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Corona

Die Rückkehr der Masken

Die Corona-Zahlen steigen, die RSV-Fälle explodieren. Viele Kliniken gehen wieder per Hausrecht zur Maskenpflicht über. Wird die Maske wieder generell Pflicht in Klinik und Pflegeheimen?

Zuletzt war es das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Seit dem 9. Dezember gilt hier „für Besucherinnen und Besucher für interne und externe Dienstleister (z.B. Transportdienste) sowie für ambulante Patientinnen und Patienten die Pflicht, während des gesamten Aufenthalts in den Räumlichkeiten des Klinikums eine Maske (Mund-Nase-Schutz) zu tragen“.

Was in der Potsdamer Klinik erst seit ein paar Tagen verpflichtend ist, ist deutschlandweit in vielen Krankenhäusern seit Wochen wieder Alltag. Ob im Uniklinikum Tübingen, im Klinikum Dessau oder an den Standorten des Harzklinikums: Die Maske ist zurück. Meist noch nur als Empfehlung, aber immer mehr als Pflicht.

An einigen Kliniken gibt es FFP2-Maskenpflicht für Besucher

So müssen im Klinikum Frankfurt Höchst die Besucherinnen FFP2-Masken tragen, am Klinikum Darmstadt ist die Maskenpflicht bisher nur „auf gefährdete Bereiche" wie die Onkologie oder die Intensivstation beschränkt. Aber: Man beobachte die Entwicklung der Fallzahlen genau und bespreche sich wöchentlich, teilt die Klinik mit. Eine generelle Maskenpflicht werde eingeführt, wenn es zu vermehrten Infektionsfällen und schweren Verläufen auch auf anderen Stationen komme.

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Das Uniklinikum Gießen und Marburg hat die schon bestehenden Regelungen sogar noch verschärft. Es gilt nicht nur die Maskenpflicht für Besucherinnen, Patienten und Begleiter sowie Klinikmitarbeiter mit Patientenkontakt: Auch die Anzahl der Besucher pro Patient ist auf täglich eine Person pro Stunde beschränkt.

Auch wenn die vom RKI wöchentlich veröffentlichten Zahlen noch keine neue Corona-Welle zeichnen, steigen die Erkrankungen an. So lag in der zweiten Dezemberwoche die Anzahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bei 4.852. Stationär werden 6.756 Erkrankte in den Kliniken versorgt.

Wieder mehr Intensiv-Betten mit Corona-Patienten belegt 

Den Intensiv-Bereich bringt das bereits an die Grenzen, denn je nach Bundesland sind zwischen 6 und 14 Prozent der Intensiv-Betten mit Corona-Erkrankten belegt. Folge: Deutschlandweit sind nur zwischen 4,7 und 19,2 Prozent der Intensivbetten frei - in Bremen gerade einmal sechs. Da nach dem DIVI-Intensivregister mindestens 10 Prozent der Betten frei zur Verfügung stehen müssen, um Notfälle wie Herzinfarkte oder Unfallopfer schnell und adäquat intensivmedizinisch versorgen zu können, nähert sich die Intensiv-Versorgung in manchen Regionen dem roten Bereich an.

Wie groß die aktuelle Corona-Inzidenz wirklich ist, lässt sich nicht genau auszumachen, da kaum noch getestet werde, wie der Frankfurter Virologe Martin Stürmer anmerkt. Und: Zu den Corona-Fällen kommen jetzt auch noch der Atemwegsinfekt RSV-Erkrankten hinzu (RSV: Respiratorische Synzytial-Virus). Ende November ist nach Einschätzung des RKI die RSV-Welle gestartet. Als Risikogruppen für schwere Verläufe gelten Frühgeborene, Kinder mit Lungenvorerkrankung oder mit Herzfehler, aber auch Erwachsene über 65 Jahren und Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem. Hier liegt die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei 326.

Einziger Lichtblick:  Grippe-Welle hat noch nicht begonnen

Die Kliniken bereiten sich also – auch mit Maskenpflicht – auf kommende Erkrankungswellen vor. Doch wie sieht es in den stationären Pflegeeinrichtungen aus? Hier gibt es keine aktuellen Zahlen zu den Corona-Erkrankungen, da die entsprechenden Verordnungen weggefallen sind und es auch keine Testpflicht mehr gibt. So werden zum Beispiel Corona-Erkrankungen oft wegen der erkältungsähnlichen Symptome nicht mehr Corona zugeordnet.

Dennoch ist immer wieder von Corona-Ausbrüche zu hören: So meldete ein Altenheim im bayerischen Erlangen einen Ausbruch mit 36 erkrankten Personen, im saarländischen Bettingen wurden 13 Krankheitsfälle verzeichnet. Auch in einem Seniorenheim im Eifelkreis Bitburg-Prüm gab es einen Corona-Ausbruch, das Haus wurde für Besucher geschlossen.

