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Corona-Pandemie

Gesund bleiben in der Pandemie: 8 Tipps für Pflegekräfte

Als Organisationsentwickler und Coach berät Gottfried Müller Kliniken und Pflegeheime, als Krankenpfleger hilft er gerade in einer Notaufnahme aus. Was er Pflegekräften rät, um den Dauer-Stress besser in den Griff zu bekommen

Gottfried Müller ist Diplom-Psychologe und arbeitet auf dem Gebiet des Arbeitszeitmanagements und der Optimierung der Betriebsorganisation. Er berät seit über 20 Jahren vor allem Kliniken und Pflegeheime, trainiert Führungskräfte und begleitet die Teamentwicklung. Besonders am Herzen liegt ihm die Situation der Pflegekräfte und des medizinischen Personals – in seinem ersten Beruf arbeitete er als Krankenpfleger auf verschiedenen Intensivstationen.

Und das macht er nach vielen Jahren auch heute wieder. Während der Pandemie legt der Partner der Müller & Mooseder Unternehmensberatung als Krankenpfleger regelmäßig auch Schichten in Kliniken ein, um in diesen Corona-Zeiten die Pflegekräfte zu unterstützen. Für  seine Beratungstätigkeit, insbesondere in der Personalplanung, ist diese unmittelbare Erfahrung von großem Wert.

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Die Crux: Man braucht jetzt auch für alles mehr Zeit

Eine, der vielen neuen Erfahrungen, die er gerade sammelt: Besonders das Einhalten der hygienischen Vorgaben ist für die Pflegekräfte sehr belastend. Gottfried Müller: „Wenn man im Pandemie-Aufnahmebereich eines Krankenhauses arbeitet, erfährt man, dass es nicht nur besonders anstrengend ist, in PSA zu arbeiten, sondern dass auch der Zeitaufwand für eine wirklich saubere Isolierung enorm ist. Wenn diese Zeit nicht da ist, dann geht das unmittelbar auf Kosten der Hygiene und des Selbstschutzes.“

Als Coach und Berater hat er sich natürlich Gedanken gemacht, wie Pflegekräfte sich in solchen Situationen besser schützen und was sie unternehmen können, um auch psychisch stabil zu bleiben. Seine Tipps:

