Gesundheits- und Krankenpflege

Generalistik kommt 2020

Nach gut fünf Jahren Diskussion hat der Bundestag das Pflegeberufegesetz verabschiedet. Dieses regelt unter anderem die generalistische Pflegeausbildung. Deutscher Pflegerat, DBfK und die rheinland-pfälzische Pflegekammer reagieren verhalten.

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Ab 2020 sollen alle Auszubildenden der Kranken- Kinderkranken- und Altenpflege zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistische Ausbildung erhalten, mit der Möglichkeit einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung zu wählen. Wer die generalistische Ausbildung im dritten Jahr fortsetzt, erwirbt den Abschluss zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Auszubildende, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können für das dritte Ausbildungsjahr statt des generalistischen Berufsabschlusses einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege erwerben. Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben. Die Pflegehelferausbildung kann auf die Ausbildung zur Pflegefachkraft angerechnet werden. Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wird es das Pflegestudium geben.

"Generalistik kommt scheibchenweise"

Man hätte sich „wesentlich mutigere Schritte gewünscht“, heißt es beim Deutschen Pflegerat (DPR). „Die generalistische Pflegeausbildung kommt scheibchenweise.“ Auch mangele es an Klarheit, da der Deutsche Bundestag sich in der neuen Legislaturperiode mit den Ausbildungsinhalten beschäftigen soll. „Wir brauchen hier schnell Sicherheit. Die weitere Verunsicherung von Schulen, Trägern sowie potenziellen Schülerinnen und Schülern, die eine Ausbildung anstreben, muss dringend beendet werden.“ DPR, Experten aus Bildung und Wissenschaft und andere Beteiligte müssten bereit Anfang 2018 die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, die Curricula und die Rahmenlehrpläne erarbeiten. Darüber hinaus seien die Inhalte Sache der Berufsexperten und nicht die des Parlaments.

"Altenpflege wird schlechter gestellt"

Als „verpasste Chance“ bezeichnet der Präsident der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer Markus Mai die Kompromisslösung des Parlaments. „Die generalistische Pflegeausbildung, die die bisherige Ausbildung in der Krankenpflege ablöst, bereitet die künftigen Pflegenden auf einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vor und erleichtert einen Wechsel zwischen den Pflegebereichen. Diese Chance zur Attraktivitätssteigerung hätten wir uns für alle Auszubildenden in der Pflege gewünscht.“

Größter Wermutstropfen der Reform bleibe die Schlechterstellung der Altenpflege wie der Kinderkrankenpflege. „Die künftigen Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bereichen muss man leider als Verlierer des Kompromisses betrachten. Gerade für diese Bereiche sind die Koalitionsfraktionen zu weit hinter dem Möglichen geblieben“, sagt Mai.

"Eigeninteressen einer militanten Minderheit"

Insbesondere die Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU- Fraktion, die teilweise unter maßgeblichem Einfluss der (privaten) Arbeitgeberverbände das Gesetzesverfahren blockiert und erschwert hätten, trügen hierfür die Verantwortung, heißt es bei der Pflegekammer. Ähnlich beurteilt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die Parlamentsentscheidung: In letzter Minute sei ein Kompromiss gefunden worden, der den Eigeninteressen einer kleinen, aber militanten Minderheit Rechnung trage. Traurig sei, dass es trotz der überwältigenden Mehrheit der Regierungsfraktionen im Bundestag soweit habe kommen müssen. „Wir werden sorgfältig prüfen - dies gilt insbesondere für die Bildungsstandards der beruflichen Ausbildung - wo das jetzt verabschiedete Gesetz nicht praxistauglich ist, und in der nächsten Legislaturperiode entsprechende Nachbesserungen einfordern“, kündigte Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) an.

Positiv bewerten Pflegekammer und DBfK, dass die hochschulische Ausbildung als weiterer Zugang zum Pflegeberuf und Vorbehaltsaufgaben vorgesehen seien. Mai: „Damit steigern wir die Attraktivität des gesamten Berufsbildes.“

Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen. Es soll dann stufenweise in Kraft treten, einige Regelungen bereits am Tag nach der Verkündung. Damit wird die Grundlage geschaffen, um rechtzeitig vor Beginn der neuen Ausbildung die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vorlegen zu können.

Quelle: BMG/DPR/DBfK/Pflegekammer Rheinland-Pfalz/kig