Gesundheits- und Krankenpflege

Desinfektionsmittel fördern COPD

Krankenschwestern und Pfleger, die häufig Oberflächen mit Desinfektionsmitteln reinigen, haben ein erhöhtes COPD-Risiko. Dies legt eine große Beobachtungsstudie aus Frankreich nahe.

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Wenn eine Pflegekraft regelmäßig und über Jahre hinweg Desinfektionsmittel nutzt, über Ablagen wischt, Instrumente säubert, vielleicht auch noch Böden reinigt – wie hoch ist die Gefahr, dass auf Dauer ihre Atemwege leiden? Diese Frage interessierte die Wissenschaftlerin Orianne Dumas vom französischen Institut für Gesundheit und Medizinforschung Inserm (Institut national de la santé et de la recherche médicale). Die Forscherin startete eine Untersuchung unter 55.000 amerikanischen Krankenschwestern, die in der US Nurses Health Study II registriert sind, einer nationalen US-amerikanischen Langzeitstudie unter weiblichem Pflegepersonal.

Risiko um 22 bis 32 Prozent erhöht

Sie ermittelte, wie häufig diese Frauen, die zum Beginn des Untersuchungszeitraums im Jahr 2009 alle im Pflegedienst tätig waren, bis 2017 mit Desinfektionsmitteln in Kontakt gekommen sind – und bei welcher Art von Reinigungsaufgabe. Anschließend stellte sie diesen Daten die Krankheitsfälle der Frauen gegenüber. Ergebnis: 663 Pflegerinnen erkrankten während der acht Jahre an der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit COPD (chronic obstructive pulmonary disease); viele dieser Frauen waren zuvor regelmäßig mit Desinfektionsmittel in Berührung gekommen: „Wir haben herausgefunden, dass Pflegerinnen, die mindestens einmal pro Woche Oberflächen mit Desinfektionsmittel reinigten, ein 22- bis 32-prozentig höheres Risiko hatten, eine COPD-Erkrankung zu entwickeln“, sagte Dumas, als sie ihre Ergebnisse im September auf einem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Atemwege ERS (European Respiratory Society) in Mailand erstmals vorstellte.

Weniger riskant: Instrumente reinigen

Interessant: Es scheint eine Rolle zu spielen, für welchen Reinigungsjob die Pflegerinnen die chemischen Mittel vorrangig benutzten. So ließ sich etwa zwischen der langjährigen und regelmäßigen Desinfektion von medizinischen Instrumenten und COPD kein Zusammenhang finden, „zumindest war der statistisch nicht relevant“, so Dumas.

Keine Ausnahme registrierten die Forscher hingegen bei den einzelnen Inhaltsstoffen der Reinigungsmittel: Ob Glutaraldehyd, Wasserstoffperoxid, Alkohol oder quartäre Ammoniumverbindungen (Quats): Sie alle stehen laut Ergebnissen der Studie in Zusammenhang mit dem erhöhten COPD-Erkrankungsrisiko.

Nun ließe sich entgegnen, dass die erkrankten Pflegerinnen vielleicht besonders viel geraucht, die COPD vielleicht aus diesem Grund entwickelt hätten. Doch Dumas erklärt, dass sie die Untersuchung um spezifische Faktoren wie das Alter, den Body Mass Index, die ethnische Herkunft – und eben auch das Raucherverhalten bereinigt hätte.

Zwei Studien zu COPD bei Reinigungskräften

Dumas erinnerte in Mailand außerdem daran, dass es bereits zwei europäische Studien gebe, die den Zusammenhang zwischen der Arbeit als Reinigungskraft und COPD zeigten. Dass auch Pflegekräfte von diesem Risiko betroffen sein könnten, hätte bislang noch zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Doch Dumas betonte ebenso, dass es sich bei ihrer Untersuchung lediglich um eine Beobachtungsstudie handele. Die Zahlen würden nicht belegen, dass Desinfektionsmittel tatsächlich COPD auslösten. „Sie sind erst mal vorläufige Ergebnisse und weisen als solche nur darauf hin, dass es einen Zusammenhang gibt.“ Für sichere Rückschlüsse sei mehr Forschung notwendig.

Die treibt Dumas nun voran: Derzeit bemüht sich die Französin um finanzielle Unterstützung durch das US Center for Disease Control und Prevention – damit ihre Forschung an Gesundheitsrisiken für Pflegekräfte weitergeht.

Autorin: Romy König

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