Pflegegeschichte

Edith Kellnhauser entstaubte die Pflege in Deutschland

Die Wegbereiterin von Deutschlands erster Pflegekammer ist gestorben. Im März erhielt die Krankenschwester, Kosmopolitin und Pflegewissenschaftlerin noch den Deutschen Pflegepreis.

Inhaltsverzeichnis

„Eine außergewöhnliche Pflegekarriere“ – so überschrieb Edith Kellnhauser ihre Autobiografie von 2012. Selbstbeweihräucherung lag ihr nicht und die Gründe, aus denen sie niederschrieb, wie sie von der Krankenschwester zur Professorin aufstieg, sind deshalb auch eher pädagogischer Natur: Sie wollte „jungen Menschen aufzeigen, dass der Pflegeberuf eine interessante, herausfordernde und befriedigende Profession ist“. Sie zumindest hätte diesen Weg immer wieder gewählt.

Sie arbeitete in England, USA und Ägypten

Als die 21-Jährige 1954 ihre Ausbildung als Krankenschwester begann, sprachen Honoratioren noch vom „Liebesdienst“ der Schwestern. Arbeitszeitregelungen? Curricula? Auf Augenhöhe mit den Ärzten? Komplette Fehlanzeige. Über Krankenschwestern schrieb die damals populäre Zeitschrift „Sanitätswarte“: „Schwestern … wollen pflegen. Sie sollten nicht um ihre Berufsrechte kämpfen müssen, sondern diesen Kampf voll Vertrauen ihren Vätern und Müttern, gleich ob sie Chefarzt, Pfarrer oder Stadtvater heißen, überlassen können.“ Nun, es gab durchaus Kolleginnen, die das schon damals anders sahen. Edith Kellnhauser zum Beispiel. Sie absolvierte ihre Ausbildung in München, nicht weit von ihrem Gebutsort Wolkering im Kreis Regensburg. Doch ihr Wissenshunger trieb sie weiter. Sie zog nach England, dann in die USA, schließlich nach Ägypten und kehrte erst Mitte der 80er-Jahre nach Deutschland zurück.

In der Pfalz trieb sie die Akademisierung voran

Sie fand Deutschlands Pflege im Aufbruch vor, promovierte zum Thema Pflegekammern und wurde 1992 Gründungsdekanin der neuen Studiengänge Pflegemanagement und -pädagogik in Mainz. Als die 66-Jährige 1999 emeritiert wurde, war die Profession Pflege etabliert – von den Pflegefachpersonen selbst. Erst 2016 ging endlich auch Kellnhausers Herzenswunsch, die erste Pflegekammer Deutschlands, in Erfüllung. Ein Jahr darauf erhielt sie für ihre Einsatz für den Pflegeberuf das Bundesverdienstkreuz, 2019 im März dann den Deutschen Pflegepreis des Deutschen Pflegerats.

„Es war ein 20-jähriger Kampf“, schrieb sie rückblickend. Aber ein Kampf, der sich gelohnt hat – aber auch ein Sieg der Beharrlichkeit, unter anderem von Edith Kellnhauser. Gestern Abend (23. Mai 2019) ist Edith Kellhauser nach kurzer, schwerer Krankheit in Mainz gestorben.

Autorin: Claudia Flöer

Foto: Clemens Hess

Hier geht es zur Pressemitteilung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Pflege und Politik

Bayern: Mogelpackung für die Pflege

Die neue „Vereinigung der Pflegenden in Bayern“ sei nur ein "Etikettenschwindel", eine "Mogelpackung" oder ein "staatliches Almosen". Die Pflegeverbände sparen nicht mit Kritik an der neuen Interessenvertretung.

Pflege und Management

Kampfansage an Mitbewerber

Nach den Pflegekräften, jetzt auch die Hilfskräfte: Münchenstift GmbH hebt die Gehälter an.

Serie Soft-Skills

Tipp 10: Familienstreit – lassen Sie sich nicht schockieren

„Eine schrecklich nette Familie" hieß einmal eine Fernsehserie. Im Pflegeheim scheinen einige Familien und Angehörige jedoch nur schrecklich zu sein. Ein Streit folgt dem nächsten. Wie gehen Sie damit am besten um?

Pflege und Politik

Regierung beschäftigt sich mit Killerkeimen

Gegen resistente Bakterien haben herkömmliche Medikamente keine Chance. Die WHO stellt nun eine Liste der größten Bedrohungen auf. Zwölf Bakterienfamilien sollen Pharmaforscher ins Visier nehmen.

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.