Corona

Die Weihnachtsfeier fällt aus - und jetzt?

Mit welchen alternativen Gesten Stationsleitungen, WBL und Pflegedienstleitungen Anerkennung zeigen können - und welche Fettnäpfchen es dabei zu umgehen gilt

Inhaltsverzeichnis

Einfach mal entspannt zusammensitzen, ein gutes Essen genießen und ohne Zeitdruck plaudern: Für Pflegeteams könnte eine gemeinsame Weihnachtsfeier angesichts der vergangenen Monate, die ihnen alles abverlangt haben, immerhin ein Lichtblick sein – doch auch hier macht Corona einen Strich durch die Rechnung. „Wir vermissen die Möglichkeiten zum Zusammenkommen und zum gemeinsamen Feiern sehr schmerzhaft“, sagt Alexandra von Rex, Pflegedirektorin am Klinikum der Stadt Ludwigshafen.

Soziale Distanzierung macht Teams zu schaffen

„Die soziale Distanzierung ist über eine längere Dauer nicht gut für die gesamte Stimmung und das Klima, das spüren wir alle.“ Die einzelnen Stationen und Abteilungen der Klink versuchten zwar, im Rahmen der strengen Hygienevorgaben noch eine besinnliche Stimmung aufkommen zu lassen. Die gesellige Komponente aber – die gerade im Krankenhaus so wichtig sei – fehle schlicht.

Eigentlich müsste man jetzt enger zusammenrücken

„Unsere Teams arbeiten hart und viel – im Rahmen von Betriebsfeiern können wir uns normalerweise für die geleistete Arbeit bei den Kollegen bedanken und uns auch mal gegenseitig kräftig auf die Schultern klopfen. Man lernt sich untereinander von einer ganz neuen Seite kennen und profitiert von diesen gemeinsam geschaffenen schönen Erinnerungen dann auch wieder im Berufsalltag“, sagt Alexandra von Rex. Umso nötiger wäre es eigentlich aus ihrer Sicht, gerade in der belastenden Corona-Zeit enger zusammenzurücken, dabei Sorgen und Nöte anhören und gemeinsame Lösungen suchen zu können. Stattdessen findet all dies nun in Gesprächen im kleinsten Kreis statt.

Klinikum Ludwigshafen: Jeder bekommt einen Adventskalender überreicht

Es aber sollten die derzeitigen Beschränkungen keinesfalls mit sich bringen: dass auch die persönliche Wertschätzung der Mitarbeiter und der Dank für ihre Arbeit stillschweigend wegfallen – selbst wenn nun Weihnachtsfeiern als gewohnter Rahmen abgesagt sind. „Wie in den vergangenen Jahren bin ich mit meinen Kollegen der Pflegedirektion Ende November in alle Stationen und Bereiche gegangen und habe dort jeder einzelnen Pflegekraft einen Adventskalender übergeben“, sagt von Rex. Diese Aktion habe im Haus bereits Tradition – und auch bei diesen Begegnungen sei ihr von den Teams noch einmal zurückgemeldet worden, wie sehr sie die gemeinsamen Feiern vermissten.

Idee für Covid-19-Stationen: Grußbotschaften vorlesen

Dass die Weihnachtsfeier in diesem Jahr ausfallen muss, bedauert auch Susanne Fieberg, pflegerische Leitung der Station 144i in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité, die jetzt Covid-Station ist. „Bei uns gab es immer Abteilungsweihnachtsfeiern, zu denen unser Chef uns eingeladen hat und die sehr beliebt waren. 2019 hat mein Team einen Film gedreht, um selbst einmal Dankeschön zu sagen. Das war extrem unterhaltsam und hat für sehr viel Freude bei den Zuschauern und Machern gesorgt.“ Solche Rituale seien eine schöne Sache für jedes Team und eine willkommene Gelegenheit, sich auch einmal ohne Unterbrechung unterhalten zu können, sagt Fieberg.

Für ihre Kollegen gelte dies in der aktuellen Situation im Grunde umso mehr, denn: „Wenn man auf einer Covid-19-Station arbeitet, kommt einen ja keiner mehr besuchen – niemand von den anderen Stationen darf zu uns, kein Vorgesetzter traut sich zu uns. Auch dass wir Pausen nur in einer Mini-Gruppe machen können, ist dem Teamgeist nicht förderlich. Derzeit kommen lediglich bei den Übergaben mehrere Mitarbeiter zusammen und dabei versuchen wir immer, für gute Stimmung zu sorgen. Eine Idee ist es, dort Grußbotschaften vorzulesen – wir erhalten sie von unseren Angehörigen, Angehörigen von Patienten, von Chefärzten anderer Fachbereiche und Freunden von Mitarbeitern, manchmal auch von Firmen. Sie sind häufig auch mit einer Spende versehen, zum Beispiel Kaffee, Obst, Essen oder Mascara.“

Besondere Geschenke sind gefragt ...

