Corona-Pandemie

Corona: Sorgen in der ambulanten Pflege besonders groß

Immer mehr Pflegekräfte in den ambulanten Diensten haben den Eindruck, dass ihr Unternehmen nicht gut genug vorbereitet ist - so das Ergebnis des Marktforschungsinstituts Psyma

Inhaltsverzeichnis

Das Marktforschungsinstitut Psyma ist in der Branche für seine Care Klima-Index-Studie bekannt. Jetzt präsentiert es die Ergebnisse einer kleinen Umfrage unter Pflegekräften. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen 197 Pflegefachkräfte befragt und schließt trotz der relativ geringen Zahl der Befragten: „In der ambulanten Pflege zeigen sich erste Anzeichen für wachsende Schwierigkeiten.“ Die erste Umfrage lief vom 3. bis 12. März, die zweite vom 16. bis 17. März.

Die persönliche Angst ist größer geworden

Wie Psyma in einer Mitteilung vom 18. März schreibt, sei der Mittelwert bei der Frage, ob „Ihre Einrichtung auf Krankheitsfälle mit Corona vorbereitet ist“, von vorher 5 auf 3.8 gesunken (7 bedeutet „absolut vorbereitet“). Auch ist die persönliche Angst der Befragten angesichts der Infiziertenzahlen in Deutschland gestiegen. Diese hatte sich im zweiwöchigen Studien-Zeitraum fast verfünffacht haben (von 1.600 auf 7.600): Dieser Wert stieg von zunächst 2,2 auf 3, 2 (1 bedeutet „überhaupt keine Angst, 7 „absolut“).

41 Prozent klagen über Mangel an Mundschutz & Co.

In der Umfrage nannte jeder zweite Befragte als größtes Problem das fehlende und teilweise auch unzureichend qualifizierte Personal (47 Prozent). Gleich danach folgt mit 41 Prozent die unzureichende Versorgung mit Schutzmaterialien wie Mundschutz. 19 Prozent nennen einen Mangel an Desinfektionsmitteln und immerhin noch 15 Prozent beklagen sich über inkompetente Leitung in der eigenen Einrichtung.

Alexander Jorde: Gesundheitssystem „nicht gut aufgestellt“

Die Dramatisierung der Situation in der Pflege beschreibt auch der Krankenpfleger Alexander Jorde aus Hildesheim in einem Interview mit T-Online am vergangen Dienstag dieser Woche. Jorde, der 2017 als Auszubildender in der „ARD-Wahlkampfarena“ das deutsche Pflegesystem scharf kritisierte und landesweit bekannt wurde, hält das Gesundheitssystem im Kampf gegen das Coronavirus „für nicht gut aufgestellt“. Es sei Augenwischerei zu behaupten, man habe genügend Betten, Beatmungsgeräte und sogar Ärzte. Ein Fakt sei, so Jorde: „Wir haben nicht genügend Pflegekräfte.“ Ausreichende Infrastruktur bringe nichts, „wenn wir kein Personal haben, das die Menschen in den Betten auch versorgt.“

So geht es nicht: Masken nur einmal pro Tag wechseln

Daneben bemängelt Alexander Jorde, inzwischen ausgebildeteter Gesundheits- und Krankenpfleger, den quallitativen und quantitativen Mangel an entsprechender Schutzausrüstung. Er habe an seiner Einrichtung noch keinen Mangel festgestellt. „Doch viel Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie ihre Masken nur einmal am Tag wechseln dürfen.“ Das sei hygienisch nicht sinnvoll. Wer die Maske immer wieder auf- und absetze, laufe ein höheres Risiko, sich anzustecken. „Normalerweise müsste man sie nach einmaligem Gebrauch im Zimmer wegwerfen.“

„Mein eigenes Leben zu gefährden oder das des Patienten?“

Jorde sorgt sich, dass Pflegende und Ärzte in ein paar Wochen, wenn die Infektionszahlen entsprechend steigen, ohne Schutz in die Zimmer gehen müssen. „Davor habe ich Angst: Dass ich entscheiden muss, mein eigenes Leben zu gefährden oder das des Patienten.“ Feige finde er, dass diejenigen, die für die Versäumnisse verantwortlich seien, davon kämen und andere diese Entscheidungen treffen müssten. Es könne auch nicht sein, findet Jorde, „dass wir die Produktion von Schutzgütern ins Ausland verlagern und dann völlig davon abhängig sind.“ Wenn für die Wirtschaft kurzfristig viel Geld bereit gestellt würde, dann müssten „jetzt auch im Bereich der Schutzmaterialien alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Arbeitsbedingungen für uns sicherzustellen“, sagte Jorde.

Autor: Johannes Kornacher

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