Foto: Marienhaus Holding GmbH

Pflegekammer

Gelöbnis - das gibt's jetzt auch für Pflegekräfte

In Neuwied haben erstmals Absolventen bei der Examensübergabe ein öffentliches Versprechen abgelegt. Möglich macht dies die Berufsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Jeder zweite Arzt in Deutschland macht es, die angehenden Registered Nurses in den USA machen es: Sie legen gemeinsam öffentlich ein Gelöbnis oder eine Deklaration ab – ein Versprechen, dass sie in ihrem Berufsleben stets den ethischen Wertekanon ihrer Profession achten werden.

Die Berufsordnung beginnt mit der Deklaration

Für examinierte Pflegekräfte in Deutschland gibt es ein solches feierliches Versprechen erst seit 2020: Im Januar hat die Landespflegekammer ihre Berufsordnung herausgebracht und und in dieser die Deklaration ganz an den Anfang gestellt. Es ist die erste Berufsordnung (BO) für Pflegefachkräfte in Deutschland, die rechtlich verankert ist. In der BO geht es um die Rechte und Pflichten der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegekräfte, ganz am Beginn der BO steht das öffentliche Versprechen (Text siehe weiter unten).

Acht Auszubildende des Rheinischen Bildungszentrums (RBZ) in Neuwied haben die Deklaration jetzt erstmals abgelegt – und zwar bei der Zeugnisübergabe zum Abschluss ihrer dreijährigen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, wie der Träger des Zentrums, die Marienhaus Holding GmbH, berichtet.

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Gerade die Jungen begrüßen die Deklaration

„Wir haben das spontan gemacht. Die Deklaration ist eine tolle Idee, denn sie führt vor Augen und bringt auf den Punkt, dass wir einen sehr verantwortungsvollen Beruf haben.“ So werden die beiden Absolventinnen Lea-Sophie Schneider (Foto oben: 2.v.l. vorn) und Elena Wolf (1.v.l. vorn) in der Pressemitteilung der Marienhaus Holding zitiert. Ist doch nur PR, mag mancher einwenden. Unwahrscheinlich, denn schon auf dem Pflegetag 2018 in Mainz hat sich gezeigt, dass gerade die Jungen die Deklaration fast euphorisch begrüßen. So sagte Aida Behranin vom Katholischen Klinikum Mainz in einer Diskussion über die Berufsordnung: „Das Gelöbnis scheint mir ein großer Schritt hin Würde zur Professionalisierung. Es verleiht mir eine gewisse Standhaftigkeit. Es ist für mich ein Zeichen, dass sich wirklich etwas zu ändern beginnt.“ Die Älteren hingegen äußerten sich interessanterweise eher skeptisch.

Dass gleich acht Auszubildende dieses feierliche Versprechen abgelegt haben, mag damit zusammenhängen, dass im Unterricht das berufliche Selbstverständnis großen Raum eingenommen hat, heißt es in der Mitteilung. Elena Wolf plant sogar, sich den Text immer vor Dienstbeginn in Erinnerung zu rufen. „Das wird mir helfen, dass ich mit der Zeit nicht in Alltagsroutine verfalle“.

Der Text des feierlichen Versprechens in voller Länge

Deklaration der rheinland-pfälzischen Pflegefachpersonen - Feierliches Versprechen

Ich verspreche meinen Beruf gewissenhaft unter Einsatz meiner pflegerischen Fähigkeiten auszuüben. Die Betreuung der mir anvertrauten Menschen ist für mich der Fokus meiner Tätigkeit. Die Förderung und Wiederherstellung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens stehen im Zentrum meines beruflichen Handelns.

Dabei werde ich die Würde und Autonomie jeder Person in ihrer Individualität respektieren. Über die mir im Rahmen meiner Berufsausübung anvertrauten Informationen werde ich Stillschweigen bewahren. Ich werde mir anvertraute Menschen vor Gefahren schützen.

Ich werde mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie Vertreterinnen und Vertretern anderer Gesundheitsberufe im Sinne von bester professioneller Praxis für die uns anvertrauten Menschen zusammenarbeiten und sie bei ihrer Tätigkeit kollegial unterstützen.

In allen Situationen werde ich die Ehre und das Ansehen des Berufsstandes wahren.

Autorin: kig

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