Ein junger Mann im blauen Hamd in einem hellen Raum.

Digitalisierung

Denkt doch nicht gleich an Roboter!

Krankenpfleger Florian Bechtel (25), einer der Gründer von Hashtag Gesundheit, möchte seinen Kollegen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Im Interview erklärt er die Vorteile für die Pflege

Inhaltsverzeichnis

Das Interview erschien zuerst im Kammermagazin INTERAKTIV, der digitalen Zeitschrift der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Über Florian Bechtel

Florian Bechtel arbeitet auf der Herz- und Gefäß hirurgischen Intensivstation des Universitätsherzzentrums Freiburg - Bad Krotzingen und für einen ambulanten Pflegedienst. Daneben studiert er Management im Gesundheitswesen. Hashtag Gesundheit, 2018 als Verein gegründet, beschreibt sich selbst „als Plattform für junge Berufseinsteiger und Studierende aus Pflege, Medizin und Ökonomie, die die Strukturen der deutschen Gesundheitsbranche grundlegend in Frage stellen und innovative Lösungsansätze entwickeln“.

Interview

Diskussionen über die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung sind oft kontrovers und emotional. Wovor fürchten sich die Kritiker?

Florian Bechtel: Viele Pflegekollegen, aber auch Ärzte, haben Angst, ersetzt zu werden. Das liegt sicher auch daran, dass Digitalisierung in den Medien häufig mit Robotern gleichgesetzt wird. Tatsächlich gibt es ja in Japan bereits Roboter, die Menschen beim Duschen und Baden unterstützen. Allerdings bezweifle ich, dass diese in Deutschland jemals akzeptiert werden. Zu diesem Thema wird es sicherlich in den kommenden Jahren noch so manche Grundsatzdiskussion geben.

Sie arbeiten als Pflegefachmann auf einer Herz- und Gefäßchirurgischen Intensivstation und nebenbei in der ambulanten Intensivpflege. Wo und in welcher Form begegnet Ihnen in Ihrem Berufsalltag die Digitalisierung?

Das kommt darauf an, wie Sie Digitalisierung definieren. Ist damit die digitale Dokumentation gemeint, begegnet sie mir immer, wenn ich bei der Arbeit bin. Das ist aber hierzulande längst nicht flächendeckend in allen Krankenhäusern der Fall. Tatsächlich gibt es immer noch zahlreiche Kliniken, die nicht einmal WLAN haben.

Was müsste aus Ihrer Sicht noch passieren?

Eine „echte“ Digitalisierung bedeutet, dass man alle bestehenden Prozesse evaluiert und schaut, welche Abläufe man mit digitalen Hilfsmitteln einfacher gestalten kann. Ein Beispiel, bei dem das sehr gut funktioniert, ist die automatische Dokumentation von Vitalwerten auf der Intensivstation. Ein anderes Projekt, an dem ich grade mitarbeite, ist ein innovatives Patientenrufsystem. Anstatt nach der Pflege zu klingeln, können Patienten ihre Anliegen damit über eine Schnittstelle zu ihrem Smartphone oder Tablet mitteilen. Brauchen sie beispielsweise nur eine Flasche Wasser, kann das Assistenz- oder Servicepersonal diese bringen.

Passiert das dann nicht auf Kosten des Patientenkontakts der professionell Pflegenden?

Im Gegenteil. Denn wenn Pflegefachpersonen auf Station weniger unnötige Wege zurücklegen müssen – etwa, um einem Patienten Wasser zu bringen – haben sie mehr Zeit für echte pflegerische Aufgaben.

Wie kommt es denn, dass gerade die Pflegefachpersonen der Digitalisierung oft skeptisch gegenüberstehen?

Ich denke, das ist historisch gewachsen. Wir Pflegenden haben die Erfahrung gemacht, dass strukturelle Veränderungen wie digitale Dokumentationssysteme umgesetzt wurden, ohne zuvor den Bedarf der Praxis zu ermitteln. Für eine breite Akzeptanz digitaler Unterstützung ist es jedoch essenziell, so früh wie möglich diejenigen einzubinden, die damit arbeiten müssen. Und das ist im Krankenhaus, in Pflegeheimen und ambulanten Diensten nun einmal maßgeblich die Pflege.

Sie arbeiten sowohl in einem Krankenhaus als auch bei einem ambulanten Pflegedienst. In welchem Bereich ist die Digitalisierung weiter vorangeschritten?

Der ambulante Pflegedienst hat weniger Mitarbeiter und ist flexibler. Das macht es leichter, neue Dinge auszuprobieren. So werden dort etwa Smartphones für die Tourenplanung und auch für die Dokumentation eingesetzt – letztere funktioniert sogar per Spracherkennung, das ist richtig praktisch.

Interview: Kati Borngräber

Foto: UHZ Freiburg - Bad Krotzingen

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