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Montagscoaching

Damit Ihr Urlaub nicht zur Rufbereitschaft wird

Vor dem Urlaub wird’s gerade für Pflegedienstleitungen und Stationsleitungen oft eng. Projekte wollen erledigt, Pflegekräfte informiert und Aufgaben übergeben werden. Viele fragen sich: Schafft mein Team das auch?  

Eine weitere Folge der Serie Montagscoaching von Christiane Fruht   

Ausschlafen, Seele baumeln lassen, Freiheiten genießen: Einfach das tun, wozu man Lust hat. Für Sie als Führungsfrau ist Urlaub gleichzeitig eine Bewährungsprobe für Ihre bisher geleistete Führungsarbeit. Es stellt sich die Frage, ob es Ihnen gelungen ist, Ihren Verantwortungsbereich so zu strukturieren, dass alles auch ohne Ihre Anwesenheit rund läuft. Oder gehören Sie vielleicht zu denjenigen, die in ihren Ferien ständig wegen jeder Kleinigkeit vom Team kontaktiert werden müssen?

In Seminaren werden mir häufig die wildesten Urlaubsvorbereitungsszenarien geschildert. Über die Hälfte der Teilnehmerinnen tritt ihre Urlaubsreise in Gedanken an den Job an und ist deshalb mit Laptop und Smartphone ausgerüstet, um auch aus der Ferne Probleme lösen zu können. Es kommt wie es kommen muss: Der Urlaub entpuppt sich zur unfreiwilligen Rufbereitschaft und bringt kaum Erholung.

Je besser die Chefin, desto autarker die Mitarbeiter

Autark agierende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein Kennzeichen von hoher Führungsqualität. Wie gut Sie in der Praxis sind, kommt in Zeiten wie „der Urlaub der Chefin steht an“ zum Tragen: Ihr Team übernimmt gern Verantwortung, wenn Sie es zulassen. Um sich zu regenerieren, ist Distanz wichtig. Sie tanken erst dann Energie, wenn Ihr Urlaub folgende Elemente in Balance enthält:

  • gut von der Arbeit abschalten können
  • bewusst Entspannung erleben
  • alternative Aktivitäten genießen
  • die eigene Hoheit über ihre Zeit zu haben
  • Herausforderungen in neuen Aktivitäten finden

Ihre Vorbildfunktion auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist stark. Sind Sie im Urlaub erreichbar, gilt indirekt das Gleiche für Ihr Team. Womöglich bekommen Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie nicht erreichbar sind. Erholung ist jedoch kein Luxus, sondern ein Muss, wenn langfristig die Leistungsfähigkeit und Erholung erhalten bleiben sollen. Was beim Distanzieren von der Arbeit im Urlaub hilft, ist der Gedanke, dass Ihr Unterbewusstsein sich ja doch mit Problemen befasst. Es arbeitet weiter, ohne dass Sie es merken. Manchmal passiert in diesem Zustand auch etwas Wunderbares, nämlich, dass Ihnen wie aus heiterem Himmel eine Problemlösung zufällt, auf die sie sonst nicht gekommen wären. Wenn Sie noch nicht soweit sind, helfen Ihnen diese sechs Strategien dabei, sich langsam von der digitalen Nabelschnur zu emanzipieren.

  1. Regelmäßige Erreichbarkeitszeit festlegen. Vereinbaren Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen, wann Sie notfalls erreichbar wären, z.B. „Ich schaue jeden Abend um 19 Uhr in meine Emails. Bitte „Alarm“ im Betreff markieren, wenn ich dringend reagieren muss." Nach dem Urlaub kann besprochen werden, wie die Mitarbeiterinnen selbst hätte entscheiden können
  2.  Vertrauen und lockerlassen. Denken Sie daran: Ihre Mitarbeiterinnen wachsen an ihren Aufgaben. Schenken Sie Ihnen das Vertrauen, dass sie während des Urlaubs gut ohne Sie klarkommen werden. So geht transformationale Führung.
  3.  Stellvertreterinnen übernehmen Verantwortung. Benennen Sie Vertreterinnen. Wenn diese noch unsicher sind, generieren Sie „Wenn-dann“ Szenarien, die Sie gemeinsam vorab durchgehen.
  4.  Firmen-Handy ja oder nein? In größeren Kliniken entscheiden sich immer noch einige Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren bewusst gegen ein Firmenhandy und damit gegen eine ständige Erreichbarkeit. Eine Überlegung wäre es Wert.
  5.  Eigenes Handeln reflektieren und dabei lernen. Betrachten Sie das Loslassen von Ihrem Arbeitsplatz als persönliches Coaching und Challenge, um Ihre Führungsqualität auszubilden.
  6.  Ausnahmen, aber nicht die Regel. Gelangt Ihre Einrichtung in eine plötzliche existenzbedrohliche Situation, sind Sie selbstverständlich vor Ort.   Es sollte aber eine Ausnahme bleiben.

Das beste zum Schluss ...

Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause.

(Zitat von Elizabeth Barrett Browning)

Die Autorin

Christiane Fruht (49) ist eine begeisterte Netzwerkerin und erfahrene Führungskräftetrainerin für Frauen, Männer und Teams in Kliniken. Alles dreht sich bei ihr um die richtige Kommunikation – das ist ihr Herzensthema!

In der Serie Montagscoaching bereits erschienen:   

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Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com

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