Handpflege

Hände weg von Wasser und Seife!

Pflegekräfte erkranken vermutlich 30 bis 50 Mal häufiger an irritativer Kontaktdermatitis (IKD) als Büroangestellte. Das liegt auch an falscher Händehygiene.

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Ja, denkt die Pflegekraft und betrachtet ihre Hände: Die Haut ist an einigen Stellen etwas gerötet und rau; und hier, genau zwischen den Fingern, in diesen kleinen Zwischenräumen, zeigen sich erste feine Risse, die vor wenigen Wochen noch nicht da waren. Aber sich gleich Sorgen machen?

Achten Sie auf Rötungen und Juckreiz

Sollte sie – wie ihr ein Onlinetest schließlich bestätigt: Schon kleinere Auffälligkeiten an der Haut, trockene Stellen etwa, Schuppungen oder Juckreiz, können ein Hinweis auf eine Hautempfindlichkeit sein, warnt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Die Unfallkasse, die derzeit acht Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen gegen Berufskrankheiten versichert, stellt auf ihrer Homepage einen Hauttest für den Selbstcheck bereit. Er soll Nutzern Hinweise darauf geben, wie sehr ihre Haut bereits strapaziert ist – und ob ein Hautarzt zu Rate gezogen werden sollte.

Ekzeme fast dreimal so häufig wie Rückenbeschwerden

Gerade Menschen in medizinischen oder sozialen Berufen, deren Hände viel mit Wasser und Chemikalien in Kontakt kommen, erleiden häufig Hauterkrankungen wie Ekzeme. Sie sollten erste Anzeichen (wie Rötung und Juckreiz) ernst nehmen, so die BGW. In ihrer jüngsten Statistik über Berufskrankheiten machten Schädigungen der Haut fast 60 Prozent der Verdachtsfälle aus; 7.149 entsprechende Meldungen gingen 2016 ein (zum Vergleich: Rückenbeschwerden wurden lediglich 2.672 Mal gemeldet).

Auch Staub trocknet Hände aus

Eine andere drastische Zahl stammt aus einem Register von beruflich bedingten Hauterkrankungen. Demnach haben Krankenhausmitarbeiter ein sechsfach erhöhtes Risiko, an einer irritativen Kontaktdermatitis (IKD) zu erkranken als Büroangestellte. „Die Dunkelziffer ist sicher deutlich hoher, sie beträgt vermutlich das 30 bis 50-fache“, heißt es im Buch „100 Fragen zur hygienischen Händedesinfektion“.

Die BGW rät deshalb besonders Pflegekräften, auf hautschonendes Arbeiten und den Schutz ihrer Hände zu achten – schließlich seien sie „das wichtigste Werkzeug“ in ihrem Beruf. Vor allem sollten sie die Haut möglichst von allem fernhalten, was ihr schaden könnte: von Wasser, von Chemikalien, Seife und Reiniger, Staub, aggressiven Stoffen oder Kontakt mit infektiösem Material. Was im Pflegealltag fast unmöglich scheint, lässt sich laut BGW durchaus umsetzen.

Tipp 1: Höchstens 10 Mal täglich Hände waschen

Beispiel Händewaschen: Man hat Patienten angefasst, mit Essen hantiert, vielleicht leicht staubige Bücher oder ältere, speckige Zeitschriften weggeräumt. Der Impuls nun: Hände waschen, weg mit dem gefühlten Schmutz – und das möglichst unter fließendem Wasser. Doch vom schnellen und mehrfachen Gang zum Waschbecken rät die BGW ab: „Häufiges Händewaschen lässt nur unnötig die Hornschicht der Haut aufquellen“, sagt Alexandra Morch-Röder. Die Folge, so die BGW-Hautexpertin: Hautfette und Feuchthaltefaktoren gingen verloren, die Haut trockne aus. Es drohen Erkrankungen wie sogenannte Abnutzungsekzeme. Das zumindest legt eine Studie aus Dänemark nahe: Hautärzte der Universitäten Kopenhagen und Roskilde hatten 2012 bei einer Studie unter rund 2200 Ärzten und Klinikpflegekräften herausgefunden, dass jeder sechste der Befragten an einem Handekzem litt. Interessant: 52 Prozent der Betroffenen wusch sich nach eigenen Angaben häufiger als zehn Mal täglich die Hände. Von den Befragten ohne Ekzeme taten dies nur 43 Prozent.

