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Medifox-Dan auf der Altenpflegemesse in Essen in diesem April.   

Gesundheitswirtschaft

Die 4 wichtigsten Fragen zum Verkauf von Medifox Dan 

Vor wenigen Tagen hat der US-amerikanische Gesundheitskonzern Resmed das deutsche Software-Haus Medifox Dan für eine Milliarde Dollar übernommen. Was bedeutet das für die vielen Kunden von Medifox Dan in der Pflegebranche?  

Einhörner nennt man in der Digital-Branche Unternehmen, die es auf eine Milliarde Dollar Wert bringen.  1.100 davon zählte die New Yorker Analyseplattform CB Insights weltweit bis Juni 2022. In Deutschland sind es 26, in der Gesundheitsbranche mit dem Biotechnologie-Unternehmen Curevac dem Medizinprodukte-Hersteller Otto Bock Healthcare, der vor allem für seine Prothesen bekannt ist, zwei.

Doch nun hat es ein Medical-Software-Haus aus Hildesheim geschafft, in diesen exklusiven Club aufzusteigen. Die Medifox-Dan-Gruppe wurde Mitte Juni von dem US-amerikanischen Gesundheitskonzern Resmed für 1 Milliarde Dollar (950 Millionen Euro) übernommen.

1. Was macht Medifox Dan so attraktiv?

1994 gegründet, hat sich Medifox Dan zu einem der führenden Anbieter für Software in der deutschen Gesundheitsbranche entwickelt, besonders in der ambulanten Pflege sind die Softwarelösungen weit verbreitet. Über 7.000 Kunden und rund 100.000 Pflegekräfte arbeiten mit den digitalen Anwendungen. Mit der innivativen Medifox-Software können mobile Pflegedienste unter anderem Routen planen, ihre Dienstleistungen dokumentieren und verwalten sowie Rechnungen schreiben. Damit ist Medifox Dan Markführer in Deutschland.

Schon seit 2013 gehört das Hildesheimer Unternehmen mehrheitlich Finanz-Investoren. Damals beteiligte sich die ECM Equity Capital Management GmbH an dem Unternehmen. Die Frankfurter Investoren waren im Rahmen einer Nachfolgeregelung gemeinsam mit dem Management eingestiegen. 2018 übernahm dann der britische Private-Equity-Investor hg Medifox, das mit Zukäufen das so Unternehmen stark machte, um es nun an Resmed verkaufen zu können.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr machte Medifox Dan einen Umsatz von 79 Millionen Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 33 Millionen Euro.

2. Wer ist Resmed?

Wer unter Schlafapnoe leidet, kennt das Unternehmen. Denn Resmed ist weltweit führend in der Entwicklung, Produktion sowie dem Vertrieb von Produkten und Systemlösungen für die Diagnose und Therapie von sogenannten schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS). Auch in Deutschland. An den schlafgezogenen Atmungsstörungen leiden hierzulande mindestens 26 Millionen Menschen, so eine Studie aus dem Jahr 2019, besitzt somit den „Charakter einer Volkskrankheit“ so die Landesärztekammer Hessen.

Resmed wurde 1989 in Sydney, Australien, geründet. Inzwischen liegt der Hauptsitz im kalifornischen San Diego. Das Medizinunternehmen ist in über 100 Ländern mit rund 7.500 Mitarbeitern (900 Deutschland) weltweit vertreten. Die börsennotierte Firma unterhält Entwicklungsstandorte in Sydney, Chatswort (USA), Paris und im deutschen Martinsried.

In Deutschland zählt Resmed derzeit u?ber 750 Beschäftigte, der Großteil davon im Homecare Bereich, der u?ber 250.000 Patientinnen und Patienten versorgt.

Für das Jahr 2021 meldete Resmed einen Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar bei einem kontinuierlichen Wachstum von 15 Prozent über die letzten fünf Jahre.

3. Warum steigt Resmed bei Medifox Dan ein?

In den USA betreibt Resmed schon das gleiche Geschäft wie Medifox in Deutschland. In Deutschland und Europa ist das Unternehmen bisher vor allem nur mit Angeboten rund um Schlafapnoe-Behandlungen aktiv. Um hierzulande und in Europa in weitere Geschäftsfelder der Gesundheitsbranche zu wachsen, macht es Sinn, das innovative Produkt- und Dienstleistungsportfolio in das Unternehmen zu integrieren. Erst vor kurzem hat Medifox Dan neue Software-Generationen auf den Markt gebracht, die „neue Maßstäbe für die Zukunft der Pflege“ setzen, wie Resmed mitteilt. Und weiter: „Die Übernahme soll die Stärken der beiden Unternehmen zusammenführen und Synergien zu nutzen, um die Digitalisierung des Gesundheitswesens zu verbessern. Beide Unternehmen sind gut aufgestellt, um die wachsende Nachfrage nach digitalen Lösungen in Deutschland zu befriedigen und als ein globales Team zur Verbesserung der Patientenversorgung beizutragen“.

4. Was bedeutet die Übernahme für die digitale Gesundheitsbranche in Deutschland?

Nach Auffassung des Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) nichts Beunruhigendes. Dennis Geisthardt, Referent Politik beim Verband: „Die Übernahme von Medifox Dan durch Resmed erachten wir als unproblematisch. Wir sehen diese als normale Entwicklung innerhalb eines funktionierenden Marktes an.“ Außerdem werden vom „bilateralen Austausch von Expertise und Knowhow“ alle Seiten profitieren. Geisthardt weiter: „Somit ist eher mit einem Schub als mit einer Entschleunigung bei der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen zu rechnen.“

Autor: Hans-Georg Sausse

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