Fachkräftemangel

Great-Place-to-work-Siegel – Was hat man denn davon?

Der Preis ist nicht aussagekräftig, da man zahlt, gibt es immer eine gute Beurteilung ... Vorurteile wie dieses hegt mancher gegenüber dem Arbeitgeber-Wettbewerb. Stimmen sie? Wir sprachen mit Kundenberaterin Petra Tönnesen.

Inhaltsverzeichnis

pflegen-online: Wer an Ihrem Wettbewerb teilnimmt, muss dafür Geld bezahlen. Wollen Firmen sich damit vor allem ein besseres Image einkaufen?

Petra Tönnesen: Es liegt nahe, so zu denken. Wir sehen das Ganze aber praktisch andersherum. Die Unternehmen erhalten durch uns eine Analyse der Arbeitsplatzkultur durch ausgebildete Sozialwissenschaftler. Wenn die Betriebe anhand dieser Analyse eine Auszeichnung bekommen, dann haben sie sie auch wirklich verdient.

Man kann sicher einfacher und schneller ein billiges Arbeitgebersiegel bekommen als bei uns. Unsere Bewertung beruht auf dem Feedback der Mitarbeiter, die wir nach wissenschaftlichen Standards befragen. Hier muss für eine Auszeichnung ein sehr gutes Niveau erreicht werden. Außerdem fließt eine Auswertung der vorhandenen Personalkonzepte und -maßnahmen mit in die Bewertung ein.

Werden denn auch alle Mitarbeiter eines Unternehmens verpflichtet teilzunehmen?

Nein, die Befragung geschieht auf freiwilliger Basis. Allerdings benötigen wie eine Mindestbeteiligung, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Könnte es dann nicht sein, dass eher unzufriedene Mitarbeiter nicht teilnehmen und so das Ergebnis verfälschen?

Es gibt eine kleine Tendenz, die man aber nicht verallgemeinern kann. Bei Betrieben bis 250 Mitarbeitern ist eine sogenannte Vollbefragung Pflicht, das heißt: alle Mitarbeiter werden eingeladen teilzunehmen. Wir geben den Unternehmen aber Materialien an die Hand, die ihnen zeigen, wie sie gut und unbeeinflusst ihre Kommunikation an die Mitarbeiter gestalten können. Aus dem Informationsschreiben, das dem Fragebogen beigelegt wird, muss klar hervorgehen, dass die Teilnahme freiwillig ist.

Wieviel Zeit haben die Mitarbeiter zur Beantwortung der Fragebögen?

Zwei Wochen. Nach der Hälfte der Zeit empfehlen wir den Betrieben, noch einmal an die Teilnahme zu erinnern, damit wirklich eine aussagekräftige Datenbasis vorliegt. Wenn zu wenige Mitarbeiter teilnehmen, ist das Ergebnis nicht aussagekräftig und wir können das Unternehmen nicht berücksichtigen für unseren Wettbewerb. Die interne Kommunikation im Betrieb ist also das A und O.

Bei aller Freiwilligkeit, die Sie betonen – gibt es nicht auch aus Sicht des Arbeitgebers auch Manipulationsmöglichkeiten? Er könnte etwa Belohnungen ausloben für eine erfolgreiche Teilnahme, sprich: für positive Rückmeldungen der Mitarbeiter.

Die Unternehmen können zwar jeden eingeladenen Mitarbeiter mit einem kleinen Geschenk motivieren, aber unabhängig davon, ob er den Fragebogen beantwortet oder nicht. Eine Belohnung für die Fragebogenabgabe ist laut unseren Wettbewerbsregeln – denen auch explizit zugestimmt werden muss – nicht erlaubt.

Aber ausschließen können Sie das auch nicht, oder?

Uns geht es ja in erster Linie um eine Vertrauenskultur. Dieses Vertrauen haben wir natürlich zuallererst auch gegenüber unseren Teilnehmern. Sie unterzeichnen uns aber auch eine Erklärung, in der sie versichern, sich an die Wettbewerbsregeln zu halten. Meldet ein Mitarbeiter einen Verstoß, gehen wir dem nach. Bestätigt er sich, wird das Unternehmen nicht ausgezeichnet und kann für bis zu fünf Jahre vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Diese Regeln sind uns wichtig, denn wir arbeiten nach den Qualitätsstandards des Marktforschungsverbandes ADM und möchten auch unseren Ruf wahren.

Kommen wir zu den Kosten. Wieviel müssen die Teilnehmer des Wettbewerbs bezahlen?

