Foto: Oskar Palinko,
Kiel University of Applied Sciences Fachbereich Medien
Mit dem HanDiRob fällt die Händedesinfektion gründlicher aus. 

Händedesinfektion mit Spaßfaktor 

Wenn er so charmant fragt … Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat einen Desinfektionsroboter entwickelt, der lächelnd auf Pflegekräfte und Klinik-Besucher zugeht

„Hallo möchten Sie Ihre Hände desinfizieren?“ Mit dieser Frage wendet sich der rund 1,50 Meter große Roboter an Personen in seinem Umfeld und rollt auf sie zu. Die großen beweglichen Augen auf dem Display unterstreichen seine freundliche Ansprache. Nutzen die Angesprochenen die angebotene Desinfektion, bedankt sich der Roboter mit einem freundlichen Blinzeln: „Vielen Dank – auf Wiedersehen!“

HanDiRob heißt der Desinfektionsroboter, er soll dafür sorgen, dass mehr Menschen die Desinfektion ernst nehmen. Wie wichtig die korrekte Desinfektion vor allem in Krankenhäusern ist, belegen die aktuellen Zahlen. Jährlich infizieren sich bundesweit bis zu 600.000 Patientinnen und Patienten während eines Klinikaufenthalts, für geschätzte 15.000 Patientinnen und Patienten endet dies tödlich, heißt es im Krankenhausreport 2021 der Krankenkasse Barmer.

Der HanDiRob bewegt sich auf Besucher zu und hat Mimik

Der HanDiRob, die Abkürzung von „Hand Disinfection Robot“, einem deutsch-dänischen Entwicklungsprojekt der Universitäten Lübeck, Kiel und Odense, soll nun helfen, diese Zahlen zu senken. Und die so wichtige Desinfektion noch stärker in den Fokus rücken, etwa in den Eingangsbereichen der Kliniken.

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Bei der Entwicklung des Roboters, so erklärt Prof. Franziska Uhing von der Fachhochschule (FH) Kiel, habe das Team viel Aufmerksamkeit auf die Gestaltung des Displays verwendet: „Wir wissen, dass eine menschliche Anmutung wie Augen die Interaktion von Roboter und Menschen begünstigt. Deswegen sind auf dem Display Augen zu sehen, die sich nicht nur bewegen, sondern auch mimisch verändern können.“

Der Desinfektionsroboter bewegt sich selbst zu seiner Ladestation

Während die Projektgruppe der FH Kiel vor allem das Interface (Schnittstelle, „Koppelung", zwischen Soft- und Hardware) entwickelt hat und das Team an der Universität zu Lübeck den Desinfektionsroboter, haben sich die Kolleginnen und Kollegen der Universität in Odense um die Konstruktion der mobilen Einheit des HanDiRobs gekümmert. „Wir haben eine selbstfahrende Transportplattform entwickelt, die den Desinfektionsroboter durch den Raum bewegt. Sie bringt ihn nicht nur zu den Menschen, sondern auch zu einer Ladestation. Hier wird der Roboter mit Energie oder Desinfektionsmittel versorgt“, erklärt Professor Oskar Palinko von der dänischen Uni. Und: „Wir wollten einen möglichst kompakten Roboter bauen, der aber dennoch genügend Standfestigkeit hat, um nicht umzukippen.“

Wichtig war auch, das Zusammenspiel der beiden autonomen Einheiten im belebten Raum zu testen. Dieses funktioniert über optische Sensoren. Denn der HanDiRob muss Räume abbilden, sie im Blick haben etwa über Sensoren und Hindernisse wie Säulen erkennen.

Mit HanDiRob steigt die Bereitschaft zur Händedesinfektion

Getestet haben die Forscherinnen und Forscher den HanDiRob am dänischen Odense Universitätshospital und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck. Ergebnis: Besucher und Patienten desinfizieren sich ihre Hände eher, wenn sie aktiv durch den Roboter angesprochen werden. Die Drehbewegung der Maschine in Richtung der Person, das Halten von Augenkontakt und die mimischen Reaktionen wirken sich positiv aus.

Im Rumpf trägt HanDiRob eine Videoanleitung

In Lübeck analysierte das Projektteam außerdem mit Schwarzlicht, wie gründlich die Nutzer ihre Hände desinfizierten. Ergebnis: Mit HanDiRob effektiver als mit der herkömmlichen Darreichung des  Händedesinfektionsmittels. Untersucht wurde auch, ob der Einsatz von Videoanleitungen einen Mehrwert bietet. Die Videoanleitung im Roboterdisplay zeigt die rund 30 Sekunden dauernde Handdesinfektion Schritt für Schritt, erklärt Dr.-Ing. Robert Wendlandt von der Universität Lübeck: „Wir mussten feststellen, dass die Handdesinfektion immer als zeitraubend wahrgenommen wurde. Die Bereitschaft, der Anleitung zu folgen, war aber deutlich zu erkennen.“

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Bisher handelt es sich nur um einen Prototypen, nun müssen Unternehmen gefunden werden, die aus ihm ein Geschäftsmodell machen: den HandiRob weiterentwickeln und mit der Herstellung beginnen. An der dänischen Universität Odense hat sich schon ein Startup ausgegründet, das mit dem HandiRob in die Produktion gehen will. Auch die in Schleswig-Holstein beteiligten Universitäten suchen nach Partnern in der Wirtschaft. Autor: Hans-Georg Sausse

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