Das Gendern hat Vorteile, aber auch Nachteile. Kein Arbeitgeber kommt umhin eine Entscheidung zu treffen, die dann mancher Pflegekraft  gefällt und einer anderen missfällt.     
Foto: Maren Schlenker
Das Gendern hat Vorteile, aber auch Nachteile. Kein Arbeitgeber kommt umhin eine Entscheidung zu treffen, die dann mancher Pflegekraft  gefällt und einer anderen missfällt.     

Beruf und Karriere

Gendern in Stellenanzeigen nervt viele Jobsuchende

Knapp die Hälfte der potenziellen Bewerber wünscht sich, dass Arbeitgeber in Stellenanzeigen auf Sternchen und andere geschlechtsneutrale Ansprachen verzichten. Dies zeigt eine Umfrage mit über 1.000 Teilnehmern

Wie drückt man es am besten aus, wenn man alle Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger oder alle Bewerberinnen und Bewerber meint und ansprechen möchte? Diverse Formulierungen kursieren inzwischen:

  1. Krankenpfleger*innen und Bewerber*innen
  2. Krankenpfleger:innen und Bewerber:innen
  3. KrankenpflegerInnen und BewerberInnen
  4. Krankenpflegende und Bewerbende
  5. Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger und Bewerberinnen und Bewerber
  6. Krankenpfleger und Bewerber

Nummer 6, auch als generisches Maskulinum bezeichnet, ist die herkömmliche, nicht-gegenderte und damit konservativste Variante. Und dennoch ist sie die Variante, die in der Umfrage des Marktforschungsinstitut Bilendi (im Auftrag der Personalmarketing-Agentur Königsteiner Gruppe) unter 1.026 Bewerbern am besten ankommt:

  • 45 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Arbeitgeber in ihren Ausschreibungen auf eine geschlechterneutrale Ansprache verzichten.
  • 29 Prozent ist es egal, ob die Stellenanzeige geschlechtsneutral formuliert ist.
  • Nur ein Viertel der Befragten wünscht sich, dass in Ausschreibungen gegendert wird. Das sind 13 Prozent weniger als 2021, als sich in der Königsteiner-Umfrage noch 38 Prozent dafür aussprachen.

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Besonders frappierend: Von den Befragten, die das Gendern ablehnen, erwägt knapp die Hälfte 44 Prozent), sich nicht auf eine Stelle zu bewerben, wenn diese in gegenderter Form ausgeschrieben ist.  

Was die Kritiker des Genderns stört:

  • 74 Prozent sind von der allgemeinen Diskussion genervt
  • 57 Prozent stört der fehlende Lesefluss
  • 49 Prozent empfinden das Sprachbild, das sich aus dem Gendern ergibt, als ungelenk.

Was aus Sicht der Befürworter für das Gendern spricht:

  • 61 Prozent von ihnen meinen, dass der Arbeitgeber mehr für Diversität und Vielfalt steht als andere Arbeitgeber
  • 60 Prozent finden das Gendern schlicht zeitgemäß
  • 53 Prozent meinen, dass sich durch das Gendern niemand ausgeschlossen fühlt.

Gerade unter den Jüngeren sprechen sich mehr für das Gendern aus als die durchschnittlichen 25 Prozent: Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es 34 Prozent.

Die Königsteiner-Gruppe selbst spricht von „Bewerbenden“  

Was sollen die Arbeitgeber tun? Weiterhin gendern und hinnehmen, dass sich einige potenzielle Bewerber abwenden? Oder nicht gendern und riskieren als altbacken empfunden zu werden? Dass sich viele Unternehmen schwer tun mit der Entscheidung zeigt sich selbst an der Initiatorin der Umfrage, der Königsteiner Gruppe. So positioniert sich Geschäftsführer Nils Wagener auf der einen Seite ganz eindeutig: „Diversität und Vielfalt sind zweifellos sehr wichtige Werte – gerade und vor allem für Arbeitgeber. Die Diskussion darüber, ob sich das auch im geschriebenen Wort von Arbeitgebern – etwa in deren Stellenanzeigen – ausdrücken soll, zielt aber am Sinn und Zweck der Mitarbeitersuche vorbei.“ Auf der anderen Seite irritiert die Agentur in ihrer Pressemitteilung zur Umfrage selbst mit dem Begriff „Bewerbende“.

Von den 1.026 Befragten waren 51 Prozent weiblich, 49 Prozent männlich. Sie alle waren fest angestellt und hatten sich innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate mindestens einmal auf eine neue Stelle beworben

Autorin: kig

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