Trotz Pandemie wird auch auf Fiebergs Station ein Weihnachtsritual beibehalten: Für jeden gibt es eine Tüte mit selbst gebackenen Keksen der Leitung, mit einer Grußkarte sowie – anstelle von Sekt – einer Flasche Corona-Bier.

... und eine Prise Humor

„Zudem habe ich gute Kugelschreiber mit der Gravur ‚Exzellenzteam 144i‘ besorgt und hoffe, damit eine kleine Freude bereiten zu können.“ Auch ihre Kollegen haben sich Gedanken gemacht: „Die Leitung unserer Nachbarstation verschenkt wundervolle getöpferte Teelichter und Tütchen mit Entspannungsbädern“, so Fieberg.

Nehmen Sie sich Zeit, jedem Teammitglied persönlich zu danken!

Dass es auf solche persönlichen Gesten gerade jetzt ankommt, bestätigt Gabriela Meyer, Autorin und Trainerin für moderne Umgangsformen. Denn je größer die Krise, desto klarer sollten Führungskräfte kommunizieren und offen sein für die Sorgen ihrer Mitarbeiter. „Was wir jetzt brauchen, sind Kollegen und Vorgesetzte, die nicht zögern, freundlich zu sein. Es ist genau richtig, wenn sich zum Beispiel Stationsleitungen besonders in diesem Jahr zu Weihnachten die Zeit nehmen, jedem Teammitglied persönlich zu danken. Sei es in einem Gespräch oder mit einem handgeschriebenen kleinen Brief.“ Wer sich hiervor scheue, signalisiere: Ich sehe deinen Einsatz nicht, ich sehe dich nicht! „Was dagegen zählt, ist die Geste, die von Herzen kommt. Sie macht den Wert der Anerkennung aus, nicht etwa die Marke der Schokolade in den Weihnachtstüten.“

Weihnachtskarten sind gut, aber persönlich sollten sie sein

Ihr Tipp: Wer etwas Besonderes suche, könne sein Team beispielsweise mit gezeichneten Porträts überraschen. „Sie finden viele Illustratoren auf Instagram, die sich über Aufträge freuen. Und ganz wichtig für die persönliche Note: Eine Unterschrift allein auf einer Standard-Weihnachtskarte wird den Empfänger nicht begeistern. Fügen Sie Ihrer Karte handschriftlich nach Möglichkeit immer einige individuelle Worte hinzu. Schreiben Sie von Mensch zu Mensch“, sagt Meyer. „Nur: ‚Liebe Kollegen, fantastisch, dass Sie auch in diesem Jahr zu Weihnachten wieder unbezahlte Überstunden machen‘, das sollte es nicht sein.“ Floskeln und Durchhalteparolen sind definitiv nicht angezeigt.

So geht es auch ohne Weihnachtsfeier: 5 Tipps

Weitere Ideen von Alexander von Rex, Susanne Fieber und der Expertin für Höflichkeit Gabriela Meyer:

  • Statt Weihnachtsmarktbesuch: „Warum nicht virtuell eine Party feiern, per Zoom oder Skype gemeinsam essen, wichteln, basteln und Glühwein trinken? Das alles geht auch online“, schlägt Gabriela Meyer vor. „Vielleicht ist es sogar eine Chance, sich mit dem einen oder anderen aus dem Team noch näher zu kommen als bisher.“
  • Statt Weihnachtsfeier: schon einmal ein Frühlings- oder Sommerfest auf dem Außengelände planen. Und vielleicht das Musikprogramm selbst gestalten? „Auch in diesem Jahr haben wir noch ein Sommerfest unter Corona-Bedingungen gefeiert, da wir uns vorher alle testen lassen konnten und unter freiem Himmel waren. Für das Fest hatte sich eine kleine Band – The Covids – gegründet, die zwar nie zusammen proben konnte, aber einen schönen Auftritt hinlegte. Die Lieder handelten humorvoll von unserer Station. Und das war ein Renner“, sagt Susanne Fieberg.
  • Statt Weihnachtskarten: Porträts der Kollegen zeichnen lassen.
  • Statt Standardbrief oder Rundmail: Zeit nehmen für ein persönliches Gespräch mit jedem einzelnen Kollegen und ganz individuell Dank aussprechen.
  • Statt Online-Gutschein: den stationären Handel oder die Gastronomie vor Ort unterstützen, beispielsweise den Krimifan mit einem Thriller und den abenteuerlustigen Kollegen mit einem Gutschein für ein Reisebuch überraschen ¬oder auch schon einmal einen gemeinsamen Abend im Lieblingsrestaurant auf die Agenda setzen – auch als positiven Ausblick auf die Zeit, in der unbefangenes Feiern und Verreisen wieder möglich sein werden.

Autorin: Lin

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