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Statistisches Bundesamt

Frauen verdienen schlechter als Männer in der Pflege  

Auch wenn die weibliche Pflegekraft genauso qualifiziert ist wie der Mann und genauso viele Wochenstunden arbeitet: Sie erhält im Durchschnitt weniger Gehalt 

Auch wenn die Lücke beim Gehalt von Frauen und Männern über die Jahre langsam kleiner geworden ist: „Deutschland ist trauriger Meister beim schlechten Bezahlen von weiblichen Beschäftigten“, kritisiert Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. 18 Prozent weniger verdienten Frauen in Deutschland im vergangenen Jahr als Männer. Aktuelle Zahlen des Bundesamts für Statistik für 2020, die der Redaktion von pflegen-online vorliegen, bestätigen: Selbst im Bereich der Kranken- und Altenpflege, der mit einem Anteil an den Beschäftigten von fast 80 Prozent klar weiblich dominiert ist, verdienen Frauen in den meisten Fällen schlechter.

Experten erklären die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen im Grundsatz vor allem „strukturbedingt“. Das bedeutet: Frauen als gesellschaftliche Gruppe haben vor allem deswegen weniger Geld im Portemonnaie, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten oder geringfügig beschäftigt sind; weil Zugangschancen für Frauen in bestimmten und/oder besonders gut bezahlten Berufen schlechter sind und Führungspositionen immer noch häufiger mit Männern besetzt werden. Als Erklärung speziell für die Gesundheitsbranche wird beispielsweise angeführt, dass Frauen vielleicht eher den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin ergreifen und Männer eher den des Arztes.

Es geht hier nicht um weniger Gehalt wegen Teilzeit  

Nur: Diese Erklärungen zünden in diesem Fall nicht. Nach den uns vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienen in der Pflegebranche Frauen nicht etwa nur dann weniger, wenn sie in Teilzeit arbeiten – und weil eine halbe Stelle eben auch nur ein halbes Gehalt einbringt. Nein: Selbst innerhalb der Gruppe der Vollzeitbeschäftigten und auch innerhalb derselben Hierarchiestufe („Führungskräfte“) oder Leistungsgruppe („Fachkräfte“) können Gehälter von Männern und Frauen in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen deutlich voneinander abweichen.

Die unserer Redaktion vorliegende „Vierteljährliche Verdiensterhebung“ des Statistischen Bundesamts bildet die Gehälter aus 18 Wirtschaftszweigen und damit nahezu die gesamte Volkswirtschaft ab. Die Einrichtungen, in denen Pflegekräfte tätig sind, werden hier in diese drei formellen Gruppen eingeteilt: Krankenhäuser, Pflegeheime und Altenheime. Den höchsten Anteil an Frauen können mit 80 Prozent die Altenheime für sich verbuchen, gefolgt von den Pflegeheimen mit 76 und den Krankenhäusern mit 74 Prozent. Genau umgekehrt ist die Reihenfolge dieser Gruppen, wenn man sich die Höhe der Bruttomonatsverdienste ansieht.

Besonders große Gehaltslücke zwischen Frau und Mann in Kliniken

Dort, wo im Grundsatz am meisten gezahlt wird – in den Krankenhäusern – ist die finanzielle Benachteiligung von weiblichen Beschäftigten dem Papier zufolge auch am stärksten ausgeprägt. Nimmt man wieder die Vollzeitkräfte als Maßstab, zeigt sich: Männliche Beschäftigte in Krankenhäusern (alle Berufsgruppen eingeschlossen) erhalten ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt von 6.136 Euro, während das von Frauen bei 4.190 Euro liegt (alles wieder ohne Sonderzahlungen). Frauen verdienen damit im Schnitt 31 Prozent weniger.

In der mittleren Leistungsgruppe 3 („Fachkräfte“), zu der auch der Großteil der Pflegenden gehört, liegt die Differenz bei „nur“ 5,9 Prozent. Zum Vergleich: In der Leistungsgruppe 1 („Führungskräfte“) verdienen Frauen aber 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass zu den Führungskräften auch gut bezahlte Oberärzte, Einkäufer, Controller oder Personalverantwortliche zählen.

[Erfahren Sie in unserem Artikel Gehaltscheck Kliniken, welche Krankenhäuser besonders gut zahlen.]

Pflegeheime: Frauen verdienen 9 Prozent weniger

Die Einrichtungen der Gruppe „Pflegeheime“ umfasst in der Klassifizierung des Statistischen Bundesamts Einrichtungen, die der umfassenden Betreuung und Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Menschen dienen: Altenpflegeheime, Pflegeeinrichtungen für Behinderte, Genesungs- und Erholungsheime mit Pflegekomponente. In diesem Bereich geht die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen schon nicht mehr ganz so markant auseinander wie im bei den Krankenhäusern, aber geschlossen ist sie auch hier noch lange nicht. 9,0 Prozent beträgt die Gehaltsdifferenz Mann-Frau bei der Gesamtzahl der in Vollzeit Beschäftigten – „nur“ noch 4,0 Prozent bei den Pflegefachkräften. Allerdings: Frauen in Führungspositionen verdienen hier immerhin noch 14 Prozent weniger. Dabei ist davon auszugehen, dass Pflegekräfte hier den Großteil ausmachen.

[Erfahren Sie in unserem Artikel Gehaltscheck Altenpflege, welche Pflegeheime besonders gut zahlen.]

Altenheime: Hier liegen Frauen vorne – mit 0,7 Prozent

Die dritte und letzte Gruppe von Institutionen sind Altenheime: hier verstanden als Einrichtungen zur Unterbringung und Pflege von älteren und behinderten Menschen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, aber nicht oder nur geringfügig auf Pflegeleistungen angewiesen sind. In diesen Einrichtungen ist die Einkommensdiskrepanz unter den Vollzeitbeschäftigten am geringsten. Im Schnitt liegen die Gehälter von Frau hier noch um 5,9 Prozent niedriger als bei den Männern – wenngleich in Führungspositionen auch hier ähnlich viel weniger gezahlt wird wie in Pflegeheimen (nämlich 13 Prozent). Von den in diesem Text verglichenen neun Kategorien (drei Typen von Einrichtungen mal die drei Gehaltsgruppen Frauen/Männer/alle) liegt hier die einzige, in der Frauen tatsächlich einmal vorne liegen: Weibliche Vollzeit-Fachkräfte in Altenheimen bekommen statistisch mehr Gehalt als ihre männlichen Kollegen – wenn auch nur 0,7 Prozent.

Zur Erklärung heißt es beim Statistischen Bundesamt: Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen sind zu 71 Prozent strukturell bedingt, also dass Frauen häufiger in Branchen oder Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird. Die verbleibenden 29 Prozent des Verdienstunterschieds entsprechen dem sogenannten bereinigten Gender Pay Gap: der Lücke, die zwischen Männern und Frauen auch dann klafft, wenn Tätigkeit, Hierarchiestufe, Qualifikation und Erwerbsbiographie vergleichbar sind.

Gender-Pay-Gap bereinigt 6 Prozent für Volkswirtschaft insgesamt 

Den so feststellbaren Gehaltsunterschied errechnet das Bundesamt zwar nicht für einzelne Beschäftigungsfelder wie Pflegeberufe. Für die Volkswirtschaft insgesamt aber beziffert die Behörde den um strukturelle Unterschiede bereinigten „Gender Pay Gap“ mit rund 6 Prozent.

Autoren: Adalbert Zehnder/kig

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