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Corona

Großer diakonischer Heimträger fordert Impfpflicht

„Die Gesundheit der Schwächsten sollte Maßstab unseres Handelns sein“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung (Baden-Württemberg) Bernhard Schneider

Wer sich für die Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen ausspricht, muss mit einer Welle der Ablehnung rechnen. Er macht sich nicht nur bei Impfgegnern in den sozialen Medien unbeliebt: Er muss auch mit Gegenwehr von jenen rechnen, die Corona-Impfungen als solche gutheißen und  Pflegekräfte immer wieder aufrufen, sich impfen zu lassen – von Verdi, den Berufsverbänden und Pflegekammern. Bernhard Schneider hat es trotzdem getan. Bisher gibt es nur wenige, die sich ebenso geäußert haben, darunter in jedem Fall ein weiterer Pflegeheim-Chef aus Baden-Württemberg, nämlich Thilo Naujok, Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime Esslingen.      

Doch was hat Bernhard Schneider zu seinem kontroversen Vorstoß bewegt? Da ist zunächst die aktuelle Lage, die dem Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung, einer der größten diakonischen Träger in Baden-Württemberg (9.300 Mitarbeiter), zu denken gibt: die gestiegene Ansteckungsgefahr durch die jetzt vorherrschende Delta-Variante und die vielen Reiserückkehrer.

Tests können Ausbruch nicht immer verhindern

Den Ausschlag aber für die Forderung einer Impfpflicht aber hat die eigene Betroffenheit gegeben: Im Tübinger Luise-Wetzel-Stift des Trägers haben sich 15 geimpfte Bewohner infiziert, von denen drei im Krankenhaus behandelt werden müssen. Vermutlich, so Bernhard Schneider, hat eine nicht geimpfte Pflegekraft aus dem Urlaub das Virus ins Heim gebracht. Sie hatte sich zwar testen lassen. Aber Tests – selbst PCR-Tests – seien nicht immer zuverlässig, viel hänge vom Zeitpunkt des Tests ab und bei Schnelltests auch von der Sensitivität und Spezifität.  

Impfquote von nur 70 Prozent in der Heimstiftung 

„Wir organisieren seit bald einem Jahr Aufklärungskampagnen, ermöglichen persönliche Beratungen durch Betriebsärzte, sagen Überstunden für den Impftermin zu und laden immer wieder mobile Impfteams ein – aber unsere Impfquote stagniert jetzt im Durchschnitt über alle unsere Einrichtungen bei maximal 70 Prozent – das ist mir zu wenig“, sagt Bernhard Schneider gegenüber pflegen-online. „Wir bekommen die Impfquote einfach nicht weiter nach oben. Ohne Impfpflicht werden wir weitere Ausbrüche in Kauf nehmen müssen.“

„Wenn Ausbrüche sich mehren, wird die Impfpflicht kommen“

Vor der Bundestagswahl Ende September, da ist sich Schneider sicher, werden Politikerinnen und Politiker nicht über die Impfpflicht diskutieren. „Doch in der Branche nimmt die Diskussion an Fahrt auf, und wenn Infektionszahlen steigen und Ausbrüche in Heime sich mehren, wird die Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen kommen. Ich sehe auch gar nicht das Problem, wenn ich mit Impfung doch eine weltweite Pandemie besiegen kann. Für mich steht auch fest: Die Gesundheit der Schwächsten sollte Maßstab unseres Handelns sein.“

Wenn Mitarbeiter mit Kündigung drohen … 

Dass die Impfpflicht den Pflegenotstand forciert, befürchtet Bernhard Schneider nicht. „Klar, wir haben auch schon so seltsame Drohungen gehört wie ‚Dann kündige ich eben!‘ Aber was Leute ankündigen und am Ende wirklich machen … Es wird ja oft nicht so heiß gegessen wie gekocht. Es gibt sicherlich nicht wenige, die sich am Ende sagen: ‚Dann muss ich mich halt impfen lassen‘.“

Autorin: Kirsten Gaede

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