Pflege und Politik

Fragwürdige neue Pflegeassistenz-Ausbildung

Die bundesweite Einführung einer zweijährigen generalistischen Ausbildung von Pflegeassistenzen ab 2019, die der Kompromiss der Regierungsfraktionen zum Pflegeberufereformgesetz vorsieht, stößt auf Bedenken maßgeblicher Berufs- und Trägerorganisationen.

Da diese Berufsgruppe Generalistik-Ausbildungsplätze für neues Pflegepersonal blockieren würde, fordern Deutscher Pflegerat und Deutsche Krankenhausgesellschaft in seltener Eintracht eine eigenständige bundeseinheitliche Assistenz-Ausbildung.

„Auszubildende mit Berufswunsch Pflegeassistenz dürfen nicht die Plätze für den Generalistikabschluss blockieren“, meint Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Daher hält der Spitzenverband der Krankenhausträger eine eigenständige, staatlich anerkannte zweijährige Ausbildung zum Pflegeassistenzberuf mit passenden Inhalten für besser als zwei Jahre Generalistik für diese Berufsgruppe. Denn Krankenhäuser möchten künftig in erster Linie von möglichst vielen generalistisch ausgebildeten Pflegefachleuten profitieren.

Derzeit absolvieren allein rund 2.000 Schülerinnen und Schüler bundesweit Ausbildungen in der Krankenpflegehilfe. Neulinge dieses bislang länderspezifisch ein- oder zweijährigen Ausbildungsgangs würden nach dem Willen der Regierungskoalition ab 2019 Pflegeassistenzen werden können. Künftig werde auch der Bedarf für diese Berufsgruppe weiter steigen, erwartet die DKG.

Pflegerats-Präsident für DKG-Vorschlag

Mit einer bundeseinheitlich zweijährigen gesonderten Ausbildung für Pflegeassistenzen anstelle der bislang sehr unterschiedlichen Länderregelungen könnte sich auch der Deutsche Pflegerat (DPR) gut anfreunden. DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus auf Anfrage von pflegen-online.de: „Ausnahmsweise kann ich der DKG in dieser Frage voll zustimmen.“ Denn künftige Generalistik-Ausbildungsplätze sollten allein dem Berufsnachwuchs vorbehalten sein, der sich für eine dreijährige Ausbildung zum Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann oder für die nun noch im dritten Jahr mögliche Spezialisierung in der Alten- oder Kinderkrankenpflege entscheidet.

Assistenzausbildung bisher Ländersache

„Verfassungsrechtlich sind die im Kompromiss vorgesehenen Pläne zur bundeseinheitlichen Assistenzausbildung allerdings problematisch“, weiß auch Westerfellhaus. Denn bislang ist die Ausbildung von Pflegeassistenzen eindeutig Sache der Länder mit ihrer Entscheidungshoheit in Bildungsfragen. Für fragwürdig hält der Pflegerat diese Pläne auch aus fachlichen und berufspädagogischen Gründen.

Sehr unterschiedliche Ausbildungsregeln und -curricula für Pflegeassistenzen bieten einige Bundesländer bislang an: So gibt es in Niedersachsen für sie eine zweijährige Ausbildung, die ein Qualifizierungsniveau oberhalb der einjährigen Ausbildung für Alten- und Krankenpflegehelferinnen und unterhalb der dreijährigen für Fachkräfte sicherstellt. Nordrhein-Westfalen lässt seine Pflegeassistenzen nur ein Jahr ausbilden. Andere Länder haben diesen nicht unumstrittenen Ausbildungsgang erst gar nicht eingeführt.

Ausblick

Doch angesichts des mühsam über ein Jahr verhandelten Kompromisses zum Pflegeberufereformgesetz hat die Regierungskoalition offenbar kein verstärktes Interesse daran, ihr Gesetzespaket nur wegen der offenen Fragen rund um die Assistenzausbildung infrage zu stellen. Das signalisierte der CDU-Abgeordnete und Kompromiss-Befürworter Erwin Rüddel in Berlin bereits dem Pflegerats-Präsidenten. Westerfellhaus gegenüber pflegen-online.de: „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Pläne zur Pflegeassistenz-Ausbildung noch aus dem Gesetz herausgenommen werden. Der Kompromiss dürfte bald so wie geplant beschlossen werden.“

Altenpflegehilfe-Ausbildungen bleiben erhalten

Nach Informationen aus Berliner Regierungskreisen bleiben die bisherigen länderspezifischen einjährigen Ausbildungen für Altenpflegehelfer/innen ab 2019 weiterhin erhalten. Der von der Koalition vereinbarte Kompromiss zum Pflegeberufereformgesetz taste sie ebenso wenig an wie den bisherigen Abschluss zur Altenpflegefachkraft, der zumindest bis 2024 weiter möglich bleiben soll.

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