Corona

Die Weihnachtsfeier fällt aus - und jetzt?

Mit welchen alternativen Gesten Stationsleitungen, WBL und Pflegedienstleitungen Anerkennung zeigen können - und welche Fettnäpfchen es dabei zu umgehen gilt

Inhaltsverzeichnis

Und wieder fällt sie flach: die Weihnachtsfeier mit den Kollegen. Einfach mal entspannt beisammen sein, ein gutes Essen genießen und ohne Zeitdruck plaudern – wie schon 2020 wird daraus für viele Pflegeteams in der Pandemie eher nichts. „Auch in diesem Jahr können wir wieder nicht in geselliger Runde zusammensitzen. Die aktuelle Infektionslage erlaubt es uns bedauerlicherweise nicht, unsere traditionellen Weihnachtsfeiern mit den Teams durchzuführen“, sagt Alexandra von Rex, Pflegedirektorin am Klinikum der Stadt Ludwigshafen (KliLu). „Diese soziale Distanzierung über eine längere Dauer ist nicht gut für die gesamte Stimmung und das Klima, das spüren wir alle.“ Die einzelnen Stationen und Abteilungen der Klink versuchten zwar, im Rahmen der strengen Hygienevorgaben noch eine besinnliche Stimmung aufkommen zu lassen. Die gesellige Komponente aber – die gerade im Krankenhaus so wichtig sei – fehle schlicht.

Eigentlich müsste man jetzt enger zusammenrücken

„Unsere Teams arbeiten in dieser Pandemie hart und viel – und das seit nunmehr weit über 18 Monaten. Im Rahmen von Betriebsfeiern können wir uns normalerweise für die geleistete Arbeit bei den Kollegen bedanken und uns auch mal gegenseitig kräftig auf die Schultern klopfen. Man lernt sich untereinander von einer ganz neuen Seite kennen und profitiert von diesen gemeinsam geschaffenen schönen Erinnerungen dann auch wieder im Berufsalltag“, so von Rex. Umso nötiger wäre es eigentlich aus ihrer Sicht, gerade in der belastenden Corona-Zeit enger zusammenzurücken, dabei Sorgen und Nöte anhören und gemeinsame Lösungen suchen zu können. Stattdessen findet all dies nun in Gesprächen im kleinsten Kreis statt.

Klinikum Ludwigshafen: Resilienz-Training für jede Pflegekraft

Eines aber sollten die pandemiebedingten Einschränkungen keinesfalls mit sich bringen: dass zugleich die persönliche Wertschätzung der Mitarbeitenden und der Dank für ihre Arbeit stillschweigend wegfallen – selbst wenn nun Weihnachtsfeiern als gewohnter Rahmen abgesagt sind. Um neben der wichtigen Anerkennung auch Entlastung anzubieten, habe sich das Klinikum Ludwigshafen schon im laufenden Jahr umfassend mit dem Thema Resilienz befasst, so von Rex.

Mitarbeitenden steht neben Gesprächen mit Psychologen eine bunte Auswahl an Modulen zur Verfügung, die die eigene Widerstandskraft – beruflich wie privat – stärken sollen. Digitale Führungskräftecoachings, Kurzvideos mit angeleiteten Entspannungsübungen oder aktuell ein digitaler Adventskalender für mehr Achtsamkeit zeigen Wege auf, mit der Belastung auf gesunde Weise umzugehen. Viele Tipps und Ideen für mehr Ruhe, Gelassenheit und Kraft finden sich zusammengefasst im kleinen Taschen-Resilienz-Helfer - auch für Kollegen aus anderen Kliniken.

