Kosmetik-Serie Teil 3

Creme & Co. - besser ohne Parabene, besser Naturkosmetik

Lotion, Shampoo, Handcreme - Pflegekräfte kommen ständig mit Kosmetik in Kontakt. Die Frage nach Schadstoffen ist für sie deshalb besonders interessant

Inhaltsverzeichnis

Über Mikroplastik und Duftstoffe haben wir auf pflegen-online bereits berichtet - jetzt im 3. Teil unserer Kosmetik-Serie geht es um Konservierungsstoffe.

Grundsätzlich klingen Konservierungsstoffe nach einer guten Sache: Sie verhindern die Entwicklung schädlicher Keime in Cremes und Lotionen, das Risiko einer Übertragung von Bakterien wird durch sie so gering wie möglich gehalten – ein großer Nutzen, gerade in der professionellen Pflege. Zudem sorgen Konservierungsstoffe dafür, dass Cremes, Lotionen, Shampoos & Co. länger halten.

Beeinträchtigen Parabene das Hormonsystem?

Für den Anwender jedoch können Konservierungsstoffe erhebliche Auswirkungen haben. Besonders kritisch gesehen werden Parabene: Die antibakteriellen und fungiziden Stoffe stehen im Verdacht, in das Hormonsystem des Menschen einwirken zu können.

Ein Drittel der Kosmetik ist belastet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat 2013 die Inhaltsstoffangaben von mehr als 60.000 Kosmetik-Produkten untersucht. Knapp ein Drittel enthielt hormonell wirksame Chemikalien, darunter vor allem Parabene. Die forscher stießen auf:

  • Methylparaben in 24 Prozent der Kosmetika
  • auf Propylparaben in 18 Prozent aller Produkte
  • auf Ethylparaben (12 Prozent) und Butylparaben (10 Prozent)

Wasserhaltige Produkte enthalten oft Parabene

„Häufig werden die Stoffe zusammen eingesetzt“, so der BUND. Parabene werden vorrangig in Pflegeprodukten mit hohem Wasseranteil verwendet, weil diese schnell zu verderben drohen.

Parabene sollen ähnliche wirken wie Östrogen & Co.

Das Problem: Parabene besitzen eine ähnliche Wirkung wie weibliche Sexualhormone. Die EU hat bereits reagiert: Seit 2015 dürfen Propylparaben und Butylparaben nicht mehr in Kinderkosmetika enthalten sein, die im Windelbereich zum Einsatz kommen. Bei anderen Parabenen sind sich die Verantwortlichen in Deutschland derweil noch uneins: Während der BUND etwa Methylparabenen zu den hormonell wirksamen Stoffen zählt, stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sie, ebenso wie Ethylparabene, als „sicher“ ein.

BUND: Die Summe macht's, es gibt einen Cocktail im Blut

Der BUND weist darauf hin, dass nicht gleich jedes einzelne schadstoffhaltige Produkt krank mache – aber die Summe mache eben das Gift: „Im Blut praktisch jedes Menschen lässt sich heute ein ganzer ,Cocktail' künstlicher hormonähnlicher Stoffe nachweisen“, warnt das Institut in seiner Studie. Neben Parabenen können dies auch chemische UV-Filter wie Ethylhexyl Methoxycinnamate (OMC) oder die Hautpflege- beziehungsweise schutzmittel Hydroxycinnamic acid und Dihydroxybiphenyl sein.

Schlechtere Spermienqualität und verfrühte Pubertät?

Laut BUND berichteten Ärzte von einer Zunahme von Krankheitsbildern, wie sie auch bei Tieren in Versuchen mit hormonell wirksamen Stoffen festgestellt worden seien, dazu zählten der Rückgang der Spermienqualität und eine verfrühte Pubertät bei Mädchen. „Insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht ausreichend vor Kombinationseffekten durch hormonell wirksame Chemikalien geschützt“, warnt der BUND.