  • PSA nervt. „Gleichzeitig kann ich mir immer bewusst machen, dass Kittel, Haube und Maske mich und andere schützen. Je mehr ich mir dessen bewusst bin, desto besser ist es auszuhalten,“ so der Coach.
  • Immer FFP2-Masken tragen. Keine chirurgischen Masken benutzen, denn die sind in der Pflege wo man den Patienten sehr nahe kommt, nicht ausreichend. Die Maske muss in erster Linie dicht sitzen.
  • Beim Anlegen und Abnehmen aufmerksam mit Maske und Schutzkleidung umgehen. Müller: „Da braucht man volle Präsenz. Beim Abnehmen und Wiederaufsetzen von Masken sollte man darauf achten, sich nicht mit der Außenseite zu kontaminieren.“ Das gelte auch für kleine Unterbrechungen, zum Beispiel um etwas zu trinken oder bei Rauchpausen. Wenn man da nicht aufpasst, hat man sich schnell kontaminiert. Das Virus sitzt an der Masken-Außenseite, auch an Stellen, die nicht durch Schutzkleidung bedeckt waren – weshalb Kopfhauben und Visiere durchaus sinnvoll sind. Gottfried Müller: „Ich achte sehr genau darauf, dass ich mir vor und nach dem Absetzen der Maske die Hände desinfiziere und die Außenseite so halte, dass ich mich nicht damit berühre. Meine Trinkflasche hat einen zusätzlichen Deckel und steht nie im Infektionsbereich.
  • Auch wer nicht raucht: Regelmäßig Pausen machen ist wichtig – möglichst auch kürzere Pausen zwischendurch. Dafür ist es hilfreich, wenn sich das Team gegenseitig gut unterstützt, sonst lässt sich das nicht realisieren. „Wenn man gerade sehr gestresst ist, kann man in kurzen Pausen auch progressive Muskelentspannung machen. Das entspannt noch besser als Rauchen.“
  • Auch während der Pausen ist es aber notwendig, gegenseitige Ansteckung zu vermeiden: „Da wir als Pflegende alle Kontaktpersonen ersten Grades sind, sollten wir besonders auf physischen Abstand zu den Kolleginnen achten. Das ist aber gar nicht so leicht, denn es wirkt auch nach einem Jahr Pandemie immer noch uncool beziehungsweise sozial unangemessen, diesen Abstand gegenüber vertrauten Personen einzuhalten. Vielleicht ist es hilfreich, das auch im Team wieder mal anzusprechen. Im Prinzip ist allen klar, dass Gespräche beim gemeinsamen Essen ohne Maske jetzt leider nicht drin sind – aber das auch durchzuhalten, ist eine andere Sache.“ Am besten wäre es, die „soziale Pause“, also den lockeren Austausch untereinander, ins Freie zu verlegen, auch wenn dieser Rat bei Temperaturen um 10 Grad nur bedingt hilfreich ist.
  • Dieser soziale Austausch mit den KollegInnen ist jetzt besonders wichtig, wo andere Kontakte stark eingeschränkt sind. Damit die kollegialen Kontakte auch als nährend erlebt werden, sollte man nicht nur über den Stress und die schwierige Situation reden, sondern auch über andere Themen und Dinge, die einem Kraft und Wohlbefinden geben: „So weit wie möglich, sollten wir natürlich auch außerhalb des Kolleginnen- und Kollegenkreises soziale Kontakte pflegen, auch wenn das oft nur über Videocalls möglich ist. Familie und Freunde sind auch jetzt ein ganz wichtiger Rückhalt.“
  • Gerade in der Corona-Situation gilt: Verbundenheit stärkt das Team. Das ist sehr wichtig, um ein Klima gegenseitiger Unterstützung und Anerkennung aufzubauen und zu stärken. Wertschätzende Kommunikation ermöglicht ein solches Klima: So ist es besser, freundlich und klar zu sagen, was ich brauche, anstatt anderen einen Vorwurf zu machen. Das hört sich simpel und selbstverständlich an, ist aber in der Praxis gar nicht so leicht, vor allem dann nicht, wenn man sich über etwas ärgert oder wie jetzt im Corona-Stress arbeitet. Beispiel: „Kannst Du bitte noch die Spritzentabletts auffüllen?“ statt: „Warum sind denn die Spritzentabletts wieder nicht aufgefüllt?“. Auch in der Kommunikation zwischen den Berufsgruppen ist die Haltung entscheidend. „Warum ist denn der Brief immer noch nicht fertig?“ klingt anders als „Wir brauchen jetzt dringend ein freies Zimmer. Können Sie bitte den Brief für Herrn Huber fertig machen, damit wir ihn verlegen können?“  Müller: „Außerdem kann ich anderen immer wieder danke sagen, für das, was sie gerade für mich und das Team tun. Wenn es mir gelingt, mich auch in schwierigen, stressreichen Situationen respektvoll gegenüber den KollegInnen und den PatientInnen verhalten, habe ich viel für ein gutes Teamklima getan“.
  • Menschen haben die Tendenz, vor allem das Problematische zu sehen. Das verzerrt die Wirklichkeit. Achtsamkeit hingegen bedeutet: Wahrnehmen, was gerade ist, ohne zu beurteilen. Wenn ich das tue, sehe ich nicht nur Probleme. Aber wie kommt man zu einer achtsamen Haltung? Gottfried Müller rät: „Manchmal gehe ich nach dem Dienst noch in die Krankenhaus-Kapelle und setze mich für eine Viertelstunde still hin. Zuerst sind noch viele Gedanken da, an die Ereignisse im Dienst, aber dann fange ich an, meinen Körper zu spüren und bin einfach da. Das kann man natürlich auch zu Hause machen. Handy aus, Netflix abschalten und mal nur den Atem spüren.“ Wem das zu viel ist, der kann zum Beispiel spazieren gehen und sich so für die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umgebung öffnen, auch hilft bewusstes Gehen bei der Entwicklung von Achtsamkeit. Es geht um eine Haltung des „Gegenwärtigseins. Das ist nicht unbedingt etwas esoterisches, sondern zuerst einmal ein Weg zurück in die Realität, die sehr viel mehr ist, als unsere oft um Probleme kreisenden Gedanken.

Autor: Hans-Georg Sausse

    

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