Pflege und Politik

Erwin Rüddel: Beim Twittern Federn gelassen

Mit einem Tweet löste der CDU-Politiker Erwin Rüddel diese Woche bei Alten- und Krankenpflegern Empörung aus – und inspirierte sie, in den Sozialen Netzwerk Tacheles zu reden.

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Er wollte den Pflege-Kompromiss der Großen Koalition loben – und kassierte dafür einen wahren Shitstorm auf Facebook & Co.. Erwin Rüddel, CDU-Politiker und seit Kurzem Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, hat Pflegekräfte am Dienstag in einem Tweet aufgefordert, positiver über ihren Job zu sprechen, um wieder mehr Menschen zur Rückkehr in die Pflege zu bewegen.

Szenen wie aus einem schlechten Tatort

Doch das ging mächtig nach Hinten los. Denn offensichtlich wussten Pflegekräfte und Betroffene nicht viel Positives zu berichten. Stattdessen setzten Hunderte unter dem Hashtag #twitternwierueddel Tweets ab, in denen sie skandalöse Bedingungen im deutschen Gesundheitssystem anprangerten.

Da ist etwa von Frühgeborenen die Rede, die nachts eine Magensonde bekommen, weil zwei Pflegerinnen nicht 22 Babys gleichzeitig füttern können. Eine Angehörige berichtet, wie ihre Oma einsam im Krankenhaus starb, weil die Mitarbeiter keine Zeit hatten, die Familie zu informieren. Und eine Pflegerin erinnert sich an ihre Ausbildung, in der sie sterbenden Menschen mit einer Spritze Flüssigkeit zwischen die zusammengepressten Lippen zwängen musste.

Rüddel hat seinen Tweet gelöscht

Viele der Tweets lesen sich wie aus dem Drehbuch eines schlechten Tatorts. Es scheint, als habe der CDU-Mann einen Auslöser betätigt, durch den sich die jahrelang aufgestaute Empörung Hunderter Pflegekräfte endlich entladen konnte. Ein gefundenes Fressen für die Medien, die noch am selben Tag umfangreich über den Sturm der Entrüstung berichteten – und so der ohnehin alarmierten Öffentlichkeit einmal mehr bewusst machten, dass der Pflegenotstand vor allem ein strukturelles Problem ist.

Das hat anscheinend auch Rüddel erkannt, dessen Original-Tweet mittlerweile gelöscht wurde. In einer Stellungnahme des Politikers heißt es: „Mein Tweet sollte keine Anschuldigung gegenüber den Pflegekräften sein, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass wir den Herausforderungen in der Pflege nur gemeinsam begegnen können. Die Reaktionen darauf zeigen allerdings, wie sensibilisiert die Menschen in der Pflege sind.“

Rüddels Original-Tweet

#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege

Autorin: Kati Borngräber

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