Adventskalender: virtuell - und ganz persönlich

„Darüber hinaus lassen wir uns eine weihnachtliche KliLu-Tradition nicht nehmen – wie in den vergangenen Jahren bin ich mit meinen Kollegen der Pflegedirektion Ende November in alle Stationen und Bereiche gegangen und habe dort jeder einzelnen Pflegekraft auch einen ‚echten‘ Adventskalender übergeben“, sagt von Rex. Zudem hat sich das Haus zusammen mit der Wirtschaftsgesellschaft des Klinikums eine kulinarische Überraschung einfallen lassen, die den Mitarbeitenden vor Weihnachten noch eine weitere Freude bereiten soll. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für uns unersetzlich. Das wollen wir ihnen auch vermitteln, mit den Möglichkeiten, die uns aktuell zur Verfügung stehen“, so die Pflegedirektorin.

Nehmen Sie sich Zeit, jedem Teammitglied persönlich zu danken!

Gerade in der Pandemie komme es auf solche persönlichen Gesten an, betont Gabriela Meyer, Autorin und Trainerin für moderne Umgangsformen. Denn je größer die Krise, desto klarer sollten Führungskräfte kommunizieren und offen sein für die Sorgen ihrer Mitarbeitenden. „Was wir jetzt brauchen, sind Kollegen und Vorgesetzte, die nicht zögern, freundlich zu sein. Es ist genau richtig, wenn sich zum Beispiel Stationsleitungen besonders in diesem Jahr zu Weihnachten die Zeit nehmen, jedem Teammitglied persönlich zu danken. Sei es in einem Gespräch oder mit einem handgeschriebenen kleinen Brief.“ Wer sich hiervor scheue, signalisiere: Ich sehe deinen Einsatz nicht, ich sehe dich nicht! „Was dagegen zählt, ist die Geste, die von Herzen kommt. Sie macht den Wert der Anerkennung aus, nicht etwa die Marke der Schokolade in den Weihnachtstüten.“

Weihnachtskarten sind gut, aber individuell sollten sie sein

Ihr Tipp: Wer etwas Besonderes suche, könne sein Team beispielsweise mit gezeichneten Porträts überraschen. „Sie finden viele Illustratoren auf Instagram, die sich über Aufträge freuen. Und ganz wichtig für die persönliche Note: Eine Unterschrift allein auf einer Standard-Weihnachtskarte wird den Empfänger nicht begeistern. Fügen Sie Ihrer Karte handschriftlich nach Möglichkeit immer einige individuelle Worte hinzu. Schreiben Sie von Mensch zu Mensch“, sagt Meyer. „Nur: ‚Liebe Kollegen, fantastisch, dass Sie auch in diesem Jahr zu Weihnachten wieder unbezahlte Überstunden machen‘, das sollte es nicht sein.“ Floskeln und Durchhalteparolen sind definitiv nicht angezeigt.

So geht es auch ohne Weihnachtsfeier: 5 Tipps

Weitere Ideen von Alexander von Rex, Susanne Fieber und der Expertin für Höflichkeit Gabriela Meyer:

  • Statt Weihnachtsmarktbesuch: „Warum nicht virtuell eine Party feiern, per Zoom oder Skype gemeinsam essen, wichteln, basteln und Glühwein trinken? Das alles geht auch online“, schlägt Gabriela Meyer vor. „Vielleicht ist es sogar eine Chance, sich mit dem einen oder anderen aus dem Team noch näher zu kommen als bisher.“
  • Statt Weihnachtsfeier: schon einmal ein Frühlings- oder Sommerfest auf dem Außengelände planen - und vielleicht sogar das Musikprogramm selbst gestalten mit einer Kollegen-Band.
  • Statt Weihnachtskarten: Porträts der Kollegen zeichnen lassen.
  • Statt Standardbrief oder Rundmail: Zeit nehmen für ein persönliches Gespräch mit jedem einzelnen Kollegen und ganz individuell Dank aussprechen.
  • Statt Online-Gutschein: die Gastronomie vor Ort unterstützen und schon einmal einen gemeinsamen Abend im Lieblingsrestaurant auf die Agenda setzen – auch als positiven Ausblick auf die Zeit, in der unbefangenes Feiern wieder möglich sein wird.

Autorin: Lin

 

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