasser – und in unsere Flüsse und Meere“, so die Meeresbiologin.

Bleibt die Frage: Sind Pflegecremes Wundermittel? Nein, sagt Swen Malte John. Eine allzu starke Schädigung an der Hornschicht, etwa durch chemische Irritanzien, könnten auch Pflegecremes nicht mehr rückgängig machen, so der Osnabrücker Professor. Deshalb gilt: Schützen und Pflegen sollten immer gemeinsam gehen. Idealerweise Hand in Hand.

Autorin: Romy König

In diesem Video der BGW erfahen Sie, wie man richtig cremt

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