Tattoos

Experten rechnen mit Allergie- und Hepatitis-Welle

Tattoos sind auch unter Pflegekräften beliebt. Gesund werden sie dadurch noch lange nicht, wie diverse Studien zeigen.

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Die Toleranz wächst. Tätowierte Pflegekräfte haben auf pflegen-online berichtet, dass viele Patienten und Bewohner die Tattoos geradezu unterhaltsam finden. Auch Vorgesetzte und Arbeitsgeber nehmen in der Pflege offenbar selten Anstoß an Tattoos. Trotzdem lohnt es sich vor dem Gang ins Tattoo-Studio genau zu überlegen, ob man das gesundheitliche Risiko in Kauf nehmen möchte.

Auch die Krebsgefahr steigt

Experten warnen vor gesundheitlichen Risiken und Spätfolgen. Pigmente aus den Tattoo-Farben können aus der Haut direkt in die Lymphknoten wandern, sich dort ansammeln oder von dort aus in den ganzen Körper gelangen. Als Folge kann es zu Krebs-, Autoimmun- oder anderen chronischen Krankheiten im ganzen Körper kommen, nicht nur zu Hautkrebs, wie viele meinen. Erste Langzeitschäden würden sich in 20 bis 30 Jahren zeigen, schätzen Experten.

Allergien zählen zu den häufigsten Folgen

Aktuelle Studien verheißen jedenfalls wenig Gutes. So zeigte eine im Mai 2015 in der Fachzeitschrift Contact Dermatitic veröffentlichte Untersuchung der amerikanischen Hautärztin Marie Leger vom New York University Langone Medical Center an 300 Probanden, dass 30 von ihnen unmittelbar nach einer Tätowierung Gesundheitsprobleme wie Ausschläge, Schwellungen, Rötungen und Juckreiz bekommen hatten. Von diesen 31 Probanden wiederum hatten gut die Hälfte auch später noch Probleme wie chronische Infektionen, bleibende Schwellungen, Allergien oder Knötchen unter der Haut. Besonders häufig kam es zu allergischen Reaktionen bei Sonneneinstrahlung.

Achten Sie auf Hygiene im Tattoo-Studio

In einer multizentrischen Fallkontrollstudie der New York University, veröffentlicht 2013 in Hepatology, hat sich herausgestellt: Tätowierte erkranken häufiger an Hepatitis C als Nichttätowierte. Der Grund: Offenbar beherzigen nicht alle Tattoo-Studios die Grundregeln der Hygiene und des sterilen Arbeitens. Da sich die Erkrankungen oft erst 20 bis 30 Jahre nach der Infektion (hier: Tätowierung) zeigen, rechnen die Wissenschaftler in den Jahren 2030 bis 2040 mit einer regelrechten Tattoo-bedingten Hepatits-C-Welle.

Öko-Test warnt vor Tattoo-Farben

Tattoo-Farben enthalten nahezu alle Arten von Giften, unter anderem Quecksilber, Arsen, Kobalt, Chrom, Cadmium und Nickel. Dass die Tattoo-Lobby dies anders sieht, ändert laut Öko-Test („Tattoofarben – Abwiegeln, wegschieben, vertuschen“) nichts an den Tatsachen.

Erst Probezeit, dann Tattoo?

Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt und als Pflegekraft trotzdem tätowieren lassen möchte, für den hat ein anonymer Arbeitgeber im Netz den Ratschlag parat: Das Tattoo am besten erst nach der Probezeit stechen lassen, dann hat man sich schon fachlich und persönlich bewährt! Denn auch wenn alle Chefs offiziell betonen, ein Tattoo spiele für sie keine Rolle bei der Einstellung – nachweisen lässt sich das im Zweifel nicht. Die Gründe für eine Ablehnung müssen ja nicht offengelegt werden.

Autorin: Birgitta vom Lehn

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