Im Gesundheitswesen ist eine Teilnahme möglich ab zehn Mitarbeitern. Ein solches Kleinunternehmen, etwa eine Arztpraxis, zahlt ab 1500 Euro. Wir haben dafür eine modulare Regelung, um individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer einzugehen. Ein Unternehmen mit beispielsweise 100 Mitarbeitern kann ab 7550 Euro am Wettbewerb teilnehmen, hier sind die Mitarbeiterbefragung sowie das „Kultur Audit“ – eine Aufarbeitung, was alles in puncto Personalarbeit gemacht wird -, inkludiert. Beides zusammen bildet die Basis für unsere Wettbewerbsbewertung. Unsere Leistungen sind modular aufgebaut, um individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können. Für etwa einen großen Träger mit mehreren tausend Mitarbeitern, vielen verschiedenen Standorten und umfangreicher Berichterstattung oder auch bei internationalen Konzernen kann es auch bin in einen höheren fünfstelligen Bereich gehen.

Das ist aber schon viel Geld für manche Betriebe!

Wir wissen natürlich, dass gerade im Gesundheitssektor das Geld knapp ist. Wir haben aber erfahren, dass Betriebe, die Wert auf gute Mitarbeiterführung legen, dies als sinnvolle Investition betrachten und es auch schaffen, das Budget dafür frei zu machen. Wir bekommen von unseren Kunden immer wieder die Bestätigung, dass es sich langfristig für sie auch wirtschaftlich gelohnt hat.

Ist es wirklich so, dass man den Mitarbeitern damit etwas Gutes tut oder sich selbst doch nur das Siegel auf die Website heften will?

Gerade im Gesundheitswesen ist es ganz überwiegend das Interesse an der Weiterentwicklung der Arbeitsplatzkultur. Es ist der Wille, ein attraktiverer Arbeitgeber werden zu wollen. Man möchte eine belastbare Datenbasis und sich weiter optimieren, um natürlich auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Warum lohnt es sich für Kliniken und Pflegeheime mitzumachen?

Man lernt zum Beispiel zu erkennen, warum sich die Mitarbeiter überhaupt bei einem bewerben! Viele langjährige Mitarbeiter schätzen etwa eine familiäre Kultur, Wertschätzung und Anerkennung. Die Fluktuation lag im vorigen Jahr bei den ausgezeichneten Arbeitgebern im Gesundheits- und Sozialwesen bei nur sechs Prozent, im Durchschnitt lag sie in Deutschland bei 14 Prozent. Eine gute Führung zeigt sich immer auch in der Gesundheit der Mitarbeiter. Bei den ausgezeichneten Betrieben fehlten die Mitarbeiter im Schnitt 13 Tage pro Jahr, während sie deutschlandweit an 19 Tagen krankheitsbedingt fehlten.

Wie hoch ist der Prozentsatz an Kliniken, der bei Ihrem Wettbewerb mitmacht?

In den letzten fünf Jahren haben sich gut 200 Kliniken beteiligt, also insgesamt 10 Prozent aller Krankenhäuser. Seit Beginn unseres Wettbewerbs 2005 waren es sogar rund 500 Kliniken!

Gibt es auch Einrichtungen, die mehrmals mitmachen?

Definitiv. Viele nutzen den Wettbewerb ja auch zur betrieblichen Weiterentwicklung. Da ist es wichtig, nach ein paar Jahren noch mal hinzugucken, ob man die richtigen Maßnahmen ergriffen hat.

Wie lange darf man als Betrieb mit der Auszeichnung werben?

Der Wettbewerb ist ja jeweils mit einer Jahreszahl verbunden. Da macht es wenig Sinn, mit einer uralten Auszeichnung zu werben. Es könnte beispielsweise einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben haben mit weitreichenden Veränderungen. Wir empfehlen, spätestens alle drei Jahre den Wettbewerb zu wiederholen.

Interview: Birgitta vom Lehn

Deutscher Pflegepreis

Karl-Josef Laumann – ein Glücksfall für die Pflege

Der NRW-Sozialminister (Mitte) hat den Deutschen Pflegepreis erhalten. Es ist die höchste nationale Auszeichnung in der Pflege. Außerdem gibt es Preise in den Kategorien „Botschafter“, „Nachwuchs“, „Praxis“, „Innovation“, „Freund der Pflege“.

Pflege und Praxis

BGW Nachwuchspreis zu gesundem Arbeiten

Auszubildende in der Pflege können sich ab sofort unter www.deutscher-pflegepreis.de um den BGW Nachwuchspreis 2018 bewerben. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege stiftet diesen Preis im Rahmen des Deutschen Pflegepreises.

Arbeitsmarkt Pflege

Immer mehr Pflegeheime von Zeitarbeit abhängig

In der Altenpflege steigt die Zahl der Leiharbeiter rasant. 2016 ist sie um 9 Prozent auf über 12.000 gewachsen. Für die Pflegeheime ist das doppelt kritisch.

Altenpflege

Warum ein Flächentarifvertrag für viele gut wäre

ver.di und immer mehr freigemeinnütziger Träger wie die AWO wollen ihn, für viele Pflegekräfte hätte er Vorteile: ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Doch die Privaten blockieren.

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.