Evangelische Heimstiftung testet regelmäßig auf Corona

Das einiges auf Pflegeheime zukommen könnte, ist vielen Betreibern bewusst. Bei der Evangelischen Heimstiftung hat man „Krisenteams“ eingerichtet, die „eigenverantwortlich aufgrund der örtlichen Situation“ reagieren sollen. Heißt: „Bei einem aktiven Infektionsgeschehen greifen wir natürlich auf FFP2-Masken und sonstige Schutzkleidung zurück, wir testen nach wie vor und positiv getestete Bewohnerinnen und Bewohner versorgen wir in ihren Zimmern. Wir informieren auch Angehörige und Gäste und bitten, die Besuche auszusetzen oder im Zweifel mit FFP2-Maske zu kommen. Wir haben natürlich die Erfahrung aus der Corona-Pandemie und erprobte Schutzkonzepte“, sagt Unternehmenssprecherin Dr. Alexandra Heizereder. Eine „grundsätzliche Maskenpflicht“ werde es nicht geben. Und das Konzept gehe auf: „Insgesamt klappt es gut, sowohl bei Mitarbeitenden als auch Bewohnenden und Angehörigen stoßen wir auf Verständnis – was uns die Arbeit natürlich erleichtert.“ Eine „grundsätzliche Maskenpflicht“ werde es nicht geben.

In welchen Fällen sollten Pflegekräfte Masken tragen? 

Ähnlich verfährt die Diakonie Baden. Hier hält man sich eng an die Empfehlungen des RKI. Eine allgemeine Maskenpflicht gibt und wird es in den Einrichtungen nicht geben. Die einzelnen Einrichtungen agieren hier entsprechend der RKI-Richtlinien in Eigenverantwortung. Für Pflegekräfte sind FFP2-Masken oder MNS (Mund-Nasen-Schutz) allerdings vorgeschrieben:

  • bei Versorgung von Personen mit Verdacht auf oder bestätigter Infektion
  • wenn Pflegekräfte im eigenen Haushalt mit einer Person mit bestätigter Infektion zusammenlebt
  • für Pflegende mit milden Symptomen einer Atemwegserkrankung, die als arbeitsfähig    eingestuft wurden 
  • Kontaktpersonen unter Personal
  • Kontaktpersonen unter Bewohnern.

Ähnlich positioniert sich auch der Deutsche Pflegerat. Präsidentin Christine Vogler: „Die Rückkehr zur Maskenpflicht als gesetzliche Pflicht für die Profession Pflege ist nicht angebracht. Die Bekämpfung jeder Pandemie, wie im Übrigen auch von jedem grippalen Effekt kann gesellschaftlich nicht auf eine einzelne Berufsgruppe übertragen werden.“ Allerdings: „Als Empfehlung ist das Tragen einer Maske in Abhängigkeit von der epidemiologischen Situation durchaus sinnvoll. Die Entscheidung darüber muss jedoch vor Ort liegen, unter Einbezug der Profession Pflege und unter Beachtung der Vorgaben und Einhaltung des Hygienemanagements.“

Lauterbach gegen Maskenpflicht-Verordnung

Auch in der Politik findet sich derzeit niemand, der zurück zur Maskenpflicht will. Weder der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) noch seine Kolleginnen in den Ländern wollen sich auf Diskussionen und Auseinandersetzungen um die Maskenpflicht einlassen. Sie verweisen alle auf das Prinzip Freiwilligkeit: Karl Lauterbach riet in einem Interview mit „Bild am Sonntag“ dazu, lieber die Maske in Bus und Bahn zu tragen und empfahl außerdem die Corona-Auffrischungsimpfung.

Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch, der für sein Bundesland gerade eine „heftige Infektionswelle“ ausgemacht hat, empfiehlt das Tragen einer FFP2-Maske in Bahnen und Supermarkt als „vernünftiges Verhalten“. Eine Maskenpflicht schließt er allerdings aus, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Clemens Hoch verweist auf die Empfehlungen des RKIs und das Hausrecht der Kliniken und Pflegeheime.

Einheitliche Regeln zur Maskenpflicht hätten einige Vorteile 

Den Verweis auf „Kann“-Regeln sieht der Heimleiter des DRK-Seniorenzentrums im rheinland-pfälzischen Konz René Weis jedoch kritisch. Auch weil sie den Vorschriften der örtlichen Gesundheitsbehörden zum Teil widersprechen. Weis gegenüber dem SWR: „Wichtig für uns wäre es, dass wir eine einheitliche Regelung haben, auf die sich die Mitarbeiter, aber auch die Pflegeheime beziehen können und damit auch handeln können. Und das fehlt halt."

Autor: Hans-Georg Sausse

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