Parabene können sich in der Hornschicht ansammeln

Weitere Studien hätten außerdem einen gewissen Langzeiteffekt offenbart: Parabene können sich über den Zeitraum eines Monats in der Hornschicht der Haut ansammeln – mit der Folge, dass der Parabengehalt im Körper nach der Verwendung einer Creme ansteigt.

BUND: Parabene häufig in Nivea- und L'Oréal-Produkten

Die Expertise des Bundes für Umwelt und Naturschutz ergab, dass vor allem Kosmetikmarktführer wie Beiersdorf (Nivea) und L'Oréal mit Parabenen arbeiten: 46 beziehungsweise 45 Prozent der durch den Bund getesteten Produkte dieser Hersteller waren demnach betroffen. Diesen Zahlen beziehungsweise den Warnhinweisen vor diesen Substanzen widersprechen die Hersteller indes.

Stellungnahme von L’Oréal

„Alle L’Oréal-Produkte sind sicher in der Anwendung und gesundheitlich unbedenklich“, betont L’Oréal auf Anfrage von pflegen-online.de. Das Unternehmen aus Frankreich, das auch in Deutschland produziert, gilt als der größte Kosmetikhersteller der Welt.

Stellungnahme von Beiersdorf (Nivea)

„Nivea-Produkte enthalten ausschließlich Inhaltsstoffe, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und sicher für die Konsumenten sind“, heißt es in einem Statement der Beiersdorf AG. Anwender dieser Produkte müssten sich „absolut keine Gedanken machen“. In rund 20 Prozent der Nivea-Produkte würden Methyl-, Ethyl- und Propylparaben verwendet, nicht aber Butylparaben; in Babyprodukten würden diese Stoffe überhaupt nicht eingesetzt.

Beiersdorf: Parabene gut erforscht und seit 80 Jahren im Einsatz

Der Kosmetikhersteller aus Hamburg verweist auch auf eine jahrzehntelange Erfahrung mit den kritisierten Chemikalien: Seit rund 80 Jahren würden Parabene in weiten Teilen der Kosmetikindustrie eingesetzt – aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit und wissenschaftlich belegten guten Verträglichkeit. „Es sind die am besten erforschten Konservierungsstoffe“, heißt es bei Beiersdorf.

dm-Eigenmarken schneiden recht gut ab in BUND-Studie

Ebenso wie bei den duftstoffhaltigen Produkten gibt es auch bei konservierenden Parabenen Ausweichmöglichkeiten. „Dass das nicht sein muss, zeigen Naturkosmetikfirmen, deren Produkte frei von diesen Stoffen sind“, argumentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz. Auch die Eigenmarken der Drogeriekette „dm“ schnitten vergleichsweise gut ab.

Anissäure ist eine gute Alternative zu Parabenen

Keimfrei bleiben Cremes und Lotionen nämlich auch ohne die Beimischung von Parabenen. Das ermittelte die Stiftung Warentest 2013 in einem Belastungstest. Hersteller wichen dann meist auf Rezepturen mit alternativen Hilfsstoffen aus, die ebenfalls eine konservierende Wirkung hätten, so die Tester: Alkohol gehört dazu oder die – eigentlich als Duftstoff eingesetzte – Anissäure. Da Alkohol vor allem bei sensibler Haut austrocknend und reizend wirken kann, ist hier allerdings ebenfalls Vorsicht geboten.

Parabene-Check mit Tox-Fox

Auch hier gilt: Wer sicher gehen will, setzt auf Naturkosmetik (Verweise wie „frei von Parabenen“ geben Sicherheit) – oder nutzt die vom BUND entwickelte App ToxFox: Strichcode des Produkts einscannen, von App überprüfen lassen. Das Programm zeigt verwendete hormonelle Schadstoffe in über 80.000 Kosmetikprodukten an. Kein Smartphone zur Hand? Alternativ können Sie die Strichcodenummer auf der Tox-Fox-Website eingeben.

Autorin: Romy König/Mitarbeit: Nina Sickinger

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