Besuchsverbot im Pflegeheim

„Diskutieren müssen wir nur mit wenigen Unbelehrbaren“

Wie klappt es mit dem Besucherstopp wegen Corona im Pflegeheim? Wir haben am Empfang des Albertinen Hauses in Hamburg-Schnelsen nachgefragt

Seit 13. März sind zum Schutz der Bewohner vor Ansteckung mit dem Corona-Virus Besuche bundesweit in fast allen Pflegeheimem verboten. Auch im Albertinen Haus in Hamburg-Schnelsen herrscht absolutes Besuchsverbot. Frank Goede (links im Bild, mit seinem Stellvertreter Christian Lützen-Ilgner) ist dort der Leiter des Empfangs. Wir haben mit ihm über die Reaktion der Angehörigen gesprochen.

pflegen-online.de: Guten Tag, wie geht es Ihnen heute?

Frank Goede: Danke der Nachfrage, mir geht‘s gut: kein Kratzen im Hals, kein Husten, Schnupfen – und auch bei meinem Kollegen ist alles im grünen Bereich. Seit dem es einen Besucher-Stopp im Albertinen Haus gibt, arbeiten wir in der Tagschicht zu zweit am Empfang.

Wie ist die Situation: Waren heute viele Besucher da, die Sie wegschicken mussten? Die vergangenen Tage?

Der Besucherstrom ebbt langsam ab. Wir informieren ja auch auf unserer Homepage und über die Sozialen Medien über den Besucher-Stopp im Albertinen Haus. Dennoch gibt es weiterhin viel Erklärungsbedarf, ganz pragmatisch, wenn Besucher für ihre Angehörigen Kleidung zum Wechseln oder Toilettenartikel dabei haben. Oder wenn jemand statt des geplanten Besuchs spontan einen Gruß an den Patienten oder Bewohner schreiben möchte.

Was sagen Sie den Besuchern, die sie wegschicken? Und wie reagieren die? Genervt, verständnisvoll?

Am Eingang steht ein großes Plakat, das über den Besucher-Stopp informiert und auch schon eine erste Erklärung dafür liefert, warum sich die Leitung des Albertinen Hauses zu diesem Schritt entschlossen hat – als eine der ersten Einrichtungen in Hamburg überhaupt. Für ältere Menschen ist das Coronavirus besonders gefährlich und wir wollen unsere Patienten und Bewohner der Wohnbereiche bestmöglich schützen. Genauso wichtig ist es natürlich, die Mitarbeitenden zu schützen, damit sie Patienten und Bewohner weiterhin gut versorgen können. Und auch für die Besucher selbst bedeutet der Besucher-Stopp ja eine Sicherheit. So wenig direkten Kontakt wie möglich ist das Gebot der Stunde.

Gibt es Diskussionen? Gibt es Nachfragen: Wieso, weshalb, warum? Oder sind alle bereits gut informiert? Welchen Eindruck haben Sie?

Fast alle Besucher reagieren sehr verständnisvoll auf die Maßnahme. Viele sind sogar sehr gut informiert. Das verwundert ja vielleicht auch nicht, denn die Medien berichten mittlerweile täglich und ausführlich zum aktuellen Stand. Das hilft uns sehr. Diskutieren müssen wir nur mit ganz wenigen Unbelehrbaren. Es gibt auch begründete Ausnahmen von der Regelung, zum Beispiel in der Wohn-Pflegeeinrichtung und in unserer Palliativeinheit.

Es sind die Älteren unter den Besuchern, die öfter verunsichert wirken. Wir nehmen uns dann Zeit und erklären, warum es besser ist, die erkrankten Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn et cetera jetzt mal eine Zeitlang nicht aufzusuchen. Wenn wir hier am Empfang gelassen und entspannt sind, können wir für alle ein positives Umfeld schaffen.

Gab es diesen Fall: "Ich habe hier Blumen, wie kann ich die jetzt zu meiner Mutter/meinem Vater kriegen?" - Wie händeln Sie das? Geschenke, Wäsche, Klopapier?

Ja klar, fast alle Besucher bringen kleine Aufmerksamkeiten mit, Blumen oder auch Wechselkleidung und Toilettenartikel. Wir halten spezielle Tüten für Patienteneigentum bereit. Die Angehörigen desinfizieren sich die Hände und packen die Sachen selbst ein und beschriften die Tüten auch selbst. So können Ansteckungen verhindert werden. Die Sachen werden mehrmals täglich auf die Stationen befördert, Blumen erfahren eine „Sonderbehandlung“ – sie werden „express“ auf die Stationen und in die Wohnbereiche gebracht, damit sie schnell Wasser bekommen.

Haben Sie die Kontrolle "verschärft"? - Sprechen Sie jetzt jeden an, der hier lang kommt?

Die Besucher werden so geleitet, dass sie das Albertinen Haus nur noch über den Haupteingang betreten können. Alle Nebeneingänge wurden entsprechend beschildert. Es gibt dort auch den Hinweis, dass Angehörige und Besucher am Haupteingang weitere Informationen erhalten. Es sind also eher die Menschen, die herein kommen, die sich dann zwecks weiterer Informationen an uns wenden.

Interview: Corinna Chateaubourg

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