Tipp 2: Händewaschen durch Händedesinfektion ersetzen

Viel hautverträglicher als Händewaschen ist die Händedesinfektion. Händedesinfektionsmittel enthalten in der Regel Alkohol, trocknen aber die Hände nicht so sehr aus, weil sie rückfettende Substanzen enthalten. Diese ersetzen die Fette, die der Haut durch die Desinfektion entzogen werden. Ganz wichtig: Es dürfen gleich im Anschluss an die Desinfektion nicht die Hände gewaschen werden.

Tipp 3: Hände auch nach Toilettenbesuch desinfizieren (und nicht waschen)

Der Rat der BGW lautet deshalb: Die Hände lediglich bei Arbeitsbeginn mit Wasser und Seife waschen – und gegebenenfalls im Verlauf des Arbeitstages noch einmal, wenn die Hände wirklich sichtbar verschmutzt sind. Eine weitere Ausnahme gilt bei dem Kontakt mit Patienten, die an Clostridien erkrankt sind. Diese Keime könnten durch die hygienische Desinfektion nicht eliminiert werden, hier brauche es ebenfalls den Waschgang mit Wasser und Seife. Doch selbst nach dem Besuch der Toilette, so die vielleicht etwas überraschende Empfehlung der BGW, sei Händewaschen nur nach Stuhlgang notwendig. Im anderen Fall reiche zur Handreinigung auch ein Desinfektionsmittel. „Händedesinfektion ist ohnehin die wirksamere Hygienemaßnahme“, so die BGW, die ihren Versicherten auch einen Hautschutzplan anbietet.

Tipp 4: Ringe, Schmuck – Vorsicht, Feuchtigkeitsstau!

Doch auch bei der Desinfektion gibt es einiges zu beachten: So sollte beim Benetzen der Hände an Hygienemittel nicht gespart werden. Der Desinfektionsschutz greift nämlich erst dann, wenn die Flüssigkeit in ausreichender Menge über die – übrigens bitte stets trockene – Haut verteilt wird. Als Richtmenge gelte etwa eine „hohle Hand voll“, so Alexandra Morch-Röder. Generell wird die Desinfektion als hautschonender als Händewaschen angesehen. Auch dafür fanden die dänischen Dermatologen einen Beleg: In ihrer Studie gab etwa die Hälfte der befragten Ärzte und Pflegekräfte – darunter also sowohl jene mit als auch jene ohne Ekzem – an, täglich mehr als 20 Mal Desinfektionsmittel zu nutzen. Das Fazit der Forscher: Es existiert keine statistische Verbindung zwischen dem Gebrauch des Hygienemittels und der Häufigkeit von Hauterkrankungen. Gefahr ginge von den Flüssigkeiten lediglich dann aus, wenn Pflegende Schmuck an den Händen oder Unterarmen trügen. Darauf weist die BGW explizit hin. Nicht nur könne dadurch der Desinfektionserfolg beeinträchtigt werden, so die Genossenschaft: „Durch den Feuchtigkeitsstau unter dem Schmuck können auch Hauterkrankungen entstehen.“

Tipp 5: Creme, Creme, Creme

Auffällig war zudem, dass Handekzeme bei jenen dänischen Pflegekräften und Ärzten seltener auftraten, die während ihrer Arbeit regelmäßig Feuchtigkeitscremes benutzten. Für die BGW gehört das Eincremen der Hände ohnehin zur täglichen Handpflege dazu. „Besonders vor Arbeitsbeginn, vor dem längeren Tragen von Handschuhen oder wenn die Hände länger mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, ist das Auftragen eines Hautpflegeprodukts nötig“, so die Empfehlung der Unfallversicherung.

Und so mag es zeitaufwändig sein und müßig, seinen Arbeitsablauf hautverträglicher zu gestalten. Doch die BGW ist überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt. Denn wer sich wenigstens darum bemühe – also geeignete Handschuhe trage, Hautschutzcreme und Händedesinfektionsmittel konsequent und richtig benutze – , der behalte einen wertvollen Schatz: Er behält, so die BGW, „heile Hände“.

Autorin: Romy König

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