Pflegemanagement

Freiheitsentziehende Maßnahmen - ganz schön gefährlich

Tagtäglich sind in Deutschland etwa 400.000 Menschen in Pflegeheimen freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) unterworfen, das sind etwa 10 Prozent aller Pflegeheimbewohner. Dabei sind die FEM gar nicht so gefahrlos, wie sie manchmal scheinen.

Inhaltsverzeichnis

Verschiedene Studien haben bewiesen: Der Verzicht auf FEM führt nicht zu einer Zunahme von Stürzen, das Sturzrisiko wird beim konsequenten Einsatz alternativer Mittel sogar reduziert. Zudem steigt der Einsatz potenziell ungeeigneter Psychopharmaka nicht an, es besteht kein erhöhter Personalbedarf, die Akzeptanz bei Pflegekräften ist hoch und Verhaltensauffälligkeiten nehmen bei entfixierten Pflegebedürftigen sogar tendenziell ab.

Auch aus der Perspektive des Pflegemanagements und der Pflegekräfte dürften diese Erkenntnisse interessant sein und vielleicht auch überraschen.

Achtung: freiheitsentziehende Maßnahmen haben Risiken

Demgegenüber kann regelmäßiger und dauerhafter Einsatz von FEM zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei den Betroffenen führen. Körperliche Folgen sind keine Seltenheit: Die Palette reicht von Gelenkversteifung, Immobilisation, Aufliegegeschwüren (Dekubitial-Ulzera) über Inkontinenz, Blutungen, Schürfungen und Nervenverletzungen bis hin zu Todesfolgen. Und auch die Psyche kann darunter leiden. So kann es zu Depressionen, Aggressionen und gesteigerter Unruhe kommen.

Schade: Studien werden ignoriert

Diese Ergebnisse sprechen doch für sich, oder? Doch noch immer werden die Erkenntnisse aus Studien, Expertenstandards und Wissenschaft zu den Risiken und zu den Alternativen von FEM in der Rechtsprechung der (Beschwerde-)Gerichte weitgehend ignoriert. Sie folgen weitgehend den gutachterlichen Äußerungen ärztlicher Sachverständiger zur angeblichen Alternativlosigkeit von FEM zur Vermeidung von Stürzen. Sie sind jedoch ihrerseits keine Pflegeexperten und haben die o. g. Erkenntnisse der Pflegewissenschaft ebenfalls weitgehend nicht zur Kenntnis genommen.

Wichtig: Fortbildung anregen

Anstrengungen zur Fortbildung der behandelnden Ärzte, der ärztlichen Sachverständigen und der Verfahrenspfleger sind dringend erforderlich, um Alternativen zu FEM zum Wohle der betroffenen alten Menschen nicht unnötig zu blockieren.

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