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Pflegekammer Schleswig-Holstein

Hätte mehr Geld die Pflegeberufekammer retten können?  

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung ist desaströs: Nur rund 8 Prozent sind für die Kammer. Und das, obwohl ursprünglich die Mehrheit der Pflegekräfte in Schleswig-Holstein der  Gründung einer Pflegekammer zugestimmt hatten

Man zahlt nur Beiträge und bekommt nichts zurück – so das Fazit der tanzenden, Transparent schwingenden Kammergegner am Tag der Verkündung (25. März) des desaströsen Umfrageergebnisses vor dem Landtag in Kiel. Vermutlich kann die Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein die Argumente sogar nachvollziehen. Denn sie kritisiert die Landesregierung dafür, dass sie bei der parlamentarisch beschlossenen Einführung der Pflegeberufekammer einen Kardinalfehler gemacht habe – einen Fehler, der bei den Mitgliedern eben den oben genannten schlechten Eindruck hervorruft: die Pflegekammer, eine Einrichtung, die außer Mitgliederdatenverwaltung nichts zustande bekommt.

Anschubfinanzierung – to be or not to be …

Der zentrale Fehler sei gewesen, so Präsidentin Patricia Drube, der Kammer eine Anschubfinanzierung vorzuenthalten. Das hat dazu geführt, dass die Kammer schon im Aufbau Beiträge von ihren Mitgliedern erheben musste, obgleich sie für die Pflegkräfte noch gar keine Wirkung entfalten konnte. Nach Meinung von Experten sind circa fünf Jahre nötig, damit eine Institution wie eine Berufskammer effektiv arbeiten kann. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat immerhin einen Anfangskredit erhalten und einen Zuschuss für die ersten Wahlen, die Pflegekammer Niedersachsen hat keine Anschubfinanzierung bekommen. Erstere hat sich inzwischen gut etabliert, Letztere wird in Kürze voraussichtlich aufgelöst, nachdem auch sie bei einer Mitgliederbefragung im Sommer 2020 schlecht abgeschnitten hatte. In Nordrhein-Westfalen, wo sich die Pflegekammer gerade im Aufbau befindet, wird es eine Anschubfinanzierung von 5 Millionen Euro geben.

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Mehr Schulden –vielleicht wäre das die Lösung gewesen

Wenn es den Kammern grundsätzlich auch um politischen Einfluss, politischen Machtgewinn und Souveränität geht: Das alles entwickelt sich nur allmählich und ist für Kammermitglieder nicht immer spürbar. Zahlende Mitglieder erwarten konkrete Vorteile, möglichst schnell und nicht erst nach fünf Jahren. Es erstaunt deshalb nicht, dass Patricia Drube auf die Frage, was sie hätte anders machen können, bei der Präsentation der Ergebnisse sagte: Ja, sie hätten viel mehr Schulden machen müssen. Schulden, um den Mitgliedern trotz fehlender Anschubfinanzierung früh spürbare Vorteile präsentieren zu können.

[Lesen sie auch, weshalb Ärzte in Schleswig-Holstein die Pflegeberufekammer unterstützen in unserem Artikel Warum Ärzte im Norden pro Pflegekammer sind] 

Autorin: Kirsten Gaede

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Foto: <strong>Stephan Göhrmann/ÄKSH</strong>

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Foto: Canva

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