CARE Klima-Index

Düstere Stimmung unter Pflegekräften

Viele Pflegekräfte glauben, dass ihr Beruf gesellschaftlich wenig anerkannt ist. Auch in puncto Personalbesetzung und Pflegequalität ist Pessimismus verbreitet, wie der CARE Klima-Index zeigt.

Inhaltsverzeichnis

An der online-Umfrage für den CARE Klima-Index haben sich insgesamt 2.016 Personen beteiligt – Pflegekräfte, aber auch Pflegemanager, Angehörige, Patienten, Ärzte, Apotheker sowie Vertreter der Kassen, der Industrie, der Kommunen und Verbände. Das unabhängige Marktforschungsinstitut Psyma Health & CARE GmbH hat die Studie ausgeführt in Kooperation mit den Veranstaltern des Deutschen Pflegetags, sprich, dem Deutschen Pflegerat und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft.

Die zentralen Ergebnisse:

Pflege sieht sich wenig wertgeschätzt

Pflegekräfte in Pflegeeinrichtungen beurteilen die gesellschaftliche Wertschätzung ihrer Profession mit 56 Prozent am schlechtesten. Andere Befragte bewerten den Pflegeberuf mit 27 Prozent in geringerem Maße negativ.

Pflege fühlt sich von der Politik im Stich gelassen

Alle Befragten sehen einen geringen Stellenwert der Pflege in der Politik – vor allem gilt dies für die professionelle Pflege selbst (91 Prozent versus 69 Prozent der restlichen Befragten).

Das PSG II enttäuscht und polarisiert

Pflegekräfte beurteilt das PSG II kritisch: 59 Prozent sehen noch keine Verbesserung im Pflegealltag, 19 Prozent sogar eine Erschwernis, wohingegen 46 Prozent der Kostenträger durch das Gesetz eine Erleichterung für den Pflegealltag sehen.

Stimmung zur wirtschaftlichen Lage schwankt von neutral bis negativ

Stationäre Pflegeeinrichtungen geben ein neutrales bis negatives Urteil.

Kaum Innovationen

Digitale Innovationen wie Ambient Assisted Living (AAL) sind noch nicht im Pflegealltag angekommen. 2/3 der Pflegekräfte sehen in ihnen bis dato keine Hilfe.

Qualität im Mittelfeld

51 Prozent der Pflegeeinrichtungen halten die Qualität der aktuellen Pflegeversorgung für mittelmäßig.

Kassen sehen Personalbesetzung weniger kritisch

80 Prozent der Krankenschwestern, Altenpflegerinnen und Pfleger empfinden die personelle Ausstattung als unzureichend, wobei 45 Prozent der Kranken- und Pflegekassen eine teilweise Erfüllung sehen.

Pflege sieht Qualität der Pflegeversorgung gefährdet

65 Prozent glauben nicht an die künftige Sicherstellung der Pflegeversorgung in Deutschland, während 49 Prozent der Kassen positiv in die Zukunft blicken.

Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), fordert daher unverzüglich eine spürbar bessere Personalausstattung in allen Versorgungsbereichen: „Die Anforderungen an die Pflege steigen qualitativ wie quantitativ ständig an. Es wird aber nicht der Rahmen geschaffen, in dem Pflegende gut und zufrieden arbeiten können und dabei selbst gesund bleiben. Der extrem hohe Krankenstand in den Pflegeberufen und der Exodus aus dem Beruf sind deutliche Signale“, so Franz Wagner. „Die Sondierungsergebnisse begreifen wir als Schritt in die richtige Richtung. Es müssen aber schnell Taten folgen und darf nicht bei gut gemeinten Ankündigungen bleiben.“

Der CARE-Klima-Index soll künftig, analog zum ifo-Geschäftsklimaindex, jährlich die Stimmungsveränderungen in der Pflege aufzeigen und Handlungsfelder sowie Herausforderungen ermitteln. Die Befragung 2017 ist eine Nullmessung, die die Basis für die Bewertung der zukünftigen Entwicklung bildet.

Autoren: Psyma/kig

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